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Deutschland / Welt Ein kleines Dorf stellt sich gegen 5000 Neonazis
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Ein kleines Dorf stellt sich gegen 5000 Neonazis
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07:16 22.08.2018
„Neonazis sollen sich nicht wohlfühlen“: Die Menschen in Mattstedt wollen gegen das Rechtsrockkonzert protestieren. Quelle: Foto: Arno Burgi/dpa
Mattstedt

Dass sie in der Unterzahl bleiben werden, ist für Max Reschke klar. Dass die Aktivisten des Bündnisses „Wir für Mattstedt“ nicht das größte von Rechtsextremisten besuchte Konzertevent im Osten verhindern können, auch. Aber das ist noch kein Grund zum Aufgeben. 5000 Rechtsextreme aus dem ganzen Bundesgebiet und dem Ausland werden am Wochenende auf einem ehemaligen Fabrikgelände des 500-Einwohner-Örtchens bei Apolda (Thüringen) erwartet.

Kommt ein NSU-Terrorhelfer zum Rechtsrock-Konzert?

Wieder ist Thüringen Schauplatz eines großen Rechtsrockkonzerts. Und wieder muss eine kleine Gemeinde lernen, mit einer Übermacht von anreisenden Neonazis umzugehen. Mehrfach traf es zunächst den kleinen Ort Themar in Südthüringen, nun also Mattstedt. „Rock gegen Überfremdung III“ heißt das Konzert, auftreten wird unter anderem die Band „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“, die bereits eine Hymne auf den „Döner-Killer“ sangen, als noch nicht bekannt war, dass der NSU hinter der Mordserie auf eingewanderte Gewerbetreibende steckte. Nun sind mit André Eminger und Ralf Wohlleben zwei in München angeklagte NSU-Terrorhelfer auf freiem Fuß – zumindest von Eminger wird vermutet, dass er sich in Mattstedt blicken lassen wird.

Warum immer wieder Thüringen? Es gibt zwei Antworten: Das Land liegt nun einmal verkehrsgünstig in der Mitte Deutschlands, das ist die einfache Antwort. Heikler ist die zweite: In Thüringen hat sich eine professionelle Szene inmitten der rechtsextremen Subkultur etabliert, die sowohl musikalisch als auch logistisch solche Veranstaltungen stemmen kann – und damit viel Geld verdient. Anmelder in Mattstedt ist der Saalfelder Steffen Richter, der mit der rechtsextremen „Bruderschaft“ der Turonen in Verbindung gebracht wird. Die Turonen und ihre Unterstützer namens „Garde 20“ organisierten selbst bis in die Schweiz große Rechtsrock-Treffen. Die Szene habe sich „sehr professionalisiert“, sagen Ermittler.

Neonazis sollen sich „nicht wohlfühlen und nicht wiederkommen“

Zudem ist in Thüringen mit vergleichsweise kleinerem Protest zu rechnen. Auch in Mattstedt wurden die Bürger erst einmal überrumpelt – und hatten dann vor allem Angst vor gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und Gegendemonstranten in ihrem Ort. Max Reschke und seine Mitstreiter mussten viele Vorurteile und Ängste ausräumen, bis sie Unterstützung für die Proteste erfuhren. Reschke ist Bio-Imker und Vorsitzender der Grünen im Landkreis. „Es kann gar keine direkte Konfrontation geben, weil wir verschiedene Routen nutzen“, klärte Reschke auf.

Der Veranstaltungsort liegt am Ortsrand, die Neonazis müssen vom nahe gelegenen Apolda über die Bundesstraße dorthin laufen. Die Gegenveranstaltungen finden im Ortskern statt. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und das gesamte Landeskabinett Thüringens wird morgens an einem Gottesdienst teilnehmen. Innenminister Georg Maier (SPD) wird auch an den Demonstrationen teilnehmen. Dass sich die Neonazis überhaupt wieder zu solch einer lukrativen Großveranstaltung treffen können, ist eine Niederlage für Ramelow und Maier. Eine Verschärfung des Versammlungsgesetzes, die Ramelow nach Themar anregte, war im Parlament nicht durchsetzbar. Maier kündigte im Interview mit dem Evangelischen Pressedienst eine harte Gangart der Polizei an: „Was wir tun können, ist, mit Auflagen an die Versammlung und ihrer strikten Durchsetzung Rechtsrockkonzerten ihre Attraktivität zu nehmen. Das tun wir.“ Mehrere Tausend Polizisten aus verschiedenen Bundesländern werden erwartet, darunter eine Reiterstaffel und Szenekenner, die auf indizierte Lieder hinweisen.

Max Reschke hofft, dass der Protest dazu führt, „dass sich die Neonazis nicht wohlfühlen und nicht wiederkommen“. Er rechnet mit 300 bis 850 Gegendemonstranten im Ort. Ein Erfolg aber wäre es für ihn schon, wenn in dieser kleinen Versammlung der Demokraten ein Gemeinschaftsgefühl wächst.

Von Jan Sternberg/RND

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