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Deutschland / Welt Erdogan attackiert die USA
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Erdogan attackiert die USA
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15:30 23.01.2018
Ein Panzer der türkischen Armee in Afrin, Syrien. Die Türkei hatte am Samstag eine Offensive „Olivenzweig“ gegen kurdische Milizen in der Stadt gestartet. Quelle: dpa
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Ankara/Damaskus

Der Einmarsch der Türkei in Syrien vertieft die Gräben zwischen Ankara und Washington. Während die türkischen Invasionstruppen bei ihrem Vorstoß auf die syrische Stadt Afrin an mehreren Fronten in Gefechte mit Kämpfern der Kurdenmiliz YPG verwickelt waren, richtete Staatschef Recep Tayyip Erdogan heftige Angriffe gegen die USA. Erdogan sagte in Ankara, Washington habe die YPG mit „5000 LKW-Ladungen Waffen“ aufgerüstet. „Nur ein Dummkopf versteht nicht, dass die Türkei das eigentliche Ziel dieses hinterhältigen Projekts ist“, sagte der Staatschef. Er warnte, die amerikanischen Waffen würden ihren Weg zur kurdischen Terrororganisation PKK finden, deren syrischer Ableger die YPG ist. Erdogan warf den USA vor, sie weigerten sich, „uns gegen Bezahlung Waffen zu liefern, aber sie geben Waffen kostenlos an die Terrororganisation.“ Der türkische Präsident fragte: „Warum sind wir strategische Partner, warum sind wir Verbündete?“

In der Syrienpolitik gibt es seit jeher große Differenzen zwischen Ankara und Washington. Die USA haben seit 2014 die YPG für den Kampf gegen den so genannten „Islamischen Staat“ (IS) aufgerüstet und trainiert. Jetzt sorgen die Pläne der YPG zur Schaffung einer kurdischen Autonomiezone auf der syrischen Seite der türkischen Grenze für Kontroversen. Die USA sehen darin ein Bollwerk gegen den IS, die Türkei eine Bedrohung ihrer Sicherheit. „Wir können es nicht dulden, dass die PKK an unserer Grenze in Syrien eine Art staatlicher Struktur aufbaut“, sagte Ibrahim Kalin, der Sprecher des türkischen Staatspräsidenten.

USA bemühen sich um Schadensbegrenzung

Dabei spielt Afrin eine besondere Rolle. Die Enklave ist nicht nur der wichtigste Brückenkopf der YPG westlich des Euphrat. Schon vor Beginn des syrischen Bürgerkrieges war die Stadt eine Operationsbasis der PKK. Von hier aus stießen PKK-Terroristen immer wieder zu Angriffen in die Türkei vor, zuletzt im Sommer 2017.

Die USA bemühen sich um Schadensbegrenzung. Am Dienstag kam eine Delegation unter Führung des für Europafragen zuständigen U.S.-Staatssekretärs Jonathan Cohen zu Gesprächen nach Ankara. Auch hohe Beamte des U.S.-Verteidigungsministeriums sowie der stellvertretende Nato-Generalsekretär eilten in die türkische Hauptstadt. In Washington versicherte die Sprecherin des Weißen Hauses, man nehme die türkischen Sicherheitsbesorgnisse ernst und wolle mit Ankara zusammenarbeiten. Die Sprecherin Sarah Huckabee Sanders rief aber alle Beteiligten dazu auf, sich auf den Kampf gegen den IS zu konzentrieren, zu einer Entspannung in Syrien beizutragen und Zivilisten zu schützen.

Diplomaten sorgen sich um innere Stabilität der Türkei

Der türkische Vize-Premier Bekir Bozdag unterstrich in Ankara, die Militäroperation richte sich gegen „Terrororganisationen“ wie die YPG, aber keinesfalls „gegen unsere kurdischen Brüder in der Region“. Daraus scheint die Sorge zu sprechen, der Vormarsch in Nordsyrien könnte den Kurdenkonflikt im eigenen Land weiter anfachen. Die Befürchtung ist nicht unbegründet, denn die PKK könnte versuchen, den türkischen Angriff auf ihren syrischen Ableger YPG mit Terroranschlägen in der Türkei zu vergelten.

„Wir sind nicht nur besorgt, weil die türkische Militäroperation neue Konflikte in Syrien schüren könnte“, sagt ein westlicher Diplomat in Ankara. Man müsse sich auch fragen, „welche Konsequenzen die Offensive für die innere politische Stabilität unseres Partnerlandes Türkei haben wird“, meint der Diplomat.

Während sich die USA bemühen, mit öffentlichen Beschwichtigungen und diplomatischen Kontakten die Wogen zu glätten, rechnen unabhängige Experten nicht mit einer baldigen Entspannung, im Gegenteil: „Es ist wahrscheinlich, dass sich die Beziehungen zwischen Washington und Ankara weiter verschlechtern werden“, heißt es in einer aktuellen Analyse des auf Sicherheitsfragen spezialisierten Beratungsunternehmens Soufan Group.

Von Gerd Höhler / RND

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