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Deutschland / Welt Donald Trump legt sich mit dem Silicon Valley an
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Donald Trump legt sich mit dem Silicon Valley an
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14:53 20.04.2017
Neues Dekret: Donald Trump präsentiert seine Anordnung, mit der die Visa-Vergabe erschwert werden soll. Quelle: dpa
Washington

Donald Trump geht in eine direkte Konfrontation mit der kalifornischen Hightech-Industrie: Per Dekret fordert der US-Präsident eine Einschränkung der Arbeitsvisa für hochqualifizierte junge Fachkräfte. Bei der Jobbesetzung sollten künftig wieder junge amerikanische Wissenschaftler Vorrang haben.

Dass Silicon Valley mit seinen Computerexperten aus aller Welt gleicht bisher einer Art Zukunftslabor. Technologiefirmen wie Apple, Google und Facebook setzen auf die unkomplizierte Zusammenarbeit von hochtalentierten Kräften – ganz gleich, welche Staatsbürgerschaft die Arbeitnehmer besitzen. Zu Hilfe kommt den Internetfirmen dabei zumeist das H-1B-Programm, mit dem pro Jahr etwa 85 000 Ausländer eine Arbeitsgenehmigung in den USA erhalten. Die Firmen müssen allerdings zuvor versuchen, den Arbeitsplatz mit einem einheimischen und gleich qualifizierten Bewerber zu besetzen.

„Buy American, Hire American“

Das neue Dekret folgt dem Wahlkampfslogan „Buy American, Hire American“ („Kauft amerikanisch, stellt amerikanisch ein“), bleibt im Detail allerdings äußerst vage. Die Bundesbehörden werden zur strikten Einhaltung der Verordnungen angehalten, zumal es jährlich bis zu 800 000 Bewerbungen gibt und die Visa-Vergabe einer Lotterie gleichkommt. Allein in den ersten fünf Tagen dieses Jahres wurden knapp 200 000 Anträge gestellt – größtenteils aus Indien.

Dem Chef des Weißen Hauses dürften die Details des Programms bestens bekannt sein, zumal seine Ehefrau Melania in den Neunzigerjahren mit einem H-1B-Visa in die USA einreiste.

Handelskammer ist empört

Auch wenn die konkreten Auswirkungen der neuen präsidialen Verordnung zunächst unklar bleiben, wächst die Unruhe in der Hightech-Branche. Empört zeigte sich die US-Handelskammer: „Wir sollten nicht an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen“, sagte ein Sprecher des Lobbyverbandes. Die ausländischen Fachkräfte würden einen enormen Beitrag zur amerikanischen Wirtschaft leisten. Der Erfahrungsaustausch unter jungen hochqualifizierten Kräften sei das Erfolgsgeheimnis des Silicon Valley mit seiner Zukunftsindustrie.

Kritik hagelt es auch aus der Politik. So hält die langjährige Abgeordnete Zoe Lofgren, zu deren Wahlkreis das Silicon Valley zählt, die gesamte Stoßrichtung des Dekrets für falsch: „Die Hälfte der Start-up-Unternehmen wurde von Experten aus anderen Ländern gegründet. Dem Weißen Haus ist die Situation in Kalifornien offenbar ziemlich fremd.“ Gerade die kleinsten Unternehmen seien auf das H-1B-Programm angewiesen.

Schlecht bezahlte Fachkräfte

Laut Arbeitsministerium gibt es bei den Visa jedoch auch einige Auffälligkeiten: Etwa 40 Prozent der Fachkräfte, die mit dem H-1B-Programm einreisen, würden nur den Mindestlohn erhalten. Auch handele es sich bei vielen Bewerbern nicht um Hochqualifizierte, sondern um Hochschulabsolventen mit eher durchschnittlichen Noten und nur geringen Berufserfahrungen.

Kritik an Trump kommt auch aus Deutschland: „Die amerikanische Wirtschaft braucht Fachkräfte und Produkte aus dem Ausland, auch aus Deutschland“, sagte Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) dem RedaktionsNetzwerk Deutschalnd (RND). „Und deutsche Unternehmen, die zu den größten ausländischen Arbeitgebern in den USA gehören, brauchen hochqualifizierte Fachkräfte.“

Deutsche Wirtschaft besorgt

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erklärte, von einer stärkeren Begrenzung von Fachkräfte-Visa wären deutsche Unternehmen unmittelbar betroffen. „Die Zusammenarbeit der Mitarbeiter der Standorte in unterschiedlichen Ländern und Kontinenten ist für die Betriebe unerlässlich“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Ohne entsprechendes Visum könnten keine Ausbilder in die USA geschickt werden. Auch die Schulung des Bedienungspersonals oder Wartungs- und Reparaturdienste würden erschwert.

Von Stefan Koch und Andreas Niesmann

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