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Deutschland / Welt Keiner versteht mich
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08:01 04.06.2018
Quelle: dpa
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Berlin

Die Weltbevölkerung lässt sich in zwei Gruppen aufteilen: Menschen, die Emojis benutzen, und Menschen, die es nicht tun. Ich gehöre zur ersten Gruppe. Ich schicke gern ein lächelndes Gesicht hinterher, wenn ich eine knappe Antwort geschrieben habe. Ich honoriere gute Gags meiner Freunde mit Lachtränen, schicke meinen Liebsten Herzen, Blumen oder Sternschnuppen, hebe warnend den Zeigefinger oder halte ratlos die Hände hoch. Und kein Emoji weint so herzerweichend wie meins.

Gleichzeitig denke ich mir: Das muss doch auch anders gehen! Unsere Sprache gibt uns so viele Möglichkeiten, unsere Gefühle in Worte zu kleiden. Außerdem – muss ich wirklich jeden Satz mit einem Lächeln versehen, wenn er eigentlich klar und deutlich formuliert ist? Und keiner emotionalen Wertung bedarf? Klammheimlich und nur, wenn ich im Flugmodus bin und es keiner sieht, beneide ich die Menschen, die ganz ohne kleines gelbes Emoji auskommen. Es geht also. Das kann ich auch.

Das dachte ich mir vor zwei Wochen und ging auf Emoji-Diät. Das Ergebnis? Ernüchternd. „Bist du sauer?“ Oder: „Hast du was?“ Oder gleich: „Du musst jetzt nicht eingeschnappt sein“, das waren die Reaktionen. Na toll.

Sprache ist etwas Wunderbares – aber sie funktioniert nicht immer gleich. Ein Brief, eine lange E-Mail, braucht kein Lächeln und kein Augenzwinkern. Wir können unsere Gefühle in Sätze kleiden. Im Chat ist das anders. Er funktioniert eher wie ein Gespräch – mit Lächeln, Stirnrunzeln, Augenzwinkern. Und ohne Emoji? Versteht mich da keiner mehr.

Isabell Prophet ist Autorin in Berlin.

Von Isabell Prophet

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