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Deutschland / Welt „Es braucht eine Erinnerungskultur“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Es braucht eine Erinnerungskultur“
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15:41 26.01.2018
Vertreter der afrikanischen Volksgruppen Herero und Nama fordern von der Bundesregierung finanzielle Entschädigung vor einem New Yorker Bezirksgericht. Quelle: dpa
Münster

„Es braucht eine Erinnerungskultur“, sagte Polenz. So gebe es in Deutschland das eine oder andere Denkmal zur Kolonialzeit. „Aber da geht es mehr um die Verluste der kolonialen Streitkräfte und nicht um die schrecklichen Gräueltaten zwischen 1904 und 1908.“ Er kritisierte, dass auch in Schulbüchern diese Zeit nur lückenhaft dargestellt werde. „Daran muss sich etwas ändern.“

Es gebe eine Menge zu tun, um die deutschen Kriegsverbrechen in Südwestafrika aufzuarbeiten, betonte der Politiker, der seit 2015 Namibia-Beauftragter ist. Deshalb setzte er sich dafür ein, dass eine Stiftung eingerichtet werde, deren Aufgabe es sein müsse, das Thema am Laufen zu halten. Auch die Debatte über die Sammlung, die künftig im Humboldt Forum in Berlin gezeigt werden soll, könne dazu beitragen. „Ich kann mir vorstellen, dass sie ein stärkeres Bewusstsein für diese Fragen bewirkt.“ Zu den Beständen, die in dem neuen Museum gezeigt werden sollen, gehören zahlreiche Kulturgüter aus der Kolonialzeit.

Ein Dokument der Erinnerung

„Deutschland hat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts so viele schlimme Verbrechen begangen, dass man sich zuerst mit dem beschäftigt hat, was zwischen 1933 und 1945 geschehen ist“, reflektiert Polenz. Und als Namibia 1990 seine Unabhängigkeit erreicht habe, sei in Deutschland die Wiedervereinigung Thema gewesen.

Ein Dokument, in dem Vertreter Deutschlands und Namibias zusammen beschreiben, was während der deutschen Kolonialzeit geschah soll das Ergebnis der bilateralen Verhandlungen, die 2015 starteten, sein. „Der Begriff Völkermord wird in dem Text vorkommen und eingeordnet werden.“ Zudem gehe es um eine Entschuldigung Deutschlands. Die Frage sei, „welche Form der Entschuldigung die namibische Seite erwartet, damit sie sie akzeptieren kann“.

Daneben werde sich Deutschland langfristig materiell in Namibia engagieren, jenseits der bereits laufenden Entwicklungshilfe. Aber eine Entschädigung, wie sie von den Vertretern der Herero und Nama gefordert werde, die in den USA einen Gerichtsprozess anstreben, könne es nicht geben. Deutschland lehnt solche Zahlungen ab. „Das ist keine Rechtsfrage nach 100 Jahren, sondern eine politisch-moralische Frage“, sagte Polenz. „Damals gab es kein Recht, das man hätte anwenden können.“

Forderung nach direkten Gesprächen

Vertreter der Herero und Nama haben Deutschland vorgeworfen, bei den Verhandlungen zur Aufarbeitung des Völkermords Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutsch-Südwestafrika auf Zeit zu spielen. Sie forderten am Freitag bei einem Treffen mit der Linksfraktion in Berlin, die Bundesregierung müsse in direkte Gespräche mit den Volksgruppen eintreten und die deutschen Kriegsverbrechen an den Herero und Nama als Völkermord anerkennen.

Verhandlungen zwischen dem Namibia-Beauftragten der Bundesregierung, Ruprecht Polenz (CDU), und Vertretern der namibischen Regierung reichten nicht aus, sagte der frühere namibische Vizeminister für Landwirtschaftsreformen, Bernadus Swartbooi.

Eine für vergangenen Donnerstag angesetzte Anhörung wurde nach Angaben der Herero-Vertreter auf Mitte Februar verschoben. Das Auswärtige Amt bestätigte die Verschiebung, wollte sich inhaltlich aber nicht zu dem Verfahren äußern. Die Bundesregierung sieht die Klage wegen des Grundsatzes der Staatenimmunität als unzulässig an.

Von RND/epd

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