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Deutschland / Welt Freunde im Geiste, Verbündete in der Sache
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Freunde im Geiste, Verbündete in der Sache
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16:13 18.06.2017
Es ist bereits die vierte Privataudienz Merkel beim Papst. Quelle: dpa
Rom

Angela Merkel und Papst Franziskus begegnen sich fast wie zwei alte Freunde. Sie begrüßen sich lächelnd, dann sagt sie: „Danke, dass ich wieder hier sein kann.“ Gut 40 Minuten lang beraten Merkel und Franziskus über die großen Probleme dieser Welt.

Vom Treffen erhoffte sich die Kanzlerin moralische Stärkung vor dem schwierigen G-20-Treffen und der Auseinandersetzung mit US-Präsident Donald Trump – und natürlich schöne Bilder mit dem beliebten Kirchenführer mitten im Wahlkampf Zuhause.

Hat der Papst Merkel tatsächlich den Rücken gestärkt?

Ja. Auch wenn die konkreten Inhalte des Gesprächs geheim sind, setzt der Papst klare Zeichen der Zuneigung zu Merkel und ihrer Politik. Gut hörbar würdigt der 80-Jährige die Kanzlerin bei der Übergabe der Geschenke besonders „für die Arbeit, die Sie für den Frieden tun“. Einigkeit herrscht auch im Kampf gegen die Armut in Afrika und den Terrorismus sowie für den Klimaschutz.

Außerdem gibt es kleine symbolische Zeichen, die eine besondere Nähe deutlich machten. Beispiel: Als Franziskus vor fast einem Monat Trump empfangen hatte, musste der genau gegenüber Platz nehmen. Der schwere Schreibtisch dazwischen wirkte wie eine Barriere. Franziskus platziert Merkel dagegen nahezu neben sich, beide sitzen einander offen zugewandt am Eck des Holztisches.

Was bedeutet der Besuch für Merkels G20-Agenda?

Die Kanzlerin sieht sich bestärkt, trotz des Widerstands von Trump an ihren zentralen Zielen festzuhalten. „Er hat mich ermutigt, auf diesem Weg weiterzugehen“, sagt sie nach dem Gespräch. Sie wolle sich einsetzen für „eine Welt, in der wir keine Mauern aufbauen wollen, sondern Mauern einreißen wollen“. Solche Worte könnten vom Pontifex, dem „Brückenbauer“, selbst stammen.

Dass die Kanzlerin den Kampf gegen die Armut in Afrika zu einem G20-Schwerpunkt erklärt, dürfte den Argentinier besonders freuen. Er versteht sich als Stimme der Schwachen.

Aufhorchen lässt ein weiterer Satz der Kanzlerin: Sie wolle „versuchen, Schritt für Schritt auch Erfolge für die gesamte Weltgemeinschaft zu erzielen“. Noch vor einer Woche hatte sie in Argentinien und Mexiko beteuert, die ihr von manchem wegen Trump unterstellte Rolle als neue „Führerin der freien Welt“ komme ihr nicht zu. In Merkels Umgebung heißt es, dies sei kein Widerspruch. Wer Politik im Sinne der Bürger in Deutschland mache, müsse auch das Internationale im Blick haben.

Warum pflegt die Pastorentochter Merkel ausgerechnet so engen Kontakt zum Oberhaupt der katholischen Kirche?

Merkel schätzt den Argentinier als besonders beeindruckende Persönlichkeit. Auf der anderen Seite betrachtet sie den Vatikan nüchtern als weltumspannende Organisation mit großem diplomatischen Einfluss und ohne Nationalinteressen. Das kommt ihrem multilateralen Ansatz im Kampf gegen Krisen und Armut entgegen.

Wer darf dem Papst bei dem Besuch außer Merkel noch die Hand geben?

Bei einer Privataudienz ist es üblich, dass der Gast dem Papst seine Delegation vorstellt. Am Samstag schüttelt auch Joachim Sauer die Hand von Franziskus – anders als bei den meisten Reisen ist der Ehemann der Kanzlerin in Rom mit dabei. Merkel stellt zudem Regierungssprecher und Staatssekretär Steffen Seibert vor, ihren außen- und sicherheitspolitischen Berater Christoph Heusgen sowie andere engste Mitarbeiter aus dem Kanzleramt. Auch die deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Annette Schavan, ist in der Runde zu sehen, ebenfalls eine Vertraute Merkels.

Welche Geschenke tauschen Merkel und Franziskus aus?

Die Kanzlerin schenkt dem Argentinier Leckereien aus dessen Heimat, die sie vor gut einer Woche besucht hatte: den karamellartigen Brotaufstrich Dulce de Leche und Alfajores, mit Schokolade umhüllte Kekse. Außerdem kann sich der Musikliebhaber Franziskus über eine Beethoven-Gesamtausgabe freuen. Franziskus überreicht Merkel einen Olivenzweig als Würdigung ihres Einsatzes für den Frieden. Dazu gibt es vom Papst drei in rot gebundene Ausgaben seiner Lehrschriften in deutscher Sprache. Auch hier steckt Symbolik dahinter: Die Werke beschäftigen sich mit Familienpolitik, Umwelt- und Klimaschutz.

Von RND/dpa