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Deutschland / Welt „Die Mitte muss in Chemnitz sichtbarer werden“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Die Mitte muss in Chemnitz sichtbarer werden“
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18:59 05.09.2018
Christoph Dittrich. Quelle: Dieter Wuschanski
Chemnitz

Herr Dittrich, am Freitag demonstrieren mit „Pro Chemnitz“ voraussichtlich auch wieder Hooligans und Rechtsextreme am Karl-Marx-Kopf – und Sie spielen Beethovens Neunte auf dem Theaterplatz. Ist das mehr als ein hilfloses Zeichen?

Es ist ein positives Angebot für Gemeinsamkeit und gegen Hass. Wer an diesem Tag das Bedürfnis verspürt, die Geschehnisse in Chemnitz zu reflektieren, soll zu uns kommen – und sich nicht missbrauchen lassen für eine rechtsradikale Agenda. Wir werden keine Reden halten, nur die vielen angereisten Chöre und Künstler begrüßen. Ansonsten soll die Kunst sprechen. Nicht nur das Orchester und die Chöre, sondern auch die Schauspieler und das Puppentheater werden auf die Bühne kommen.

Was hat die Kunst zu sagen zu der Aufregung und dem Hass?

Die Kunst ist per se ein Appell an den Humanismus. Sie spricht das Herz an und argumentiert nicht mit Statistiken, sie nimmt alle in den Diskurs auf, egal woher sie kommen und wie sie aussehen.

Es ist das erste Angebot aus dem bildungsbürgerlichen Spektrum in Chemnitz…

… das stimmt so nicht. Wir waren am Samstag und am Sonntag mit unseren Musikern, Schauspielern und der Musikschule auf den Kundgebungen vertreten. Dennoch: Die Mitte muss sichtbarer werden. Sie ist kein Durchschnitt, sie ist eine Werte-Elite, die unbedingt präsenter sein muss, als sie es bisher ist.

Warum ist es gerade in Chemnitz so schwierig, die Bürger gegen Hass auf die Straße zu bekommen?

Man erkennt diese Mitte in Chemnitz schwerer als an anderen Orten. Es gibt keine Tradition, sich derart öffentlich zu positionieren. Die Menschen hier haben hart gearbeitet, viel geleistet in den letzten 30 Jahren. Sie hatten mit Strukturwandel und extremer Abwanderung zu kämpfen. 60.000 Menschen, darunter viele sehr gute ausgebildete, haben die Stadt verlassen.

Chemnitz will 2025 Europäische Kulturhauptstadt werden. Geht das jetzt noch? Oder: Ist das gerade jetzt nötig?

Die Gremien haben bereits wieder getagt, wir stehen fest hinter der Bewerbung, niemand hat auch nur eine Sekunde überlegt, ob wir zurückziehen sollten. Unsere Bewerbung hat ohnehin die Brüche und Aufbrüche zum Thema. Hier hat sich ein weiterer dieser Brüche gezeigt: Wir müssen ergründen, wo diese Ängste und Sorgen ihre Quellen haben. Ich glaube, es sind ganz unterschiedliche Quellen. Und das ist kein Thema, das nur in Chemnitz und Sachsen virulent ist. Das ist ein wichtiges Thema für eine Europäische Kulturhauptstadt.

Wie viele Menschen erwarten Sie am Freitag?

Wir haben 4500 Stühle auf dem Theaterplatz aufgestellt. Und wir kriegen noch weit mehr Menschen unter. Ich gehe davon aus, dass es voll werden wird.

Von Jan Sternberg

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