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Deutschland / Welt Endlich am Ziel: Markus Söder
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Endlich am Ziel: Markus Söder
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07:55 16.03.2018
Geschafft: Am Freitag wird Markus Söder zum bayrischen Ministerpräsidenten gewählt. Quelle: dpa
München

„Ein bisschen aufgeregt bin ich schon“, sagt Markus Söder. „Es ist doch ein ganz besonderer Tag. Ich habe seit 1994 schon mehrere Ministerpräsidentenwahlen erlebt und nicht gedacht, dass ich selbst mal zur Wahl stehen werde.“ Wird der designierte bayerische Ministerpräsident den Freitagmorgen dennoch wie immer beginnen? „Ich werde mich vor allem noch einmal bekreuzigen vor dem Gang in den Landtag“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur.

Keine Frage, dieser Freitag markiert nicht nur in Söders Karriere eine Zäsur. Mit dessen Wahl im Landtag will die CSU den endgültigen Schlussstrich ziehen unter einen jahrelang schwelenden und im vergangenen Jahr offen geführten Machtkampf. Wenn Söder am Mittag seinen Amtseid auf die bayerische Verfassung ablegen wird, ist die neue CSU-Doppelspitze endgültig im Amt: Horst Seehofer, der am Dienstag als Ministerpräsident zurückgetreten war und am Mittwoch als Bundesinnenminister vereidigt wurde - und CSU-Chef bleibt. Und Söder als neuer Ministerpräsident und Spitzenkandidat für die Landtagswahl.

Allen internen Befürchtungen zum Trotz will Seehofer am Freitag auch persönlich im Landtag erscheinen. Landtagsabgeordneter ist er ja erstmal noch, er kann also auch mitwählen. Und für Montag kündigt Seehofer gleich noch eine offizielle Amtsübergabe an dem Ort an, an dem er fast neuneinhalb Jahre das Sagen hatte: in der Staatskanzlei.

Spielen Söder und Seehofer Doppelpass zwischen Berlin und München?

Bis zuletzt hatten viele in er CSU gemutmaßt, dass Seehofer die Inthronisierung seines ewigen Dauerrivalen versäumen würde. Im Landtag hatte er sich schließlich seit Monaten nicht mehr blicken lassen, er sieht sich von der CSU-Landtagsfraktion vom Hof gejagt, mindestens „ins Abseits“ gestellt. Nun soll es das von vielen in der CSU so ersehnte Zeichen der friedlichen Machtübergabe geben.

Doch allen öffentlichen Beteuerungen, allen schönen Bildern der Eintracht zum Trotz: Dass Seehofer und Söder keine Freunde mehr werden, ist klar, dass sie so gut zusammenarbeiten werden, wie sie selber behaupten, menschlich fraglich, parteipragmatisch zumindest vorstellbar. Einen „Super-Doppelpass“ zwischen Berlin und München könnten sie spielen, hat Söder gesagt. Viele, nicht nur in der CSU, fragen sich aber: Werden beide wirklich auf dasselbe Tor spielen?

An diesem Freitag aber steht Söder im Mittelpunkt. Die Wahl ist eine Formsache, die CSU hat eine Mehrheit von 101 der 180 Abgeordneten. Der 51-jährige Franke wird dann der jüngste Regierungschef in der Geschichte Bayerns. Er tritt in die Fußstapfen von Seehofer, dem glücklosen Franken Günther Beckstein, seinem großen Förderer Edmund Stoiber und seinem Jugendidol, CSU-Übervater Franz Josef Strauß. Und: Söder ist endlich am Ziel, auf das er so lange und kontinuierlich, so ehrgeizig und unbedingt und mit allen Mitteln hingearbeitet hat. „Ab 50 beginnt im Leben eines Mannes die Zeit der Ernte“, so hatte er einmal seinen Vater zitiert. Jetzt will Söder seine Ernte einfahren.

Söder verspricht die „Zukunftsversion“ für Bayern

Doch auch wenn er im CSU-Machtkampf gegen Seehofer und seine parteiinternen Gegner obsiegt hat, auch wenn er nun tatsächlich in die Staatskanzlei einzieht: Söder weiß, dass die eigentliche Herausforderung erst vor ihm liegt - die Landtagswahl am 14. Oktober. Dort droht der CSU, wie schon 2008, wieder der Verlust der absoluten Mehrheit, sollte Söder im Vergleich zu den jüngsten Umfragen (zuletzt 41 bis 42 Prozent) nicht noch kräftig zulegen. Die historisch schlechten 38,8 Prozent, die die CSU bei der Bundestagswahl unter Parteichef Seehofer eingefahren hatte, scheinen zwar inzwischen weit weg. Doch wenn Söder nicht merklich über 40 Prozent liegen sollte, wäre dies für die Partei und ihn persönlich eine herbe Enttäuschung.

Söder weiß das und arbeitet: Er hat schon seine erste inhaltliche Agenda präsentiert, will beispielsweise plötzlich mit der Gründung einer staatlichen Wohnungsbaugesellschaft punkten. Er feilt an einem neuen Image, Landesvater statt Hardliner, um Zweifler auf seine Seite zu ziehen - bislang hält ihn nur etwa die Hälfte der Bayern für sympathisch. Ein Signal in dem Zusammenhang: Er will die Amtszeit des Ministerpräsidenten, auch seine eigene, auf zehn Jahre begrenzen.

Söder weiß, dass es in den kommenden Monaten um alles geht. Das wird er auch bedenken, wenn er kommende Woche sein Kabinett präsentiert. Er verspricht nichts weniger als eine „Zukunftsvision“ für Bayern.

Doch, und das ist das Spannende an der neuen CSU-Doppelspitze: Auch wenn Söder nun auf dem Bayern-Thron sitzt, ist er weiterhin von Seehofer abhängig. Längst lassen sich bei einer Wahl bundes- und landespolitische Aspekte nicht mehr trennen. Deshalb muss Seehofer als Bundesinnenminister möglichst schnell liefern, will er nicht zwangsläufig die Wahlchancen seines Nachfolgers schmälern. So oder so wird er, als CSU-Chef und nach neuneinhalb Jahren Ministerpräsident, für das Wahlergebnis ohnehin ein Stück weit mitverantwortlich sein.

Für die nächsten sieben Monate sind der Parteichef und der neue Ministerpräsident also auf Gedeih und Verderb aneinander gekettet. Doch wie es nach dem 14. Oktober weitergeht - das weiß heute keiner.

Von RND/dpa