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Deutschland / Welt Muslim-Demo – die verpasste Chance
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Muslim-Demo – die verpasste Chance
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12:06 16.06.2017
Muslime in der neuen Ditib-Zentralmoschee in Köln. Quelle: dpa
Berlin

„Nicht mit uns“ sagen am Sonnabend Muslime und demonstrieren gegen IS-Terror, Religionswahn und gegen den Missbrauch des Koran. Die Deutschen ohne Migrationshintergrund werden es mit Wohlgefallen sehen, dass „die Anderen“ sich endlich auch bekennen. Allerdings sind sie nur Zuschauer beim „Aufstand der Anständigen“. Schade drum, ein gemeinsamer Marsch wäre eindrucksvoller, wirkungsvoller und demonstrativer gewesen.

Jetzt wird man akribisch darauf achten, wie viele es denn werden, welche Randgruppen mit abseitigen Ansichten sich auf der Demo zeigen. Und die meisten dürften sich erregen über die Absage des größten Islam-Dachverband in Deutschland, der türkisch-islamischen Union Ditib. Der hat sich selbst entlarvt.

Vielleicht wurde es ja wirklich mal Zeit für ein demokratisches Bekenntnis der Muslime. Stilbildender wäre es gewesen, hätten Muslime und Nichtmuslime, Christen und Nicht-Christen, Frauen und Männer ein gemeinsames republikanisches Bekenntnis auf die Straße gebracht. Den Koran, die Bibel und meinetwegen auch das 150 Jahre alte Werk von Karl Marx in der Hand hätten man das Grundgesetz mit seinen Werten feiern können. Das wäre die deutlichste Abrechnung mit den IS-Verbrechern und den terroristisch Verblendeten geworden. Denn die wollen nichts anderes als unsere Gesellschaft spalten, verängstigen und provozieren. Statt sich aufteilen zu lassen in Demonstranten und Köpfe zählende Zaungäste, hätte man vereint und vereinigt für Werte und Menschenrechte demonstrieren können und sollen.

So aber hat die ursprünglich gute Idee vom Sonnabend etwas Hilfloses und Rechtfertigendes. Zuviel der Ehre für die Angst und Schrecken verbreitenden Gewalttäter. Und der Marsch der Muslime wird wohl nicht an das Vorbild der legendären Lichterketten herankommen, mit denen in den neunziger Jahren auf den rechten Mob von Mölln, Hoyerswerda oder Rostock-Lichtenhagen im Lande reagiert wurde.

Von Dieter Wonka

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