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Deutschland / Welt Wenn die Kanzlerin aus der Haut fährt
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11:26 11.06.2018
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Anne Will Quelle: imago/Jürgen Heinrich
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Berlin

Wenn Angela Merkel glaubt, sich an ihr Volk wenden zu müssen, dann tut sie das im Talkshow-Sessel bei ihrer Lieblingsmoderatorin Anne Will. So war es 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise. So war es 2016, als Merkel ihre erneute Kanzlerkandidatur erklärte. Und so ist es auch am Sonntagabend, wenige Stunden nachdem US-Präsident Donald Trump die seit Jahrzehnten geltende Weltordnung zertrümmert hat.

Mit seiner Blockadehaltung im Vorfeld des G7-Gipfels, seinem Benehmen während des Spitzentreffens und der Aufkündigung des bereits verbreiteten Abschlusskommuniques nach seiner Abreise hat Trump nicht nur die Führungsrolle der Vereinigten Staaten für die westliche Welt aufgegeben. Er hat auch die Verlässlichkeit der USA als Vertragspartner in Frage gestellt. Und er hat den Staats- und Regierungschefs seiner bis dato wichtigsten Alliierten unmissverständlich klar gemacht, welche Rolle die Bündnisse mit ihren Ländern aus seiner Sicht noch spielen: gar keine mehr.

Keine Gefühlsausbrüche der Kanzlerin

Man wüsste natürlich schon gerne, wie die Kanzlerin das so findet und vor allem - wie sie darauf reagiert. Die vielen Gespräche, die ganze Vorbereitung, die öffentliche Demütigung - da muss sie doch sauer sein. Merkel so richtig wütend, das hätte was.

Um es vorweg zu nehmen: Gefühlsausbrüche der Kanzlerin wird es auch an diesem Abend nicht geben. Merkel ist kontrolliert - selbst dann, wenn sie in Fahrt kommt. Ein „ernüchterndes Erlebnis” sei das Infragestellen des mühsam ausgehandelten Kommuniques gewesen, sagt Merkel. „Einschneidend” und auch „ein Stück deprimierend”.

Doch Resignation zählt nicht, die Kanzlerin kann auch energisch. „Wir lassen uns nicht ein ums andere Mal da irgendwie über den Tisch ziehen. Sondern wir handeln dann auch“, sagte Merkel am Sonntagabend in der ARD-Talksendung „Anne Will“ mit Blick auf die von Trump verhängten Strafzölle auf Aluminium- und Stahlimporte.

Das war es, mehr Zorn kommt von ihr an diesem Abend nicht. Warum sie so gelassen bleibe, wundert sich Moderatorin Will. „Ich habe doch über Ernüchterung gesprochen, was für mich schon viel ist”, sagt Merkel und bekommt dafür Szenenapplaus. „Ich persönlich glaube nicht, dass durch immer weiteres anheizen in der Sprache die Dinge in der Sache besser werden.”

Merkel bleibt sich also treu, und trotzdem sind es hochspannende 60 Minuten, die den politischen interessierten Fernsehzuschauern geboten werden. Das liegt nicht zuletzt an Moderatorin Anne Will, die gut vorberietet ist und einen starken Abend erwischt.

„Es gibt eine ganze Reihe ernster Probleme“

Merkels Strategie für den künftigen Umgang mit Trump lässt sich so zusammenfassen: Weiter im Gespräch bleiben und Europa stärken. „Wird die Europäische Union in der Lage sein, eine gemeinsame Außenpolitik zu vertreten? Das ist der Kernpunkt”, sagt Merkel. Auf sich allein gestellt, würde jedes europäische Land zwischen den Machtblöcken USA, China und Russland zerrieben werden.

Nun befindet sich ja nicht nur die transatlantische Partnerschaft, sondern auch die EU in einer denkbar schlechten Verfassung. Das weiß auch Moderatorin Will und fragt die Kanzlerin, wer zu dem von ihre beschworenen europäischen „Wir” eigentlich noch dazugehöre. Die Frage ist unbequem, Merkel windet sich. „Deutschland, Frankreich - muss ich jetzt alle Mitgliedsstaaten aufzählen?”

Sie weiß sehr gut, warum sie das nicht tut. Großbritannien bereitet gerade eine Zukunft außerhalb der der EU vor, Italien bringt den Euro wieder in Gefahr, Polen und Ungarn legen die Axt an den Rechtsstaat und selbst auf Österreich kann sich die Kanzlerin nicht mehr verlassen. “Ja, es gibt Streit”, gibt sie zu. Aber den habe es immer gegeben. “Manchmal muss man eine Durststrecke überwinden.”

Ob sie es angesichts all dieser Probleme bereue, eine vierte Amtszeit angestrebt zu haben, fragt Anne Will. Für solche Gedanke habe sie wenig Zeit, sagt Merkel. „Es gibt eine ganze Reihe ernster Probleme, die wir noch nicht gelöst haben.”

Von Andreas Niesmann/RND

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