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Deutschland / Welt Amerikas Geld-Giganten bringen sich in Stellung
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08:20 11.10.2018
Michael Bloomberg im vergangenen Jahr in Paris. Quelle: imago/PanoramiC
Washington

Es ist nur ein unscheinbares Foto, das seit Mittwoch auf Instagram kursiert: Ein Mann, von dem nur die Hände zu sehen sind, füllt eine Wählerregistrierung des Bundesstaates New York aus. Erst bei genauerem Hinsehen ist zu erkennen, dass es sich um Michael Bloomberg handelt.

Der 76-Jährige, der zu den reichsten Menschen der Welt zählt und elf Jahre lang Bürgermeister seiner Heimatstadt war, kehrt zur Demokratischen Partei zurück. Der langjährige Demokrat war im Jahr 2000 zu den Republikanern gewechselt, um sich im Ringen um das Bürgermeisteramt den Vorwahlkampf gegen seine eigenen Parteifreunde zu ersparen. Später erklärte sich Bloomberg zum unabhängigen Kandidaten, betrieb aber während seiner gesamten politischen Karriere eine Politik, die gemäßigten Positionen der Demokratischen Partei entsprach.

Noch wird gerätselt, welches Ziel der schillernde Milliardär mit seinem ungewöhnlichen Posting erreichen will. Ein offizielles Statement fehlt. Bloomberg schreibt lediglich zu dem Foto, dass die Demokraten wichtig seien für die Kontrolle, die Amerika so dringend benötige. Im Übrigen seien es stets die Demokraten oder Republikaner gewesen, die als „Bollwerk“ dienten gegen diejenigen, die die US-Verfassung bedrohen würden.

Bloombergs Vermögen wird auf knapp 50 Milliarden Euro geschätzt

Es bleibt also Raum für Spekulationen. Allerdings hatte der „Guardian“ bereits vor sechs Wochen erstmals über Bloombergs Ambitionen berichtet. Und auch am Mittwoch zeigten sich diverse Demokraten davon überzeugt, dass Bloomberg die Stimmungslage im Land zunächst testen wolle.

Der langjährige Politiker, dessen Vermögen auf knapp 50 Milliarden Euro geschätzt wird, ist in seiner eigenen Partei keineswegs unumstritten. Vor allem unter den Anhänger von Bernie Sanders, der der linken Bewegung zu einem enormen Auftrieb verhilft, dürfte der Medienunternehmer kaum Unterstützung finden. Auch die MeToo-Bewegung, die sich durch Trumps frauenfeindliche Bemerkungen provoziert und motiviert sieht, ist Bloomberg fremd geblieben.

Und doch werden gerade dem Mann, der den Wahlkampf im Zweifelsfall auch aus eigener Tasche zahlen könnte, gute Chancen eingeräumt, sollte er die unmittelbare Konfrontation mit Trump suchen. Eine Einschätzung, die ausgerechnet auch im Trump-Team geteilt wird.

Trump und Bloomberg – beide verstehen sich als Unternehmer

So zeigt sich Anthony Scaramucci, New Yorker Finanzmananger und Trumps früherer Kurzzeit-Kommunikationschef, überzeugt, dass Bloomberg ein aussichtsreicher Kandidat wäre. Zu Washingtoner Journalisten sagte Scaramucci kürzlich: Gerade als Politiker der Mitte, der auch viele Sympathien unter den Republikanern finde, besitze er ernsthafte Chancen. Mehr noch: Zurzeit sei er der einzige Bewerber unter den Demokraten, der Trump gefährlich werde könnte. Allerdings bleibe er skeptisch, so Scaramucci, ob sich Bloomberg auf die Tortur eines Präsidentschaftswahlkampfes überhaupt einlassen wolle.

Aber wer weiß? Vielleicht will sich Bloomberg mit Trump messen, gerade weil es gewisse Parallelen gibt? Beide Männer stammen aus New York, gehören der gleichen Generation an und verkehren in ihrer Heimatstadt in ähnlichen gesellschaftlichen Zirkeln. Ohne Zweifel ist Bloomberg noch ungleich vermögender als Trump – auch hat er sein Vermögen aus eigener Kraft geschaffen, während Trump unzählige Millionen seines Vaters in den Schoß fielen. Und doch verstehen sich beide als Unternehmer, die ihr Können auch in der Politik unter Beweis stellen wollen.

Bereits vor Wochen ließ Bloomberg wissen, die Wahlkämpfe der Demokraten zu den Zwischenwahlen am 6. November mit knapp 80 Millonen Dollar zu unterstützen. Und vor wenigen Tagen war der ausgewiesene Trump-Gegner in Kalifornien unterwegs, um den amerikanischen Klimaschützern unter die Arme zu greifen.

Einsatz für das Klimaschutzabkommen

Schon seit Monaten verfolgt Bloomberg hartnäckig die Strategie, die Vereinigten Staaten im Pariser Klimaschutzabkommen zu halten – trotz der Widerstände aus der US-Regierung. Mittlerweile haben sich mehr als 200 Städte und Gemeinden freiwillig verpflichtet, die CO2-Ziele nach Möglichkeit einzuhalten. Da in den Vereinigten Staaten mehr und mehr Erdgas statt Kohle verfeuert wird, verbessert sich die Klimabilanz des Landes ohnehin – trotz des Eskapaden in Washington. Und da sich auch diverse Industrieunternehmen hinter dem Vorhaben versammeln, steht Bloomberg einer überaus bunten Allianz vor, die sich nicht nach althergebrachten politischen Mustern beschreiben lässt.

Wie weit die Ambitionen des berühmten New Yorker reichen, spiegelt sich nicht zuletzt an seinen gegenwärtigen Reiseplänen wider. Um die Abgeordneten und Senatoren im Wahlkampf zu den „Midterms“ zu unterstützen, reist er in den kommenden Tagen in die besonders heiß umkämpften Regionen: Bloomberg spricht vor Anhängern der Demokraten in Michigan, Florida, Pennsylvania und South Carolina. Eine Tour, die sich einfache Parteimitglieder wohl nur zumuten, wenn sie eine ganz eigene Agenda verfolgen.

Von Stefan Koch/RND

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