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Deutschland / Welt Klimawandel ist Risiko für Wirtschaft weltweit
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Klimawandel ist Risiko für Wirtschaft weltweit
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16:35 02.07.2018
Seit Jahrzehnten ist bei der Produktion eine globale Just-in-time-Versorgung angesagt. Doch wenn die Industrie Extremwetter nicht in ihre Strategien einplant, wird sie davon überrascht. Die Folgen können dramatisch sein. Quelle: Fotolia
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Potsdam

Wenn in China Flüsse über die Ufer treten, schwappen die Schäden bis zu uns und in die USA. So ist Globalisierung: Wirtschaftliche Folgen von örtlichen Wetterextremen breiten sich über die weltumspannenden Handelsbeziehungen aus. Ausgerechnet Amerika treffen diese indirekten Schäden besonders stark, wie neue Berechnungen zeigen.

Der Handelskrieg von US-Präsident Trump macht diese Folgen der globalen Erwärmung für die USA jetzt voraussichtlich nur noch schlimmer. Trump glaubt nicht an den Klimawandel, aber der findet trotzdem statt – und das hat nicht nur Folgen für die viel verspotteten Eisbären, sondern für die Weltwirtschaft und somit letztlich für unseren Geldbeutel. Und da wird es ernst.

Die Treibhausgase aus dem Verbrennen von Kohle, Gas und Öl erhöhen die Temperatur unseres Planeten. Das ist genauso fundamentale Physik, wie dass Erwärmung zu mehr Verdunstung und damit zu mehr Regen führt. Dieser Niederschlag fällt immer öfter als Starkregen, der verheerende Überschwemmungen auslöst. Die wissenschaftliche Grundlage hierfür ist das nach seinen Entdeckern benannte Clausius-Clapeyron-Gesetz von 1843; die Physik galt schon damals, und sie wird auch noch lange nach Trump gelten. Trump kann viele Gesetze ändern, die Naturgesetze aber nicht.

Extremwetter ist ungleich auf der Erde verteilt

Wie die Erwärmung ist auch das Extremwetter ungleich auf der Erde verteilt. In den nächsten 20 Jahren werden Fluten an Chinas Flüssen stark zunehmen. Und wenn Maschinen unter Wasser stehen, kann nicht produziert werden. Das ist im internationalen Wettbewerb aber kein Grund zur Schadenfreude, denn die ökonomischen Schäden bleiben nicht in China.

China ist der größte Exporteur von Gütern in die USA und nach Europa. Das sind keineswegs nur T-Shirts und Handys für uns Konsumenten, sondern auch Vorprodukte für die Industrie des Westens. Wir sind abhängig von Asien und Asien von uns. Als Thailand 2011 nach heftigen Regenfällen überschwemmt war, gab es als direkte Folge bei uns in Europa und auch in den USA praktisch keine Festplatten für Computer mehr zu kaufen. Bei der Wirtschaftsmacht Chinas wären die Folgen ungleich größer.

Seit Jahrzehnten ist bei der Produktion eine globale Just-in-time-Versorgung angesagt. Lager sind verpönt, in ihnen liegt totes Kapital. Doch wenn die Industrie Ex­tremwetter nicht in ihre Strategien einplant, dann wird sie davon überrascht. Genau diese Überraschung ist das Problem.

Just-in-time-Produktion ist besonders anfällig

Mit steigenden Temperaturen müssen die Ersparnisse einer Just-in-time-Strategie mit dem Risiko von Produktionsausfällen gegengerechnet werden. Natürlich kann man sich hiergegen versichern, aber die Versicherungen sind sich des Klimawandels besser bewusst als viele andere Unternehmen. Sie verteuern ihre Policen.

Teuer wird es also auf jeden Fall – ob durch Flutschäden, lieferbedingte Produktionsausfälle, steigende Versicherungspolicen oder durch Preisanstiege auf dem Weltmarkt.

Das alles hat es selbstverständlich auch früher schon gegeben. Aber der Klimawandel erhöht die Risiken, und das beträchtlich. Das wirtschaftliche Überschwemmungsrisiko steigt in China in den nächsten 20 Jahren um über 80 Prozent. Das kostet auf Dauer Milliarden. Und immer mehr, je länger wir einfach nur abwarten.

Die Vereinigten Staaten werden teure Klimaschäden importieren

Das Problem der USA in diesem Zusammenhang ist ihre krass unausgewogene Handelsbilanz mit China. Ohne grundlegende Änderungen in den Wirtschaftsbeziehungen werden die Vereinigten Staaten teure Klimaschäden importieren, zusätzlich zu den auch bei ihnen auftretenden. Anders als die USA hat die EU bemerkenswerterweise das Verhältnis von Importen und Exporten mit China in den vergangenen zehn Jahren weitgehend ausgeglichen.

Für jedes einzelne Unternehmen mag die Zunahme von Fluten in China trotzdem ein Problem sein, wenn das Extremwetter nämlich gerade ihren Zulieferer trifft. Aber in der Summe, volkswirtschaftlich, kann Europa die weitergeleiteten Schäden aus China ausgleichen – indem es mehr Güter dorthin exportiert.

Ein Klimaschaden in China ist nämlich immer auch eine wirtschaftliche Chance für diejenigen, die mit dem Land bereits im intensiven, aber eben beidseitigen Warenaustausch stehen. Wenn irgendwo eine Produktionslücke entsteht, versuchen andere Akteure am Weltmarkt begierig, diese zu füllen. Das geht im Allgemeinen aber nur dann schnell genug, wenn die Handelsbeziehungen bereits bestehen.

Klimarealismus anstatt Nationalchauvinismus

Trump hat recht, wenn er die unausgeglichene Handelsbilanz mit China beklagt. Aber seine Strategie heißt Isolationismus – und das führt in die Irre. Statt die Importe aus Fernost zu drücken, muss er Exporte dorthin vergrößern. Mehr Handel statt weniger kann Klimarisiken besser verteilen. Auf sich allein gestellt werden die Amerikaner rasch merken, dass zwar die Flussfluten bei ihnen nicht so stark zunehmen; dafür aber zum Beispiel Hurrikanschäden. Handel kann die entstehenden Produktionsausfälle ausgleichen helfen.

Was also kann man tun? China muss sich, etwa durch verbessertes Flussmanagement, anpassen. Unternehmen weltweit müssen ihre Lieferbeziehungen wetterfest machen, zum Beispiel viele statt wenige Zulieferer haben oder Lager einführen. Entscheidend sind aber ausgeglichene, starke Handelsbilanzen.

Und für eine weitere Zunahme des Klimastresses müssen wir die Erwärmung klar begrenzen – und das bedeutet ein Aussteigen aus der Verbrennung von Kohle und Öl. Möglich ist das alles. Klimarealismus anstatt Nationalchauvinismus.

Anders Levermann Quelle: PIK/Klemens Karkow

Zur Person: Anders Levermann ist Klimawissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für die Dynamik des Klimasystems an der Universität Potsdam. Unter @ALevermann ist der gebürtige Bremerhavener bei Twitter aktiv.

Von Anders Levermann

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