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Deutschland / Welt Frauen in die Politik!
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14:00 13.10.2018
Selbstbestimmung entsteht, wenn Mädchen und junge Frauen auf allen Ebenen mitbestimmen können: in Familien, Schulen, Medien und Unternehmen, in politischen Gremien und Parlamenten. Quelle: dpa
Berlin

„Der Schlüssel zu Gleichberechtigung ist Bildung“, sagt Vigdís Finnbogadóttir. Die fast 90 Jahre alte Frau weiß es genau. Die Isländerin war 1980 das erste weibliche Staatsoberhaupt weltweit. Ihr Land liegt unangefochten an der Spitze, wenn es um das Thema Gleichberechtigung geht. Nicht erstaunlich ist es also, dass Island in der aktuellen Analyse von Plan International Deutschland „Die zehn besten und zehn schlechtesten Länder, um Politikerin zu werden“ ganz oben steht.

Deutschland schafft es dagegen – trotz einer Kanzlerin Angela Merkel – nur auf Platz 13. Da hätten wir mehr erwartet. Doch auch hier in Deutschland ist es noch immer schwierig, Machtstrukturen zu durchbrechen, die Frauen daran hindern, sich Gehör zu verschaffen. Nicht verwunderlich ist, dass ein Land wie Mali auf einem der letzten Plätze liegt. Nur jede fünfte Frau dort kann lesen und schreiben. Jedes dritte Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren ist bereits eine Ehefrau und oft schon Mutter. Diese Umstände bedeuten das Aus für ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben.

Ein Rollenverständnis, das vor allem von Mädchen Gehorsam erwartet

Selbstbestimmung entsteht, wenn Mädchen und junge Frauen auf allen Ebenen mitbestimmen können: in Familien, Schulen, Medien und Unternehmen, in politischen Gremien und Parlamenten. Doch Erwachsenen fehlt häufig der Wille, Kindern und Jugendlichen zuzuhören und sie einzubeziehen. Dahinter steht die Annahme, dass junge Leute nichts Wertvolles beizutragen hätten, und ein Rollenverständnis, das vor allem von Mädchen Gehorsam erwartet.

Weltweit ist nicht einmal ein Viertel der Abgeordneten in den nationalen Parlamenten weiblich. Nur gut sieben Prozent aller Regierungschefs sind Frauen. Und jung sind sie schon mal gar nicht. Nicht mal ein Prozent aller Parlamentsmitglieder unter 30 Jahren ist weiblich. Dabei rät Vigdís Finnbogadóttir gerade jungen Frauen, sich politisch zu engagieren. Nur dann könnten sie durchsetzen, was ihnen wichtig sei.

Doch dafür müssen sie schon als Mädchen lernen, wie sie sich in Diskussionen einbringen können, wie sie gemeinsam mit anderen Lösungen entwickeln und umsetzen können. Gerade dort, wo die Bevölkerungen dynamisch wachsen und sehr jung sind, aber haben sie fast gar keine Stimme. In den Entwicklungsländern sind sie politisch und gesellschaftlich mit wenigen Ausnahmen kaum wahrnehmbar. Am unteren Ende des Rankings stehen denn auch: Tschad, Jemen, Mali, Guinea, Mauretanien, Gambia, Äthiopien, Laos, Bhutan und Myanmar.

Mehr Bildung, mehr Veränderung

Die Daten aus Mali sind beispielhaft für Länder, in denen Mitbestimmung von Frauen nahezu unmöglich scheint. In dem westafrikanischen Land zählt die Bevölkerung zu den am schnellsten wachsenden der Welt und ist sehr jung. Auf dem Human Development Index, dem weltweiten Wohlstandsindikator, nimmt Mali Platz 175 von 188 ein. Die niedrige Alphabetisierungsrate, Gewalt gegen Frauen sowie die hohe Quote der Kinderheirat machen es Frauen so gut wie unmöglich, ihre Stimmen zu erheben.

Ein strenger Familienkodex, der Frauen vorgibt, dass sie ihren Männern gehorchen müssen, dass sie keine Rechte haben, Land zu erwerben oder ihren Wohnort selbst zu wählen, lassen sie nahezu unsichtbar werden. In einigen Landesteilen werden fast alle Mädchen im Alter von etwa fünf Jahren beschnitten. Ein lebensgefährlicher Eingriff, der ein Leben in Schmerzen und Unterdrückung bedeutet.

Dabei wissen wir, was für eine Kraft der Veränderung Mädchen und junge Frauen entwickeln können. Schon jedes zusätzliche Jahr auf einer weiterführenden Schule wird dazu führen, dass sie später 20 Prozent mehr Einkommen in ihre Kinder investieren wird – die dann wiederum die Chance haben, gesünder und gebildeter aufzuwachsen.

Gleichberechtigung ist mehr als wirtschaftliche Stärkung

Wir erleben in Projekten aber auch, wie das wachsende Selbstbewusstsein zu mehr Einfluss und Veränderung in den Gemeinden führt. Bis hin zum Einfluss auf Gesetzesänderungen. So waren etwa Jugendliche aus unseren Projekten daran beteiligt, dass die Regierungen von Malawi, Guatemala und El Salvador Kinderheirat verboten haben. Um den Einfluss der Frauen in Krisen zu erhöhen, hat der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1325 zu Frauen, Frieden und Sicherheit erlassen, die nicht nur den Schutz der Frauen, sondern auch die gleichberechtigte Beteiligung an Friedensprozessen fordert. Wie das gelingen kann, hat der jüngste Friedensprozess in Kolumbien gezeigt.

In der Vergangenheit haben wir uns im globalen Bemühen um mehr Gleichberechtigung sehr auf die wirtschaftliche Stärkung und auf die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen konzentriert. Doch wir dürfen auch andere wichtige Bereiche, wie eben die politische Teilhabe und die Fähigkeit von Mädchen und jungen Frauen, ihr Leben selbst zu verändern, nicht vergessen.

#Girls­GetEqual heißt deswegen die globale neue Kampagne von Plan International zu Gleichberechtigung. Beteiligt Mädchen und junge Frauen endlich weltweit am gesellschaftlichen und politischen Leben! Dann ändert sich die Rangliste – und das Leben von Millionen Menschen.

Maike Röttger Quelle: Morris Mac Matzen/PLAN-Deutschland

Zur Person: Maike Röttger ist Vorsitzende der Geschäftsführung von Plan International. Die Hilfsorganisation engagiert sich weltweit für Chancen und Rechte von Kindern.

Von Maike Röttger

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