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Deutschland / Welt Merkel und Schulz liefern sich Schlagabtausch
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Merkel und Schulz liefern sich Schlagabtausch
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22:20 03.09.2017
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Quelle: dpa
Berlin

SPD-Kandidat Schulz war angriffslustig, Merkel verwies auf Kontinuität in ihrer Kanzlerschaft und auf die großen Aufgaben, vor denen Deutschland in den nächsten Jahren steht - das Duell verlief nach dem erwarteten Muster.

Noch genau drei Wochen, dann wählen die Deutschen einen neuen Bundeskanzler. Am Sonntag werben Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz im großen TV-Duell um die Gunst der Wähler.

Eine echte Auseinandersetzung gab es in der Flüchtlingspolitik: Schulz hielt Merkel klare Fehler vor. Die Kanzlerin habe sich bei der dramatischen Situation der Grenzöffnung im Herbst 2015 nicht mit den europäischen Partnern abgestimmt, sagte der SPD-Vorsitzende: „Eine europäische Lösung wäre weniger zulasten Deutschlands gegangen.“ Merkel verteidigte ihre Entscheidung von vor zwei Jahren, in Ungarn festsitzenden Migranten und Flüchtlingen den Weg nach Deutschland zu ebnen. Sie habe damals nicht anders handeln können. „Es musste entschieden werden.“ Es sei klar gewesen, dass Ungarns Regierungschef Viktor Orban sich nicht solidarisch zeigen würde. Beide Kandidaten äußerten sich nicht eindeutig zum Familiennachzug von Kriegsflüchtlingen aus Syrien. Merkel will die Frage – anders als der Bundesinnenminister – erst 2018 entscheiden. Schulz setzt auf Einzelfallprüfungen.

Schulz will Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen für die Türkei

Im Konflikt mit der Türkei sprach sich Schulz für einen Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen mit Ankara aus. „Wenn ich Kanzler werde, werde ich die Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der Europäischen Union abbrechen.“ Er ergänzte mit Blick auf die jüngste Festnahme zweier Deutscher in der Türkei: „Es ist ein Punkt erreicht, an dem wir die wirtschaftlichen Beziehungen, die Finanzbeziehungen, die Zollunion und die Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union beenden müssen.“ Merkel verwies darauf, dass der Abbruch der Beitrittsverhandlungen einstimmig von allen EU-Mitgliedstaaten beschlossen werden müsse. Auch die Kanzlerin sprach von einer schwer erträglichen Situation mit der Türkei. Die Bundesregierung prüfe jetzt, ob die Reisehinweise noch weiter verschärft werden müssten.

Merkel sicherte zu, dass es mit ihr keine Rente mit 70 geben werde. Unter anderem hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ein längeres Renteneintrittsalter ins Gespräch gebracht. Die Kanzlerin sagte nun, für manche Berufsgruppen sei es schon jetzt schwer, bis 67 zu arbeiten, etwa für Pflegekräfte. Es gebe aber inzwischen auch die Flexirente für einen moderateren Übergang in den Ruhestand.

Zur Halbzeit des Duells sahen die Deutschen beim Duell eher Merkel vorn. Bei der Befragung durch infratest dimap bezeichnete zwar eine große Mehrheit Schulz als angriffslustiger, Merkel aber wurde als kompetenter und überzeugender empfunden.

Das Duell wurde von den vier Sendern ARD, ZDF, RTL und Sat.1 ausgestrahlt. Es soll bis zu 20 Millionen Zuschauer gehabt haben. Hier können Sie das Duell noch einmal im Minutenprotokoll nachlesen. Der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig (SPD) und Hamburgs ehemaliger Erster Bürgermeister, Ole von Beust (CDU), kommentierten die Veranstaltung live für Sie.

Von Jörg Kallmeyer/RND

Im großen TV-Duell schoben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gegenseitig die Schuld beim Thema Migration zu – größter Streitpunkt ist der Türkei-Konflikt. Hier können Sie das TV-Duell noch einmal nachlesen.

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