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Deutschland / Welt „Helmut Kohl war ein großer Patriot und Europäer“
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19:39 16.06.2017
Altbundeskanzler Helmut Kohl ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Quelle: dpa
Ludwigshafen

Helmut Kohl war ein großer Patriot und Europäer. Die Einigung unseres Landes und unseres Kontinents wird auf alle Zeit auch mit seinem Namen verbunden bleiben. Obwohl wir im Jahr 1998 einen harten Wahlkampf gegeneinander geführt haben, und in vielen politischen Fragen weit auseinanderlagen und -liegen, habe ich für seine historische Leistung größten Respekt“, sagte Altkanzler Gerhard Schröder dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Altbundeskanzler Helmut Kohl ist tot. Er soll am Freitagmorgen in seinem Haus in Ludwigshafen gestorben sein.

Sigmar Gabriel

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel: „Es ist ein wirklich großer Deutscher und vor allem ein großer Europäer gestorben.“

Frank-Walter Steinmeier

Als „eine große politische Leistung“ bezeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Freitagabend Kohls Verdienste im Zusammenhang mit der Einheit Deutschlands. Ohne Deutschland habe Europa nicht wachsen können, betonte der Bundespräsident. Kohl sei davon überzeugt gewesen, Europa sei unser Schicksal. „Ein reiches Leben ist nun zu Ende gegangen, sein Werk wird Bestand haben. Er hat sich um Deutschland und Europa verdient gemacht.“

Angela Merkel

„Mich erfüllt diese Nachricht mit Trauer. Ich denke mit großem Respekt und großer Dankbarkeit an das Wirken von Bundeskanzler Helmut Kohl. Es wird noch eine Zeit lang dauern, zu begreifen, was wir mit ihm wirklich verloren haben. Helmut Kohl war ein großer Deutscher und ein großer Europäer“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitagabend. Kohl habe sich wie kein anderer um die Einheit Deutschlands bemüht.

„Ich möchte auch an den Christdemokraten erinnern, den Modernisierer.“ Die CDU habe Kohl viel zu verdanken. Kohl habe weltweit großes Vertrauen genossen, betonte Merkel. Er habe am Ziel eines vereinten Deutschlands festgehalten, auch, als andere wankten. „Helmut Kohl ist damit zu einem Glücksfall für uns Deutsche geworden.“

Martin Schulz

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat Altkanzler Helmut Kohl als „großen Europäer“ und „großen Staatsmann“ gewürdigt. „Helmut Kohl hat historische Weichen für Deutschland und Europa gestellt und sich Verdienste erworben, die Bestand haben und nicht vergessen werden“, sagte Schulz am Freitag in Berlin. Kohls Vision von einem europäischen Deutschland sei ein Vermächtnis an die deutsche Nation und an ganz Europa. „Helmut Kohl war der Kanzler der Deutschen Einheit“, sagte Schulz weiter. „1989 war es seiner Geistesgegenwart, seinem politischen Mut und seiner Führungsstärke zu verdanken, dass die Wiederherstellung der deutschen Einheit möglich wurde.“

Das Ableben des Altkanzlers Helmut Kohl, der als Vater der Deutschen Einheit gilt, löste weltweit Trauer aus. Die wichtigsten Reaktionen von Gegnern und Weggefährten in der Übersicht.

Jürgen Trittin

Helmut Kohl war ein Mann mit grundeuropäischer Orientierung. Schon in seiner Jugend hat er versucht, die Grenzpfähle zwischen Deutschland und Frankreich abzubauen. Dieses proeuropäische Erbe ist tragischerweise bei der CDU unter Druck geraten.

Zwar haben wir uns als Grüne gegen ihn gegründet und zu seiner Abwahl beigetragen. Aber sein Verdienst um die unumstößliche Einbindung des vereinten Deutschland in Europa wird bleiben.“

Jean-Claude Juncker

„Ich bin in großer Trauer über den Tod von Helmut Kohl, meinem engen Freund. Er hat mich auf allen europäischen Wegen geleitet und begleitet“, twitterte Jean-Claude Juncker, EU-Ratspräsident.

Gerhart Baum

„Obwohl ich mitunter in Gegnerschaft zu Helmut Kohl gestanden habe, erkenne ich doch an, dass er Bedeutendes für unser Land geleistet hat“, sagte der früherer Innenminister Gerhart Baum (FDP) dem RND. „Zusammen mit Hans-Dietrich Genscher hat Helmut Kohl die Deutsche Einheit vollendet. Zu seinen Verdiensten gehört auch sein unbeirrter Einsatz für Europa“, so Baum weiter. „Helmut Kohl ist ein großer Europäer gewesen. Insofern war er auch ein Vorbild.“ Baum war von 1978 bis 1982 Innenministers der sozialliberalen Koalition. 1982 lehnte er das Angebot ab, Justizminister in der Regierung von Helmut Kohl zu werden.

Julia Klöckner

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner hat den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl als „großen Politiker“ gewürdigt. Die rheinland-pfälzische CDU-Landes- und Fraktionschefin schrieb am Freitag auf Twitter: „Wir trauern um den Kanzler der Einheit, Ehrenbürger Europas, unseren ehemaligen Ministerpräsidenten, CDU-Landesvorsitzenden. Ein großer Politiker“.

