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Deutschland / Welt Irak: Und es ist doch Linda (16) aus Sachsen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Irak: Und es ist doch Linda (16) aus Sachsen
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16:50 22.07.2017
Jetzt identifiziert: Die 16-jährige Linda W. aus Sachsen. Quelle: Screenshot RND/Twitter
Dresden

Das Mädchen aus Pulsnitz bei Dresden werde von der deutschen Botschaft im Irak betreut. Weitere Angaben wollte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht machen. Die Schülerin war im Sommer 2016 verschwunden, kurz nachdem sie zum Islam konvertiert war. Die Rückkehr der 16-Jährigen in ihre Heimat ist nach Darstellung von Bürgermeisterin Barbara Lüke (parteilos) derzeit nicht absehbar.

Irakische Sicherheitskräfte hatten bei einem Einsatz in Mossul nach eigenen Angaben 20 Dschihadistinnen festgenommen. Zunächst war nicht klar, ob die 16-Jährige darunter war.

Konvertiert und heimlich in den Irak gereist

Die Geschichte von Linda aus Pulsnitz hatte schon vor einem Jahr große Aufmerksamkeit erregt. Sie war im Sommer 2016 verschwunden, kurz nachdem sie zum Islam konvertiert war. Die damals 15-Jährige hatte einen Flug in die Türkei gebucht und war am 1. Juli 2016 mit einer gefälschten Vollmacht der Eltern vom Flughafen Dresden über Frankfurt nach Istanbul geflogen. Laut einem Bericht des Fernsehsenders RTL soll die Schülerin schon Monate vorher den Koran gelesen und nur noch lange Kleidung getragen haben. Ihren Schuldirektor habe sie gefragt, ob sie mit Kopftuch zur Schule kommen könne.

Linda hatte über das Internet mit dem IS Kontakt

Die Eltern hatten ihr Kind kurz nach dem Verschwinden als vermisst gemeldet. Der Teenager hatte über Internet-Chats mit IS-Anhängern in Kontakt gestanden. Laut RTL fanden die Eltern nach dem Verschwinden ihrer Tochter einen Tablet-PC mit islamischen Fotos und entdeckten einen zweiten Facebook-Account, über den das Mädchen nur Kontakt zu arabischen Freunden gehabt haben soll. Linda W. soll im Irak eine Scharfschützenausbildung absolviert und mit einem tschetschenischen IS-Terroristen verheiratet worden sein.

Die Staatsanwaltschaft in Dresden, die die junge Frau im Iran oder in Syrien vermutet hatte, ermittelte gegen sie wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Die Behörde stellte die Ermittlungen wegen Abwesenheit des Mädchens aber ein. Welche strafrechtlichen Maßnahmen das Mädchen in Deutschland zu erwarten habe, hänge davon ab, ob Linda W. in Kampfhandlungen verstrickt gewesen sei.

Bürgermeisterin: Keine Muslime in Pulsnitz

Nach Auskunft von Bürgermeisterin Barbara Lüke (parteilos) gibt es unter den rund 7500 Einwohnern in Pulsnitz keine praktizierenden Muslime. Die nächste Moschee stehe in Dresden. Hinweise, wonach Linda eine Moschee in der sächsischen Landeshauptstadt regelmäßig besucht und sich dort radikalisiert haben soll, wurden bislang nicht bestätigt.

Laut Bürgermeisterin Lüke wurden in der Schule, in die Linda ging, die Veränderungen an dem Mädchen durchaus bemerkt. Man sei auf die 16-Jährige zugegangen, die schon Monate vor ihrem Verschwinden den Koran gelesen und nur noch lange Kleidung und Kopftuch getragen hat. Die Lehrer hätten sich mit den Eltern in Verbindung gesetzt. „Da ist wirklich viel richtig gemacht worden, aber gegen das Werben im Internet war man offensichtlich machtlos.“

Von RND/dpa