Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Deutschland / Welt Malta bietet eine Million für Hinweise zum Mord an Reporterin
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Malta bietet eine Million für Hinweise zum Mord an Reporterin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:09 22.10.2017
Mahnwache für Daphne Caruana Galizia in Berlin. Quelle: imago/Christian Mang
Valletta

Nach dem Mord an einer kritischen Bloggerin auf Malta bietet die Regierung eine Million Euro für die Aufklärung des Anschlags. Die regierungskritische Journalistin Daphne Caruana Galizia war letzte Woche durch eine Autobombe auf der Insel getötet worden. Die Regierung sei entschlossen, den Mord aufzuklären und die Täter vor Gericht zu bringen, hieß es in einer Mitteilung am Samstag.

Caruana Galizia hatte zuletzt unter anderem einen Skandal um die sogenannten Panama Papers aufgedeckt. Dabei beschuldigte sie auch Mitarbeiter von Premierminister Joseph Muscat, Übersee-Briefkastenfirmen zu betreiben. Auch Tage nach dem Anschlag gibt es offiziell keine heiße Spur, wer das Attentat verübt haben könnte.

„Wo du auch hinschaust, überall sind Gauner“

Am Sonntag wollen in der Hauptstadt Valletta tausende Menschen für eine rasche Aufklärung und gegen Korruption im politischen System demonstrieren. Weltweit wurde der Anschlag verurteilt. Kritiker werfen der Regierung in Valletta vor, dass das System von Korruption zerfressen sei. Auch habe die Mafia die Insel unterwandert.

Trotz politischer Skandale hatte Muscat erst im Juni Neuwahlen gewonnen. Grund dafür ist auch, dass Malta ein rasantes Wirtschaftswachstum vorzuweisen hat. In den letzten Jahren boomte der Mini-Staat nicht zuletzt wegen der Online-Glücksspielindustrie. Doch der Vorwurf, die Insel sei ein Steuerparadies und mache zudem schmutzige Geschäfte mit geschmuggeltem Öl aus Libyen, blieb international haften.

„Wo du auch hinschaust, überall sind Gauner. Die Lage ist hoffnungslos“, schrieb Caruana Galizia zuletzt auf ihrem Blog. 20 Minuten später war die 53-jährige dreifache Mutter tot. Der Ex-Chef der britischen Antikorruptionsbehörde, Jonathan Benton, sprach im Sender BBC von einem „Mafia-Staat“ und sagte, die Insel habe ein wachsendes Problem mit Geldwäsche.

„Die Behörden in Malta stehen vor einer Krise“

Zu dem schlechten Ruf des Insel trug auch bei, dass sich vor dem Mord an der Bloggerin fünf Anschläge mit Autobomben ereigneten, die alle nicht aufgeklärt wurden. Ob es einen Zusammenhang mit dem letzten Anschlag gibt, muss nun ermittelt werden.

„Der Fall ist von außerordentlicher Bedeutung und verlangt außerordentliche Maßnahmen – Gerechtigkeit muss getan werden, egal was es kostet“, erklärte die Regierung. Jeder, der relevante Informationen an die Behörden weitergebe, könne mit vollem Schutz rechnen.

„Es ist genug, dass sich Muscat auf Rhetorik beschränkt. Die Behörden in Malta stehen vor einer Krise“, sagte der Mitorganisator der Demonstration, Michael Briguglio. Man werde nicht länger eine kriminelle Unterwelt akzeptieren.

Von dpa/ap/RND