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Deutschland / Welt Neues Enthüllungsbuch über Trump gleicht einer Abrechnung
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22:46 04.09.2018
„Er ist ein Idiot“, soll der Stabschef John Kelly seinen Mitarbeitern zu Donald Trump gesagt haben. Quelle: Cliff Owen/AP/dpa
Washington

Am 14. August griff der Präsident der Vereinigten Staaten zum Telefon und rief Bob Woodward an. In dem fast 15-minütigen Gespräch beklagte sich Donald Trump, dass sich Woodward nicht mit ihm direkt in Verbindung gesetzt hätte. An diesem Tag, so dämmerte es dem Chef des Weißen Hauses, war es zu spät: „Es wird wohl ein schlechtes Buch“, sagte Trump wie zu sich selbst.

Mit Einwilligung Trumps hatte Woodward das Telefonat, das am Dienstag öffentlich wurde, aufgezeichnet. Alle Welt kann nun Zeuge werden, wie sich der scheinbar mächtigste Mann darüber beklagt, dass der Autor nicht mit ihm direkt Kontakt aufgenommen hatte. Für einen Staatspräsidenten ein geradezu peinliches - aber nicht zu bestreitendes - Dokument.

Die Durchschlagkraft seines neuen Werkes, das CNN und der „Washington Post“ vorliegt, dürfte wohl genau darin liegen, dass die Leser auf das akribische wie seriöse Arbeiten Woodwards vertrauen. Sein Name gilt in Amerika als eine Art Gütesiegel, seit er gemeinsam mit seinem Kollegen Carl Bernstein den Watergate-Skandal aufdeckte, über die der damalige Präsident Richard Nixon letztlich stürzte.

„Sie sprachen alle mit ihm“

Um es vorwegzunehmen: Anders als damals geht es in dem Buch „Fear: Trump in the White House” nicht um den einen großen Skandal. Auch sind diverse Ungeheuerlichkeiten, die detailliert beschrieben werden, mittlerweile bekannt. Und doch gleicht das Buch einem bedrückenden Sittengemälde.

Der Zustand hinter den prachtvollen Kulissen, so wird es Woodward gleich von mehrerer Gesprächspartnern bestätigt, gleiche einer „Crazytown“ - einer verrückten Stadt.

Der Journalist Bob Woodward veröffentlicht in wenigen Tagen sein Buch „Furcht: Donald Trump im Weißen Haus“ Quelle: Cliff Owen/AP/dpa

Woodward, so hebt auch sein Verlag Simon und Schuster hervor, habe mit mehreren Dutzend Mitarbeitern des Weißen Hauses längere Interviews geführt. 448 Seiten seien das Ergebnis einer Arbeitsweise, die im digitalen Zeitalter manchen als geradezu altertümlich erscheinen mag: Woodward tauschte sich mit seinen Gesprächspartnern nicht nur per Telefon und per Email aus - der 75-Jährige besuchte auch zahlreiche Regierungsmitarbeiter direkt daheim. Die old-fashion-Methode führte offenbar zum Erfolg: „Sie sprachen alle mit ihm“, heißt es in Washington. Der Satz klingt wie eine Drohung und dürfte vielleicht auch der tiefere Grund für die unzähligen Twitterbotschaften sein, die Trump in diesen Tagen absetzt.

„Er ist ein Idiot“

Bill Kristol vom „Weekly Standard“ spricht angesichts der wachsenden Nervosität von einem „meltdown“, einer Kernschmelze. Das Weiße Haus gab am Dienstag zwar eine Erklärung heraus, wonach die bisher bekannten Passagen aus dem Buch falsch seien. Damit allein dürfte dem Regierungschef jedoch kaum geholfen sein.

So zitiert Woodward insbesondere Stabschef John Kelly, der im Kreis von Mitarbeitern über den Präsidenten gesagt haben soll: „Er ist ein Idiot. Es ist sinnlos zu versuchen, ihn von irgendetwas überzeugen zu wollen.“ Bedrückend ist auch eine Passage über den früheren Wirtschaftsberater: Gary Cohen habe einen Brief von Trumps Schreibtisch gestohlen, mit dem der Präsident ein Handelsabkommen mit Südkorea auflösen wollte. Cohn soll Wochen später einem Mitarbeiter gesagt habe, er habe damit die nationale Sicherheit schützen wollen. Im übrigen habe Trump das Fehlen des Schreibens gar nicht bemerkt.

Von Stefan Koch

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