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Deutschland / Welt Die im Dunkeln sieht man nicht
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11:55 19.04.2018
Der Skandal liegt im Verborgenen: in den Armenvierteln Südostasiens, im Rotlicht europäischer Bordelle. Hier nehmen Bundespolizisten in Rastatt mutmaßliche Prostituierte in Gewahrsam, die nach Deutschland gelockt worden waren. Quelle: dpa
Berlin

Menschenhandel? Im öffentlichen Bewusstsein der Deutschen kommt so etwas nicht vor.

Über Mord, Totschlag, auch Betrügereien aller Art wird unablässig diskutiert. Diese Verbrechen mobilisieren die Medien, sie sind offenkundig, und sie berühren das Sicherheitsgefühl des Bürgers. Bei Menschenhandel dagegen liegt der Skandal im Verborgenen in den Armenvierteln Südostasiens etwa, im Rotlicht europäischer Bordelle oder auch in der völligen Dunkelheit des Straßenstrichs.

Schamlose Misshandlung der Betroffenen

Viel zu lange wurde das massenhafte Missverständnis von einem zwar zweifelhaften, aber letztlich doch wohl freiwilligen Treiben am Rande der Gesellschaft gepflegt. Viel zu lange sahen deutsche Sicherheitsbehörden der ebenso systematischen wie schamlosen Misshandlung der Betroffenen durch weltweit aktive Syndikate tatenlos zu. Bei näherem Hinsehen zeigt sich: Es ist eine moderne Form der Sklaverei, die da täglich praktiziert wird.

Mit der größten Razzia ihrer Geschichte ging die Bundespolizei jetzt gegen ein Bordell-Netzwerk vor, das bevorzugt Transsexuelle unter Vorspiegelung astronomischer Verdienstmöglichkeiten und mit erschlichenen Touristen-Visa aus Thailand nach Deutschland lockte. Thailand, dieses strahlend schöne Urlaubsland, fungiert in seinem schlecht ausgeleuchteten Untergrund als globale Drehscheibe für internationale Menschenhändlerringe.

Schleuserbanden machen Milliarden-Umsätze

Die Vereinten Nationen beziffern den jährlichen Umsatz von Schleuserbanden in Asien mittlerweile auf Milliardenbeträge. 70 Prozent der Opfer sind Frauen und Mädchen. Die Banden nutzen völlig legal die Möglichkeit von Schengen-Visa, um ihre Opfer im Rhythmus einer 90-tägigen Aufenthaltsgenehmigung immer wieder ins Martyrium zu schicken.

Doch diese Auswüchse bilden nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite zeigt sich eine deutsche Gesellschaft, die Menschenhandel de facto zulässt – und durch ihr Schweigen schützt. Da gibt es Bordellbetreiber, die sich mit der Ausrede aus der Verantwortung stehlen, sie hätten ja, rechtlich gesehen, nie etwas anderes getan, als „Zimmer zu vermieten“.

Beitrag zum weltweiten Sklavenhandel

Und da gibt es deutsche Freier, die gezielt solche Bordelle besuchen, wo ihnen zu Spottpreisen junge Frauen aus fernen Erdteilen zu Diensten sind. Sie sollten sich nicht zurückziehen auf eine Geste achselzuckender Ahnungslosigkeit. Sie müssen wissen, dass sie auf diese Weise selber beitragen zum weltweiten Sklavenhandel.

Vor zwei Jahren beschloss die EU-Kommission, beim Thema Menschenhandel nicht mehr wegzusehen. Die Razzia in Deutschland kann vor diesem Hintergrund nur der Anfang gewesen sein.

Von Jörg Köpke/RND

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