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Deutschland / Welt Diplomatie statt Schulhofprügelei
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Diplomatie statt Schulhofprügelei
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22:20 01.09.2017
Seit 200 Tagen in türkischer Haft: der Türkei-Korrespondent der „Welt“, Deniz Yücel. Quelle: dpa
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Berlin

Was für ein Hohn. Während des 200. Tags gedacht wurde, den der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel nun schon in der Türkei ohne Anklage im Gefängnis verbracht hat, übermittelte das Auswärtige Amt die nächste, man kann es leider nicht anders sagen, Horrornachricht vom Bosporus. Zwei Deutsche wurden am Flughafen von Antalya festgenommen. Ohne Grund, ohne Haftbefehl. Es ist die nächste Stufe juristischer Willkür, eine diplomatische Provokation, es sind vor allem menschliche Schicksale. Ein weiterer Tag, der wütend macht.

Dieses Mal könnte es Bürger getroffen haben, die weder in Nichtregierungsorganisationen noch in kritischen Medien arbeiten. Deutsche Bürger, mit türkischem Hintergrund, gelandet in der Touristenstadt Antalya am Mittelmeer. Es kann jeden treffen, das ist die Nachricht dieses Tages. Aber was ist die Konsequenz?

Im Wahlkampfmodus

Die Bundesregierung verfolgt seit Wochen gegenüber der Türkei eine harte Linie, in der sich gerade Außenminister Sigmar Gabriel und die türkische Seite mit Steigerungen der gegenseitigen Missbilligung von Tag zu Tag überbieten. Stunden nach den Vorfällen begannen in Berlin die Debatten um eine weitere Verschärfung der Reiserichtlinien in die Türkei. Es sind Vorschläge, die gut durchdacht werden müssen. Denn es geht um die Sicherheit deutscher Bundesbürger auf Auslandsreisen. Aber vorgetragen werden sie in diesen Wochen im Wahlkampfmodus.

Es ist ein Modus, der dem Auswärtigen Amt nicht guttut. Beide Seiten gönnen sich mittlerweile nichts mehr. Es erinnert gelegentlich an eine Schulhofprügelei. Der eine provoziert, der andere brüllt, dann wird gespuckt, schließlich fliegen die Fäuste.

Von plumpen Angriffen profitiert Erdogan nur

Den Konflikt mit der Türkei wird dies kaum lösen. Das Drohpotenzial von deutscher Seite sinkt, die Touristen haben sich längst neue Ziele gesucht. Von plumpen Angriffen profitiert Erdogan sogar. Es stärkt ihn innenpolitisch in einer Situation, in der er bei Weitem nicht mehr so unangefochten das Land führt, wie es erscheint. Neue politische Gruppen erhalten Zulauf, die seine Macht langfristig infrage stellen können. Angriffe mitten aus dem deutschen Bundestagswahlkampf schließen die Reihen um den Präsidenten.

Die Verhaftungen in der Türkei sind unerträglich. Wenn es die Sicherheit der Reisenden erfordert, müssen die Richtlinien verschärft werden. Staatlicher Willkür darf niemals nachgegeben werden. Aber Diplomatie unterscheidet sich von einer Schulhofprügelei, weil sie ohne falschen Stolz und Kraftmeierei auskommt. Wer den Konflikt mit Erdogan lösen will, muss zeitgleich eine Brücke bauen – auch wenn es Überwindung kostet. Eine sich immer schneller drehende Eskalationsspirale führt nur zu blutigen Nasen. Auf beiden Seiten.

Von Gordon Repinski/RND

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