Friede Springer

Springer-Hauptaktionärin: „Das geht mir sehr nah. Es geht mir wirklich nahe, und ich war mit Hannelore befreundet. Das war damals schon ein Schlag. Das berührt mich wirklich sehr.“

Katja Kipping

Bundesvorsitzende der Partei „Die Linke“: „Über alle politische Gräben hinweg steht heute die Trauer um einen großen Europäer im Mittelpunkt, der einst sagte: Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich nicht zuletzt daran, wie sie mit den schwächsten Mitgliedern umgeht.“

Klaus Staeck

Karikaturist: „Helmut Kohl hat sich um die deutsche Einheit verdient gemacht, auch wenn noch nicht überall die Landschaften blühen. Unbestreitbar schulden ihm die Satiriker Dank.“

Martin Sabrow

Geschichtsprofessor Humboldt-Universität Berlin/ Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam: „Helmut Kohl war ein Mann der Widersprüche. Er war ein im Grunde kleiner Politiker, der durch die Umstände zum Staatsmann wurde. Er war ein Repräsentant der Bonner Republik, der viel dafür tat, die Berliner Republik zu schaffen. Er war ein Mann der althergebrachten politischen Kultur, der das Tor zu unserer Zeit aufstieß. Seine Karriere begann klein und endete mit seinen Vorwürfen gegen Weggefährten auch klein. Aber Helmut Kohl hatte zwischendurch große Momente, die er klug und vorausschauend zu nutzen vermochte. So hat er nicht nur den Weg zur deutschen Einheit geebnet, sondern auch das europäische Projekt beflügelt, an dem wir heute trotz aller Widrigkeiten festhalten.“

Olaf Scholz

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat Altkanzler Helmut Kohl für seine Verdienste gewürdigt. „Deutschland verliert einen herausragenden Politiker, der stets für ein einiges Europa eingetreten ist und die Chance zur Deutschen Einheit beherzt ergriffen hat. Einen bedeutenden Kanzler, der die Geschicke der Republik lange geprägt hat“, hieß in einer Mitteilung. Kohl sei ein „leidenschaftlicher politischer Streiter“ gewesen, der sich nie geschont habe und seine politischen Gegner auch nicht.

Kohl war im Alter von 87 Jahren gestorben. Der CDU-Politiker hatte Deutschland von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler regiert.

Robert Habeck

„Ich bin in der Zeit von Helmut Kohl groß geworden und habe unter ihm gelitten. Mit dem Abstand von heute sieht man, dass sein Lebenswerk Europa war - und für diese europäische Einigung bin ich ihm politisch dankbar“, sagte der Grünen-Politiker Robert Habeck dem RND.

„Mit Helmut Kohl verlieren wir einen Menschen, der über Jahrzehnte europäische Politik geprägt und vorgedacht hat“, twitterte der österreichische Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres, Sebastian Kurz.

Hans-Jochen Vogel

„Als SPD-Fraktionsvorsitzender, der ich von 1983 bis 1991 war, und als Nachfolger Willy Brandts als SPD-Parteivorsitzender war ich der Widerpart von Helmut Kohl. Als solcher sage ich in dieser Stunde: Helmut Kohl hat seinen festen Platz in der Geschichte der Bundesrepublik. Ich nenne zwei Leistungen: Eine war das Vorantreiben der europäischen Einigung. Die andere war die deutsche Einheit, auch wenn er dabei den parteipolitischen Aspekt mitunter zu weit nach vorne gerückt hat. Natürlich hat er auch Fehlentscheidungen getroffen und Fehler gemacht. Mit denen hatte ich mich dann in meiner Funktion auseinander zu setzten. Aber heute ist nicht der Tag, diese aufzuzählen. Ich gedenke seiner und wünsch ihm, er möge in Frieden ruhen.“

US-Präsident George H. W. Bush

Der frühere US-Präsident George H. W. Bush hat den gestorbenen Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl als „wahren Freund der Freiheit“ gewürdigt. „Er ist der Mann, den ich als einen der größten politischen Führungsfiguren im Nachkriegseuropa ansehe“, heißt es in einem Statement von Bush, das sein Büro am Freitag verbreitete. Bush war einer der US-Präsidenten, die während Kohls Amtszeit im Weißen Haus waren. Beide Politiker gelten als Väter der Deutschen Einheit.

„Wie viele, die Zeuge wurden der unaussprechlichen Verkommenheit und des Elends dieser Zeit, hasste Helmut (Kohl) den Krieg. Aber er verabscheute noch mehr den Totalitarismus.“ Kohl habe sein Leben der Stärkung von Institutionen der Demokratie gewidmet, in Deutschland und darüber hinaus.

Es sei eine der „großen Freuden meines Lebens“, gemeinsam mit Kohl an der friedvollen Beendigung des Kalten Krieges und an der deutschen Wiedervereinigung innerhalb der Nato gearbeitet zu haben. „Bei all unseren Anstrengungen war Helmut ein Fels - stark und beständig“, heißt es in dem Statement Bushs. „Möge Gott der Allmächtige Helmut Kohl segnen und die Freiheit, die er zu erhalten geholfen hat.“

Benjamin Netanjahu

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat „tiefe Trauer“ über den Tod Kohls geäußert. Der im Alter von 87 Jahren gestorbene Kohl sei „einer der größten Freunde des Staates Israel“ und der Sicherheit des jüdischen Staates „vollkommen verpflichtet“ gewesen, sagte Netanjahu am Freitag nach Angaben seines Büros. „Kohl war der Führungspolitiker, der Deutschland in Entschlossenheit und mit sicherer Hand vereint hat“, sagte Netanjahu. „Seine Sympathie für Israel und den Zionismus ist bei vielen Treffen mit mir deutlich geworden, und in seiner entschlossenen Haltung für Israel, die er immer wieder in Europa und internationalen Foren gezeigt hat.“

Von RND/are/dpa

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