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Deutschland / Welt „Mich verwundert die Pogrom-Stimmung in Chemnitz nicht“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Mich verwundert die Pogrom-Stimmung in Chemnitz nicht“
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19:48 27.08.2018
Rechtsextremismusexperte Günther Hoffmann. Quelle: Stefan Sauer/dpa
Berlin

Der Rechtsextremismus-Experte Günther Hoffmann (60) stammt ursprünglich aus Oberbayern. Er lebte lange Zeit in West-Berlin. Seit der Wende engagiert er sich in Ostdeutschland gegen Neonazis und antidemokratische Tendenzen. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht er über die Vorfälle in Chemnitz.

Herr Hoffmann, was ist in Chemnitz los?

Für eine detaillierte Analyse ist es noch zu früh. Fest steht: Der Polizei in Chemnitz sind die Probleme und die Hauptakteure im rechten Milieu seit Jahren bekannt. Man wusste, dass etwas passieren würde. Es herrschte eine Stimmung der Angst. Doch die einzigen, die wieder einmal zu spät kamen, waren die sächsischen Polizisten.

Haben Sie mit den Ausschreitungen gerechnet?

Mich verwundert die Pogrom-Stimmung in Chemnitz nicht. Chemnitz kann inzwischen überall sein. Die politische Atmosphäre in Deutschland wird seit Jahren aufgeheizt. Dafür tragen verbale Brandbeschleuniger wie Horst Seehofer, Markus Söder oder Sahra Wagenknecht die Mitverantwortung. Die etablierte Politik lässt sich von der Straße treiben. Das ist komplett unsouverän.

Wie meinen Sie das?

Jeder weiß, dass es bei der Ausländerkriminalität seit Jahren keinen relevanten Anstieg gibt. Wieso hört man das nie aus dem Munde der genannten Politiker, die gerade dabei sind, aus Angst vor dem Tod an der Wahlurne politischen Selbstmord zu begehen? Wir erleben einen Systemverfall aufgrund hilfloser und unfähiger Kommunikation.

Warum gibt es gerade jetzt diese rechtsextremen Jagdszenen?

Der Boden ist in Deutschland nicht erst seit gestern fruchtbar für Rechtsextremismus und Ausländerhass. Dafür gibt es seit Jahrzehnten einen empfänglichen Bodensatz von bis zu 20 Prozent. Der findet jetzt allerdings in der AfD und bei Pegida breite Artikulationsplattformen. Der rechte Mob kommt nicht wie Kai aus der Kiste. Die Bedrohung war permanent da.

Wie kann die Politik intelligent gegensteuern?

Programme gegen Rechtsextremismus kranken seit Jahren daran, dass die Verteidiger der Demokratie zu passiv geblieben sind. Nie hat man die Auseinandersetzung vor Ort gesucht. 80 Prozent der Fördermittel im Kampf gegen Rechtsextremismus sind deshalb rausgeschmissenes Geld.

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