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Deutschland / Welt Frankreich: Hackerangriff auf das Team Macron
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Frankreich: Hackerangriff auf das Team Macron
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08:32 06.05.2017
Emmanuel Macron beim Wahlkampf im südfranzösischen Rodez. Quelle: AP
Paris

Kurz vor der französischen Präsidentschaftswahl sorgt ein Hacker-Angriff auf die Bewegung des favorisierten Kandidaten Emmanuel Macron für Aufregung. Bei der „massiven und koordinierten“ Attacke seien E-Mails, Verträge sowie andere interne Dokumente erbeutet und später ins Internet gestellt worden, um „En Marche!“ zu schaden, teilte Macrons Wahlkampfteam mit. Es handele sich um einen „beispiellosen Vorgang“ und gezielten „Versuch, die französische Präsidentschaftswahl zu destabilisieren“.

Die Abstimmung gilt wegen Le Pens Anti-EU-Kurs als Richtungsentscheidung für den ganzen Kontinent. Die Front-National-Politikerin will Frankreich aus dem Euro führen und ihre Landsleute über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen. Macron ist europafreundlich und strebt eine enge Partnerschaft mit Deutschland an.

„En Marche!“: Bereits Ende April gab es eine Attacke von „Pawn Storm“

„En Marche!“ hatte bereits Ende April unter Berufung auf die IT-Sicherheitsfirma Trend Micro berichtet, Macrons Präsidentschaftswahlkampagne sei Ziel der Hackergruppe „Pawn Storm“ geworden. Westliche IT-Sicherheitsfirmen vermuten dahinter eine Gruppe mit Nähe zu russischen Geheimdiensten, die auch hinter Hackerangriffen auf den Parteivorstand der US-Demokraten und die CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel stecken soll. Der Name „Pawn Storm“ leitet sich von einer Schachtaktik ab, in der mit vielen Bauern angegriffen wird. Macrons Einstellung zu Russland gilt als äußerst kritisch. „En Marche!“ beschuldigte Moskau zuletzt, über Medien wie RT in den französischen Wahlkampf einzugreifen – der Sender ist bekannt dafür, staatliche Propaganda zu verbreiten. Unterstützt wird diese Sichtweise von Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault, demzufolge Macron Ziel von Cyberangriffen aus Russland ist.

Im April 2016 waren auch die CDU und die Email-Provider GMX und web.de Opfer eines „Pawn Storm“-Angriffs. Quelle: RND/Screenshot

Vermengung von echten Dokumenten und Fälschungen

Am späten Freitag, unmittelbar vor Ende des Wahlkampfs, wurden auf der Internetplattform 4chan – einer für Falschmeldungen und politischen Extremismus bekannten Webseite – Links auf Dateien veröffentlicht, die angeblich zum Wahlkampfteam des Kandidaten Emmanuel Macron gehören sollen. Macrons Team meldete, die E-Mail-Posteingänge einiger Wahlkampfhelfer seien geplündert worden. Zumindest einige der geleakten Nachrichten und finanziellen Informationen seien echt. Der Zeitpunkt des mutmaßlichen Hackerangriffs kann entweder als perfide oder als dilettantisch betrachtet werden, da seit Freitagmitternacht ein Berichterstattungsstopp herrscht. Das französische Wahlrecht sieht eine Wahlkampfpause vor, um den Wahlberechtigten ein unabhängiges Abwägen über ihre Stimmabgabe zu ermöglichen – und dazu gehört auch, dass die Medien innehalten.

Bei Veröffentlichung drohen drastische Strafen

Die französische Wahlkommission drohte mit drastischen Strafen, falls die enthüllten Unterlagen weiter verbreitet würden. Freie und faire Wahlen stünden auf dem Spiel. In Frankreich steht das Verbreiten von Falschmeldungen unter Strafe. Die Wahlkommission kündigte eine Überprüfung des mutmaßlichen Hackerangriffs an.

Fraglich ist, wie viel Einfluss die Enthüllungen haben werden – wenn man von Beiträgen in emotional aufgeheizten sozialen Netzwerken wie Twitter oder auf Plattformen wie Reddit absieht. Dort jedoch stritten sich Unterstützer der Rechtspopulistin Le Pen mit Akademikern und Journalisten, wie die Enthüllungen nun zu deuten seien. Eine der Fragen ist, wie viele der Unterlagen tatsächlich echt sind. Macrons Wahlkampfteam gab bekannt, dass die Dokumente zum Teil mit gefälschten vermischt worden seien. Beispiele wurden jedoch nicht genannt.

Vor wenigen Tagen erst war 4chan als Quelle der Falschmeldung ausgemacht worden, Macron besitze ein Offshore-Bankkonto in der Karibik. Die Kandidatin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, hatte diese Behauptung prompt in der TV-Debatte mit Macron aufgegriffen, worauf Macron Anzeige erstattete.

Von RND/AP/dpa/dk