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Deutschland / Welt Vereinzelte Angriffe trotz Feuerpause in Ost-Ghuta
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11:17 27.02.2018
Die Straßen in Ghuta, die bei Angriffen durch die syrische Luftwaffe zerstört wurden. Quelle: dpa
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Damaskus

Im umkämpften syrischen Rebellengebiet Ost-Ghuta sollten die täglichen Feuerpausen ab Dienstag die Lieferung von Hilfsgütern ermöglichen. Am Tag zuvor hatte der russische Präsident Wladimir Putin eine fünfstündige Waffenruhe angekündigt, teilte sein Verteidigungsminister Sergej Schoigu mit. Täglich zwischen neun und 14 Uhr sollen Kampfhandlungen in den Orten Duma und Irbin eingestellt werden und alle Waffen ruhen.

Bereits im Laufe des Vormittages meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte einzelne Verstöße gegen die Feuerpause. Ein Hubschrauber habe zwei Fassbomben abgeworfen, in einigen Orten seien zudem Granaten eingeschlagen. Auch Aktivsten meldeten gelegentlichen Beschuss mit Artillerie. Die Lage sei aber besser als zuvor.

Beschuss der Evakuierungskorridore

Das syrische Staatsfernsehen berichtete zudem, „Terrorgruppen“ hätten fünf Granaten auf einen Korridor gefeuert. Aus Kreisen der syrischen Armee hieß es, dabei seien fünf Soldaten verletzt worden. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Über die Evakuierungskorridore sollte den eingeschlossenen Zivilisten die Flucht ermöglicht werden. Auch Krankenwagen sollen bereitgestellt werden. Dafür habe die syrische Regierung eine Flucht-Route eingerichtet. Die Behörden würden Flugblätter mit den Einzelheiten der Evakuierung verteilen, sagte der russische Generalmajor Juri Jewtuschenko.

Die Bewohner in Ost-Ghuta kritisierten Putin für die geplanten Feuerpausen. „Das ist wie eine Rechtfertigung für die Luftangriffe auf Zivilisten“, sagte der Aktivist Firas Abdullah, der in Duma lebt. Dort waren am Montag mindestens 13 Menschen nach einem Angriff auf ein Familienhaus getötet worden.

„Es ist höchste Zeit, die Hölle auf Erden zu stoppen“

„Sie sind so nett, uns fünf Stunden zu geben, in denen sie uns nicht bombardieren. Den Rest des Tages bombardieren sie uns wie üblich. Das ist wie eine Erlaubnis zu töten“, so Abdullah. Angesichts der massiven Bombardierung in den vergangenen Tagen zeigten sich auch weitere Anwohner vor Ort skeptisch und vertrauten der Ankündigung nicht.

Eine einstimmige Resolution des UN-Sicherheitsrates vom Samstag, in der eine 30-tägige Waffenruhe für ganz Syrien gefordert wurde, war bisher weitgehend wirkungslos geblieben. Die Angriffe auf Ost-Ghuta hatten zwar abgenommen, doch seit der Abstimmung waren immer noch Dutzende Menschen ums Leben gekommen.

„Es ist höchste Zeit, die Hölle auf Erden zu stoppen“, forderte UN-Generalsekretär António Guterres am Montag. Nach steigendem Druck hatte Russland schließlich die offizielle Feuerpause verkündigt. Der vom Sicherheitsrat geforderten 30-tägigen Waffenruhe wird Moskau allerdings nicht nachkommen.

400.000 Zivilisten leben in Ost-Ghuta

Russische Kampfjets hatten die syrischen Truppen zuvor auch bei der Offensive auf Ost-Ghuta unterstützt, wo noch rund 400.000 Zivilisten neben mehreren tausend Rebellenkämpfern unterschiedlicher Fraktionen leben. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Syrien meldete, am Montag seien dort insgesamt mindestens 34 Menschen durch Luftangriffe und Bombardements ums Leben gekommen.

Die syrischen Ersthelfer der sogenannten Weißhelme warfen der Regierung vor, bei einem Angriff am Sonntag Chlorgas eingesetzt zu haben. Die Beobachtungsstelle konnte das zunächst nicht bestätigen. Als Reaktion auf die Berichte bekräftigte das Weiße Haus erneut, die Militäreinsätze müssten sofort beendet werden. Die syrische Regierung terrorisiere Hunderttausende Zivilisten, und der Einsatz von Chlorgas verstärke das noch weiter, sagte die amerikanische Regierungssprecherin Sarah Huckabee Sanders.

Erinnerungen an Aleppo

Der Anführer der stärksten Rebellengruppe in Ost-Ghuta, Mohammed Allusch von Dschaisch al-Islam, sagte, mit der Entscheidung für eine zeitlich und örtlich begrenzte Feuerpause versuche Moskau, die von den UN geforderte Waffenruhe zu umgehen. „Wir wollen eine absolute und anhaltende Waffenruhe im Einklang mit der UN-Resolution, und eine, die Korridore für humanitäre Hilfe öffnet.“

Indes fühlten sich Anwohner und Aktivisten in Ost-Ghuta mit der Ankündigung einer Feuerpause an Russlands Vorgehen im Kampf um Aleppo 2016 erinnert. Damals hatte Moskau ebenfalls die syrischen Truppen von Präsident Baschar al-Assad unterstützt und die Rebellen aus ihren Enklaven in der Stadt vertrieben.

Eine humanitäre Pause war dabei von Russland durchgesetzt worden, während die syrische Regierung zu Evakuierungen aufrief. Anschließend folgte eine Bodenoffensive, die Aleppo vollständig unter Assads Kontrolle brachte. Wie damals argumentieren die syrische Regierung und Russland auch heute, mit Al-Kaida verbundene Gruppen vor Ort seien der Grund für die umfassenden Operationen.

Von RND/dpa/AP

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