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Deutschland / Welt Vergeltungszölle auf US-Produkte: Kein Grund für Hamsterkäufe
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13:42 22.06.2018
Die EU reagiert auf die Strafzölle der USA mit Vergeltungszöllen auf unter anderem Erdnussbutter, Jeans, Motorräder und Whiskey. Quelle: dpa
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Brüssel

Die von der Europäischen Union angekündigten Vergeltungszölle auf US-Waren sind am Freitag in Kraft getreten. Betroffen sind Produkte im Wert von 3,4 Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro), unter anderem Whiskey, Motorräder, Erdnüsse und Cranberrys.

Die Verbraucher in Deutschland müssten dadurch früher oder später mit Preissteigerungen rechnen. Davon geht die Außenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels (AVE) aus. „Im Lebensmittelbereich könnten höhere Preise schon bald spürbar sein, weil hier die Margen besonders gering sind. Bei der Mode wegen der langfristig vereinbarten Kollektionen etwas später“, sagte AVE-Präsident Matthias Händle der Deutschen Presse-Agentur. Doch Anlass zu Hamsterkäufen besteht nicht, wie eine Umfrage unter Branchenverbänden ergab.

Vergeltungszölle sind politisches Signal

Beispiel Jeans: „Die meisten Jeans kommen gar nicht aus den USA“, betont Thomas Rasch vom Modeverband Deutschland Germanfasion. Auch wenn die Hosen Namen wie Levi’s oder Wrangler trügen, produziert würden sie meist „in der Türkei oder sonst wo“.

Die Vergeltungszölle seien ein politisches Signal, werden aber keine spürbaren Auswirkungen auf den deutschen Textilmarkt haben, ist der Branchenkenner überzeugt. Wenn überhaupt, dann treffe es einzelne besonders hippe Teile aus den Kollektionen von US-Designern, aber bei denen spiele der Preis ohnehin nur eine untergeordnete Rolle.

Fakt ist: Von den gesamten deutschen Textilimporten in Höhe von 32,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr kamen gerade einmal Waren im Wert von 67 Millionen Euro (0,2 Prozent) aus den USA. Damit schafften es die Vereinigten Staaten nicht einmal unter die Top 25 der Textillieferanten für die deutschen Kleiderschränke.

Lebensmittelimporteure werden andere Lieferanten suchen

Etwas anders ist die Situation bei Agrarprodukten wie Reis, Mais oder Orangensaft. Bei Mais etwa sind die USA immerhin der drittgrößte Lieferant für die EU, wie Wienke von Schenck von der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) betont. Doch auch hier kommt ein wesentlich größerer Teil der Ware aus der Ukraine und aus Brasilien. Bei Reis sind China, Indien und Indonesien wichtige Lieferanten, bei Orangensaft Brasilien und China.

„Importeure werden versuchen, wo möglich auf Lieferanten aus anderen Ländern auszuweichen“, prognostiziert AVE-Präsident Händle deshalb. Doch auch wenn dies in einigen Fällen nicht gelingt, dürften die Auswirkungen für die deutschen Verbraucher häufig nicht so gravierend sein, wie es der 25-prozentige Strafzoll vermuten lässt. „Bei vielen Produkten werden sich die Strafzölle nicht eins zu eins in den Verbraucherpreisen widerspiegeln“, betont Christian Böttcher vom Handelsverband Lebensmittel.

Denn die Produkte würden häufig noch veredelt, bevor sie in den Handel gelangten. Der aus den USA importierte Mais wird laut AMI ganz überwiegend als Tierfutter verwendet und landet deshalb später eher in Form von Rindersteaks auf dem Tisch. Außerdem wird Mais häufig zu Tortillas, Chips oder Corn Flakes weiterverarbeitet. Die Kosten für den Mais inklusive Zusatzzoll seien dann nur noch ein Teil der gesamten Herstellungskosten - und nicht unbedingt der wichtigste.

Wettbewerb verhindert extreme Preissprünge

Nach Einschätzung des AVE-Präsidenten haben die Verbraucher ohnehin noch eine Atempause, bis die Preissteigerungen bei ihnen ankommen. „Es ist unwahrscheinlich, dass wir sofort höhere Preise sehen werden“, meint Händle. Zum einen liege noch einiges an Ware bereits verzollt in den Lagern. Zum anderen verhindere der harte Wettbewerb im deutschen Handel, dass höhere Importkosten eins zu eins an die Verbraucher weitergereicht würden.

Die großen deutschen Supermarktketten und Discounter hielten sich zunächst mit Prognosen über die künftige Preisentwicklung zurück. „Ob, wann und in welchem Umfang sich die Strafzölle auf ausgewählte US-Produkte preislich auswirken werden, kann derzeit noch nicht vorhergesagt werden“, hieß es bei Rewe. Edeka wollte sich „aus Wettbewerbsgründen“ nicht äußern. Auch Aldi Süd schwieg lieber.

Schmerzhaft spürbar könnten die Zölle aber durchaus für eingefleischte Liebhaber typisch amerikanischer Spezialitäten wie Bourbon Whiskey oder Harley Davidson Motorräder werden. Harley Davidson kündigte bereits an: „Wir untersuchen zurzeit die möglichen Auswirkungen auf unsere Kunden und unser Geschäft.“

Auch Mexiko, Kanada und China von US-Zöllen betroffen

Mit ihren Zöllen reagiert die Europäische Union auf die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte. Bei Importen in die USA werden seit Anfang Juli Zölle in Höhe von 25 Prozent bei Stahl und 10 Prozent bei Aluminium aus Europa fällig. Auch Mexiko und Kanada fallen unter die neuen Abgaben. Sie alle halten die Zölle für nicht vereinbar mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO.

Wegen der Einführung von Strafzöllen stehen die USA derzeit auch mit anderen Ländern im Handelsstreit. Am vergangenen Freitag hatte Trump zusätzliche Strafzölle von 25 Prozent auf 1102 Produkte aus China im Wert von 50 Milliarden US-Dollar (42,7 Mrd Euro) verhängt. Peking brachte daraufhin Vergeltungszölle auf US-Waren im Wert von ebenfalls 50 Milliarden Dollar auf den Weg. Auch Russland kündigte Zusatzzölle auf ausgewählte Importe aus den USA an.

Von RND/dpa

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