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Deutschland / Welt In der SPD hat das große Rechnen begonnen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt In der SPD hat das große Rechnen begonnen
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07:00 17.01.2018
Zwei Frauen für ein Ja: Malu Dreyer, Natascha Kohnen (re.). Quelle: Foto: Imago
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Berlin

Natürlich, Berlin durfte nicht fehlen. „Hauptstadt-SPD gegen Große Koalition“ hieß es am Montag im Anschluss an die Sitzung des Landesvorstands – und die Aufregung in den sozialen Netzwerken war groß. SPD-Strategen im Willy-Brandt-Haus nahmen die Nachricht dagegen fast schon achselzuckend zur Kenntnis. Viele haben die Hoffnung längst aufgegeben, dass von den Berliner Genossen noch mal Konstruktives kommen könnte. Sie trösten sich damit, dass es auf die 23 Stimmen aus Berlin beim Bundesparteitag am Sonntag vermutlich ohnehin nicht ankommen wird.

Andere sind jetzt wichtiger. Für Parteichef Martin Schulz geht es vor allem darum, die großen Landesverbände auf seine Seite zu ziehen. Die Größen- und Machtverhältnisse in der SPD sind ungleich, wenigen mitgliederstarken stehen viele kleine Landesverbände gegenüber. Ein Überblick.

Nordrhein-Westfalen, 144 Delegierte: In seinem Heimatbundesland wollte Martin Schulz auf Nummer sicher gehen. Die 144 NRW-Delegierten hat der Parteichef „Mund zu Mund beatmet“, wie Parteifreunde spotten. Bei den Vorbesprechungen der Delegationen aus Westfalen und dem Rheinland warb Schulz persönlich um Unterstützung. Der größte SPD-Landesverband gilt in der GroKo-Frage als tief gespalten. Auf etwa ein Drittel schätzen Insider die Zahl der Gegner. Landeschef Michael Groschek und Landtagsfraktionschef Norbert Römer haben die Ablehnung lange befeuert, befürworten nun aber die Koalitionsverhandlungen. Die sonst üblichen Ansagen an ihre Delegation verkneifen sich die beiden. Die 144 Delegierten sollen frei entscheiden können.

Niedersachsen, 81: Der zweitgrößte SPD-Landesverband ist für Schulz eine sichere Bank. Landeschef Stephan Weil befürwortet die Koalitionsverhandlungen, der Landesvorstand stimmte ohne Gegenstimme zu.

Bayern, 78: Die bayerische Landes-SPD ringt mit sich selbst – genauso wie deren Repräsentanten. Landeschefin Natascha Kohnen hat das Sondierungsergebnis zähneknirschend mitgetragen, ihr Generalsekretär Uli Grötsch und ihre Stellvertreterin Johanna Uekermann haben im Bundesvorstand dagegen gestimmt. Die Landtagsfraktion wiederum ist für Koalitionsverhandlungen. Heute wird Schulz bei dereren Klausur in Irsee erwartet, Freitagabend trifft sich der Landesvorstand mit den Delegierten in Nürnberg.

Hessen, 72: Für die traditionell linke Hessen-SPD gilt das Gleiche wie für die Nachbarn in Bayern. Man ringt mit sich, auch weil in diesem Jahr Landtagswahlen anstehen. Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel war der einzige SPD-Sondierer, der dem Ergebnis nicht zustimmen mochte. Er enthielt sich – stimmte aber anschließen im Parteivorstand mit Ja. Am Wochenende forderte der Landesparteirat Nachbesserungen.

Rheinland-Pfalz, 49: Landeschefin Malu Dreyer war lange Wortführerin der GroKo-Skeptiker, inzwischen wirbt sie für Koalitionsverhandlungen. Heute Abend wird Martin Schulz beim Landesparteirat in Mainz erwartet, Freitag tagt der Landesvorstand.

Baden-Württemberg, 47: Die linke Landeschefin Leni Breymeier unterstützt die Einigung mit der Union, will aber nachbessern.

Saarland, 24
: Die Saar-SPD ist eher für als gegen die Große Koalition. Daheim in Saarbrücken sowieso, aber auch in Berlin. Noch- Landeschef Heiko Maas ist dafür, die designierte Nachfolgerin Anke Rehlinger auch.

Schleswig-Holstein, 24: Die SPD an der Küste ist schwer kalkulierbar – selbst für Einheimische. Ein Votum der Parteigremien gibt es nicht, Landeschef Ralf Stegner empfiehlt Zustimmung. Unumstritten ist Stegner allerdings auch bei den eigenen Leuten nicht. Gut möglich, dass manche Delegierte gegen die Koalition stimmen.

Berlin, 23: In der Hauptstadt ist die Lage eindeutig: No Groko.

Hamburg, 15: Hamburgs SPD gilt als konservativster Landesverband. Landeschef Olaf Scholz ist ein Befürworter der Großen Koalition, die meisten Delegierten auch.

Brandenburg, 10: Bei den Märkern hat Martin Schulz Freunde. Der Landesvorstand stimmte für Verhandlungen mit der Union.

Bremen, 8: Im linken Bremen ist die Sache noch nicht entschieden. Landeschefin Sascha Karolin Aulepp will sich noch eine Meinung bilden. Ihre Delegierten treffen sich am Freitag.

Sachsen-Anhalt, 6: Der Landesparteitag hat einen Beschluss gegen Koalitionsverhandlungen gefasst. Die Mehrheit war knapp, aber sie stand.

Thüringen, 7: Auch in Thüringen gibt es einen Parteitagsbeschluss gegen die Zusammenarbeit mit der Union.

Sachsen, 7: Sachsen ist gespalten – auch das Führungsduo. Landeschef Martin Dulig stimmte im SPD-Vorstand für Koalitionsverhandlungen, Generalsekretärin Daniela Kolbe dagegen.

Mecklenburg-Vorpommern, 5: Landeschefin Manuela Schwesig galt als Skeptikerin, unterstützt die Sondierungergebnisse nun aber – wenn auch mit wenig Elan.

Von Andreas Niesmann/RND

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