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Deutschland / Welt GroKo-Vertreter unterliegen bei Anne Will den jungen Wilden
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08:32 29.10.2018
Olaf Scholz geht in der Sendung von Anne Will noch schwereren Zeiten entgegen. Quelle: imago/Jürgen Heinrich
Berlin

Der größte Erkenntnisgewinn des TV-Talks von Anne Will ist schnell erzählt: Robert Habeck und Christian Lindner duzen sich. Trotzdem stritten sich der Grünen-Chef und der FDP-Boss wie die Kesselflicker. FDP-Christian nannte Grünen-Robert mit Blick auf die Proteste gegen die Kohle-Verstromung einen „cremigen Klima-Nationalisten“. Der so gescholtene wehrte sich. Christian, der plötzlich wieder zu „Herrn Lindner“ wurde, müsse sich schon entscheiden: entweder cremig oder verbissen. Beides gehe nicht.

Habeck betonte, die Grünen würden als einzige Partei wahrgenommen, die nicht populistisch sei. „Dieses Spiel, das Anbiedern an die AfD, spielen wir nicht mit. Deshalb sind wir so erfolgreich. Das kann man dann gern als cremig diskreditieren.“

Lesen Sie hier: Anne Will: Wilder Schlagabtausch zwischen Christian Lindner und Robert Habeck

Linder ließ das nicht auf sich sitzen: „Aber Robert? Ihr nennt uns immer Klima-Leugner. Das ist noch viel schlimmer.“ Spätestens an diesem Punkt drohte die Diskussion endgültig zu zerfasern – zumindest vordergründig.

Sinnbild für die Hessen-Wahl

Bei genauerer Betrachtung entpuppte sich genau dieses verbale Scharmützel als Sinnbild für die gesamte Hessen-Wahl und deren bundespolitische Bedeutung. Während SPD-Vizekanzler Olaf Scholz und CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer zu stillen Statisten degradiert wurden und über Minuten hilflos dem Schlagabtausch von Habeck und Lindner lauschten, setzten sich die beiden jungen Parteiführer als die Großen von morgen in Szene: eloquent, provokant, souverän, streitlustig.

Und anders als noch im vergangenen Herbst, als Lindner eine Jamaika-Koalition im Bund überraschend platzen ließ, bemühten sich beide nun darum, den Eindruck zu vermitteln, sie könnten durchaus miteinander, trotz aller zur Schau getragenen Differenzen.

Scholz und Kramp-Karrenbauer müssen leiden

Ganz anders Scholz und Kramp-Karrenbauer. Beide wirkten fahrig und gerupft. Scholz musste sich mehrfach mitleidsvoller Blicke seiner politischen Konkurrenten erwehren, die Höchststrafe für jeden Politiker. Beide waren krampfhaft darum bemüht, den Eindruck zu vermitteln, irgendwie miteinander weiterwursteln zu wollen. Die CDU-Generalin versprach „Professionalisierung im Apparat“, was auch immer sie damit meinte. Der SPD-Vize kündigte die Rückkehr zur Sacharbeit an und forderte weniger Personalquerelen. Ansonsten, so Scholz, drohe das jähe Ende der GroKo: „Wir müssen rausfinden, ob es doch noch klappt.“ Die SPD müsse sehr konkrete Vorschläge machen, wie man eine bessere Zukunft erreichen könne bei Rente, Mieten, Kitas. So weit, so bekannt.

Das lustlose Durchwursteln der GroKo-Protagonisten hatte an diesem Abend keine Chance gegen den lustvollen Streit zweier aufstrebender Parteiführer. Lindner und Habeck wissen, dass ihre Zeit mit dem Ergebnis in Hessen ein großes Stück näher gerückt ist. Wenn Volksparteien zu Zwergen schrumpfen und ehemals Kleine zu Riesen werden, könnten künftige Kanzler auch einmal ein ganz anders Parteibuch besitzen. Zwei mögliche Kandidaten konnte man an diesem Abend bei Anne Will nach Herzenslust politisch streiten sehen. Wunderbar.

Von Jörg Köpke/RND

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