Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Deutschland / Welt Wie ein Polizist im Hambacher Wald zum gefeierten Mann im Netz wird
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Wie ein Polizist im Hambacher Wald zum gefeierten Mann im Netz wird
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:11 21.09.2018
Nach dem tödlichen Absturz eines Journalisten trauen die Aktivisten im Hambacher Wald. Quelle: Christophe Gateau/dpa
Kerpen

Der Energiekonzern RWE plant, die verbliebene Fläche des Hambacher Waldes für seinen Kohletagebau zu roden. Dagegen stellen sich Umweltaktivisten, sie wohnen teilweise seit Jahren in selbst gebauten Bäumhäusern.

Die Stimmung ist angespannt. Polizisten und Aktivisten gerieten in der Vergangenheit immer wieder aneinander. Aus den Reihen der Naturschützer wurden Polizisten, die den Hambacher Wald räumen sollten, mit Fäkalien, Steinen und Molotowcocktails beworfen; die Polizei wiederum ging mit Pfefferspray gegen zahlreiche Demonstranten vor. Plötzlich kippt die Stimmung. Ein Journalist stürzt von einer Hängebrücke und stirbt.

Inmitten dieser Gemengelage macht ein Foto einer Pflanzaktion die Runde in den Sozialen Netzwerken. Das Bild zeigt zwei junge Frauen und einen Polizisten beim Einpflanzen eines Baumes. Alleine auf Facebook wurde es mehrere Tausend Mal geteilt. Dutzende kommentierten das Bild, mehr als 1800 Nutzern gefällt die Symbolkraft, die dahinter steckt: Ein Pflänzchen der Hoffnung.

Natürlich weiß ich, dass es an diesem Tag viele Übergriffe von Seiten der Polizei auf die Demonstrant_innen und auch die...

Gepostet von Merle Niederwemmer am Montag, 17. September 2018

Festgehalten hat den Moment der Fotograf Alex Krause, geteilt wurde es schließlich von der Umweltschützerin Merle Niederwemmer. Die Theologie-Studentin hatte sich selbst zum „Hambi“, dem Hambacher Forst, aufgemacht, um friedlich gegen den Tagebau und die geplante Rodung der Bäume zu protestieren. Dort begegnete sie der Gruppe „Aufbäumen“, die als Protestform gegen das Abholzen durch den Energiekonzern die Fläche mit neuen Bäumen aufforsten möchte.

Er schnitt das Netz auf und pflanzte den Setzling mit ihnen gemeinsam

In einem Graben habe Niederwemmer ein liegengebliebenes Bäumchen gesehen. Sie und ihre Freundin Lena liehen sich von der Aufbäumen-Gruppe Schaufeln, um auch diesen vergessenen Setzling in den Boden des Hambacher Waldes einzupflanzen. Nicht irgendwo, sondern neben einem Fahrzeug der Polizei. Das Loch war schnell gegraben, doch der Jutebeutel, der das Wurzelwerk des Bäumchens schützen sollte, ließ sich nicht aufschneiden: „Frech haben wir den Polizisten im Auto gefragt, ob er uns helfen könne.“ Und ohne zu zögern stieg dieser – zur Überraschung von Merle und ihrer Freundin – aus, schnitt das Netz auf und hievte das Bäumchen mit ihnen gemeinsam in das Loch. Selbst die protestierenden Umweltschützer klatschten, schreibt Niederwemmer. Im Anschluss entstand dann das virale Foto mit dem „Polizisten mit Herz“, erklärt die 23-Jährige.

Das Pflanzaktion-Foto berührt nun Tausende. Viele sehen es dabei wie folgender Nutzer: „Ich hoffe, dass es immer wieder Menschen gibt, denen es gelingt, so friedlich aufeinander zuzugehen, ohne Hass und Gewaltbereitschaft.“ Einige kommentieren auch leicht hämisch „Überraschung: Polizisten sind auch Menschen“ und verweisen darauf, dass auch die Beamten nur ihren Dienst versehen. Eine Nutzerin findet etwa die Hilfsbereitschaft des Polizisten toll, mahnt zugleich jedoch, dass „nicht alle nur Bäume pflanzen können, während ihre Kollegen mit Steinen beworfen werden.“ Die meisten teilen dabei den Wunsch, dass der Protest friedlich weitergeht: „Daumen nach oben. Hoffentlich war es nicht die letzte solcher Aktionen im Hambacher Forst.“

Von RND/Gunnar Müller

Wie konnte es nur so weit kommen? Die Causa Maaßen ist zur Wiedervorlage auf dem Tisch. Andrea Nahles ist angeschlagen, Horst Seehofer verfolgt seine eigene Agenda, und Angela Merkel tut nichts. Für die Zuschauer ist das nur schwer auszuhalten. Ein Kommentar von Wolfgang Büchner.

21.09.2018

Andrea Nahles von der SPD hat die Öffentlichkeit am Freitag mit einem offenen Brief überrascht. Dieser ging an Innenminister Horst Seehofer und Kanzlerin Angela Merkel – mit dem Ziel, die Beförderung von Hans-Georg Maaßen neu zu verhandeln. Uns liegt der ganze Brief vor.

21.09.2018

Mit nachdenklichen Worten appelliert SPD-Chefin Andrea Nahles an Kanzlerin Angela Merkel und Innenminister Horst Seehofer, die Personalie Maaßen zu überdenken. In dem Brief an die beiden Parteispitzen schreibt sie, die Reaktionen aus der Bevölkerung hätten gezeigt: „Wir haben uns geirrt.“

21.09.2018