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Deutschland / Welt Jemen – Humanitäre Katastrophe im Dauerzustand
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Jemen – Humanitäre Katastrophe im Dauerzustand
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21:03 30.06.2017
Ein jemenitischer Junge mit Verdacht auf Cholera wird in einem Krankenhaus-Zelt in Sanaa behandelt.  Quelle: Foto: dpa
Kairo

 Im Jemen grassiert die derzeit schlimmste Cholera-Epidemie auf dem Globus. 200 000 Menschen haben sich in den vergangenen acht Wochen mit der lebensgefährlichen Durchfallkrankheit infiziert, die durch verseuchtes Wasser oder verunreinigte Lebensmittel übertragen wird.

Erkrankte, die keine Behandlung bekommen können, sterben binnen Stunden oder Tagen an einem dramatischen Flüssigkeitsverlust. Mindestens 1400 Menschen sind bereits Opfer der Seuche geworden, die sämtliche Regionen des Jemen erfasst hat. Jeden Tag stecken sich nach Schätzung der internationalen Helfer weitere 5000 Menschen an. Fernsehbilder aus den medizinischen Einrichtungen zeigen ausgezehrte Menschen und erschöpfte Ärzte.

Ein Viertel der gesamten Bevölkerung ist unterernährt

Viel Zeit haben sie nicht. Die Erkrankten leiden unter heftigem Durchfall und Erbrechen, ihnen droht der Tod durch Dehydrierung. Bis Ende August rechnet Unicef mit über 300 000 Erkrankten, die Hälfte von ihnen Kinder – für Geert Cappelaere, Unicef-Direktor für den Mittleren Osten und Nordafrika, eine „unglaublich schreckliche Situation“. Er habe noch nie einen Cholera-Ausbruch von solcher Rasanz gesehen, erklärte Cappelaere nach einen Besuch in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa – „und das in einem Land, das durch den Krieg bereits mit der Gefahr einer Hungersnot kämpft und mit dem Kollaps seines Gesundheitssystems“.

Cholera trete besonders in Kriegsgebieten auf, erklärt Aref al-Da’ari, der stellvertretende Leiter vom Kuwait University Hospital in Sanaa, aber auch überall dort, wo Gebiete aufgrund von Blockaden schlecht erreichbar seien. Viele der Binnenflüchtlinge würden in überfüllten Zeltlagern leben, in denen sich eine große Menge von Abfällen und Fäkalien ansammelte.

Zwei Jahre nach Beginn des Bürgerkrieges ist ein Viertel der Bevölkerung stark unterernährt. Millionen haben keinen Zugang mehr zu sauberem Trinkwasser. Die Vereinten Nationen bewerten die Lage im Süden der Arabischen Halbinsel als „größtes humanitäres Desaster der Gegenwart“.

Saudi Arabien lässt den Jemen ausbluten

Denn der Bombenkrieg von Saudi-Arabien und den Emiraten gegen das Land geht mit voller Härte weiter. Zehntausende von saudischen Luftangriffen haben die Infrastruktur und das kulturelle Erbe des Jemen ruiniert. Immer wieder werden Schulen, Kliniken, Wohnviertel oder Märkte getroffen wie zuletzt in Mashnaq nahe der jemenitisch-saudischen Grenze, wo 24 Menschen starben. 25 archäologische Denkmäler wurden bisher durch Raketen zerstört oder beschädigt wie Ende Mai der Marib-Damm, die älteste Staumauer der Menschheit. Saudi-Arabien hat eine Seeblockade verhängt, um Waffenlieferungen zu verhindern.

Am Boden ist der Krieg längst zu einem blutigen Patt geronnen, alle diplomatischen Vermittlungsversuche der Vereinten Nationen sind gescheitert. Mindestens 10 000 Menschen sind gestorben, 45 000 wurden verwundet, drei Millionen irren als Binnenflüchtlinge umher.

Keine Aussicht auf Frieden

In dem blutigen Konflikt stehen auf der einen Seite die Houthis, die vom Iran unterstützt werden, zusammen mit den Truppen des 2012 abgesetzten Ex-Präsidenten Ali Abdullah Saleh. Auf der anderen Seite kämpfen die international anerkannte Regierung des Saleh-Nachfolgers Abed Rabbo Mansour Hadi sowie eine Allianz von Golfstaaten unter der Führung von Saudi-Arabien.

Dessen Verteidigungsminister Mohammed bin Salman kündigte in der vergangenen Woche nach seiner Ernennung zum direkten Thronfolger an, er werde 60 Millionen Euro an Unicef spenden, um die Cholera im Jemen zu bekämpfen. Ob dies Geld aus seinem Privatvermögen kommt, ließ er offen.

Erst vor acht Monaten hatte der 31-Jährige während eines Urlaubs an der Cote d’Azur einem russischen Wodka-Magnaten spontan für 500 Millionen Euro dessen 134-Meter-Luxusjacht „Serene“ abgekauft.

Von Martin Gehlen

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