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Deutschland / Welt "So grün war Hessen noch nie" - Erfolgsfaktoren der Grünen zünden auch in Hessen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt "So grün war Hessen noch nie" - Erfolgsfaktoren der Grünen zünden auch in Hessen
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18:27 28.10.2018
Grünen-Chef Robert Habeck bekommt durch den Aufwind seiner Partei auch mehr Verantwortung. Quelle: imago/IPON
Berlin

Das Hoch der Grünen hält an - auch in Hessen gilt die Partei als großer Gewinner der Landtagswahl 2018. Während die Grünen in Hessen feiern, zeigt sich auch Grünen-Chefin Annalena Baerbock zufrieden: "So grün war Hessen noch nie", sagte sie dem Sender "ARD". Die Wahl habe Auswirkungen auf ganz Deutschland, der Erfolg sei "ein Zeichen für den starken demokratischen Zusammenhalt des Landes", sagte sie weiter. Auch Beobachter sehen die Entwicklung der Grünen auf Bundesebene angesichts der jüngsten Erfolge optimistisch.

Grünen-Chef Robert Habeck hatte am Wochenende einigen Ärger am Hals – wie zwei Wochen zuvor schon vor der Landtagswahl in Bayern. Seinerzeit hatte er gesagt, mit dem Verlust der absoluten CSU-Mehrheit fange in Bayern die Demokratie praktisch erst an. Der 49-Jährige rückte dies bald zurecht.

Am Samstag kritisierte derselbe Habeck ausgerechnet in der „Bild“-Zeitung die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel mit dem Tenor, sie habe das Land auf den Zuzug so vieler Asylsuchender zu schlecht vorbereitet. Nun herrscht Streit, ob die „Bild“-Zeitung den Parteivorsitzenden hinter die Fichte geführt oder der sich ungeschickt verhalten und somit den Eindruck erweckt hat, er greife Angela Merkel gleichsam von rechts an.

Beide Fälle zeigen, dass die Luft für die Grünen im Allgemeinen und Habeck im Besonderen dünner wird. Denn so weit oben wie jetzt waren sie noch nie.


Da waren nicht nur die hessischen Umfragen, bei denen es sich zuletzt allein noch um die Frage drehte, ob die Grünen vor oder hinter der SPD landen. Da ist auch die jüngste Umfrage in Berlin, in der die Grünen vor der SPD und vor der Linken liegen – von der Bundesebene ganz zu schweigen.

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Konsequenterweise häufen sich die Stimmen, die der Partei nahelegen, bei der nächsten Wahl einen Kanzlerkandidaten aufzustellen. Entsprechend äußerten sich soeben in der Saarbrücker Zeitung die Politologen Oskar Niedermayer und Albrecht von Lucke. Letzterer sagte: „Wenn die Volksparteien weiter schrumpfen und tendenziell vergehen wie die SPD und neue Mittelparteien entstehen, verändert sich die Lage fundamental. Die wachsenden Grünen müssten dann möglicherweise auch im Bund bald einen Kanzlerkandidaten namens Habeck stellen, die schrumpfende SPD vielleicht schon nicht mehr.“

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Die Grünen beanspruchen für sich selbst etwas Großes: Haltung

Nahezu alle Beobachter gehen jedenfalls davon aus, dass das grüne Hoch anhält. Es ruht nämlich anders als das Hoch nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Frühjahr 2011 auf einem solideren Fundament. Ein Teil des Fundaments ist die zunehmende Schwäche der Volksparteien Union und SPD, die in Berlin in einer unheiligen Großen Koalition vereint sind. Ein anderer Teil des Fundaments ist, dass sich all jene zu den Grünen hingezogen fühlen, die dem von der AfD getriebenen Rechtstrend etwas entgegensetzen wollen. CDU, CSU, SPD, FDP und Linke sind mindestens in der Flüchtlingspolitik unentschieden. Bei den Grünen entsteht – oberflächlich betrachtet – eine gegenteilige Anmutung. Entsprechend gehen sie damit hausieren. Die Grünen beanspruchen für sich selbst etwas Großes: Haltung.

Lesen Sie die Entwicklungen der Landtagswahl in Hessen im Liveblog

Schließlich sind da die seit Januar amtierenden Vorsitzenden Annalena Baerbock und Habeck. Merkel und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer wirken verbraucht. SPD-Chefin Andrea Nahles und Vizekanzler Olaf Scholz wirken leidenschaftslos. FDP-Chef Christian Lindner ist bis weit ins Bürgertum hinein unbeliebt. Baerbock und Habeck nicht. Habeck, der in Drachenblut gebadet zu haben scheint, ist mit seinem neuen Buch „Wer wir sein könnten“ auf der Spiegel-Bestsellerliste gerade erst wieder um zehn Plätze geklettert.

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Von RND/Markus Decker