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Deutschland / Welt Der Mann, der Trump stürzen könnte
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08:00 01.11.2017
Erfahrener Ermittler: Zwölf Jahre lang stand Robert Mueller an der Spitze des FBI – jetzt soll der 73-Jährige die Russland-Affäre aufklären. Quelle: AP
Washington

Mittwoch sollte ein großer Tag für Donald Trump werden. Der Kongress will sich erstmals die Details der geplanten Steuerreform näher anschauen, die in Republikanerkreisen bereits als historisch gefeiert wird. Doch so recht mag sich niemand für die milliardenschweren Entlastungen für Unternehmen begeistern. Die Gespräche in Washington drehen sich nur um eine Frage: Wer ist der nächste, den Robert Mueller ins Visier nimmt?

Erstmals hat der Sonderermittler in der Russland-Affäre am Montag Anklagen erhoben und zwei Vertraute der Regierung unter Hausarrest gestellt. Die Vorwürfe lesen sich stellenweise wie ein Krimi. Es geht um Millionensummen, Geldwäsche und um die Frage, wie weit die schmutzigen Absprachen reichen. Mueller hat einen Stein angeschoben, der auf das Weiße Haus zurollt.

Der US-Sender CNN spricht längst vom mächtigsten Mann in Washington. Der Polizist gegen den Präsidenten. Gebannt verfolgen viele Amerikaner die nächste Runde in einem Ringen, das über die Zukunft des Landes entscheiden könnte.

Die Ouvertüre eines größeren Werks

Robert Mueller gilt als unbestechlich – und das macht ihn aus Sicht seiner Gegner sehr gefährlich. Das politische Erdbeben, das der 73-Jährige mit seinen Anklagen am Montag auslöste, verunsichert Politiker, Berater und Lobbyisten in Washington gleichermaßen. Es gilt als ausgemachte Sache, dass die spektakulären Vorladungen von Trumps Ex-Wahlkampfchef Paul Manafort und seines Geschäftspartners Richard Gates nur die Ouvertüre in einem größeren Werk sind.

Alle Beteiligten ahnen, dass im Hintergrund ein Profi die Fäden zieht. Seine Botschaft lautet: Wir bluffen nicht, wir gehen der Sache auf den Grund.

Tatsächlich versteht der Sonderermittler sein Geschäft. Über zwölf Jahre stand er der Bundespolizei FBI vor, die seit jeher für ihre Nachforschungen im Verborgenen bekannt ist. Nun ist es seine Aufgabe, die Verbindungen des republikanischen Wahlkampfteams nach Russland offenzulegen, und die Frage zu klären, ob Donald Trump versucht hat, die Justiz zu behindern.

So mancher Beobachter fragt sich mittlerweile, ob die Auseinandersetzung der beiden fast gleichaltrigen Männer auch ins Persönliche geht: Mueller war mit seinem Nachfolger beim FBI, James Comey, privat eng befreundet. Dass Trump Comey im Mai rauswarf, sorgte nicht nur bei Comey selbst für Entsetzen. Die Gegensätze zwischen dem Präsidenten und dem Ermittler reichen bis tief in die Biografien: Für Mueller soll es als junger Mann selbstverständlich gewesen zu sein, sich zum Kriegseinsatz in Vietnam in melden. Als Offizier im Marinekorps lernte er die Schrecken der Schlachtfelder unmittelbar kennen und wurde gleich mehrfach mit Tapferkeitsorden ausgezeichnet. Von Donald Trump wiederum ist bekannt, dass er unter bis heute geheimnisvollen Umständen nicht zum Kriegsdienst eingezogen wurde, obwohl er durchaus sportlich war.

Niemand wusste, wo Papadopoulos war

Fest steht: Mueller bringt seinen obersten Dienstherrn schon jetzt massiv in Bedrängnis. Am gefährlichesten dürfte für Trump dabei nicht mal die spektakuläre Anklage zweier hochkarätiger Politikberater werden, sondern vor allem Muellers intensive Beschäftigung mit einem nachgeordneten, scheinbar unbedeutenden Berater Trumps. Über drei Monate hinweg nahmen die Fahnder den Politikwissenschaftler George Papadopoulos in die Mangel, um Interna aus der Wahlkampfmannschaft des Präsidenten zu erfahren. Drei Monate, in denen niemand im Weißen Haus auch nur den Hauch einer Ahnung hatte, wo Papadopoulos eigentlich abgeblieben war. Sie wussten nicht, dass er am 27. Juli am Flughafen Washington-Dulles in aller Stille abgeführt wurde, als er gerade mit einer Maschine aus Deutschland zurückkehrte.

Der ehrgeizige junge Mann mit griechischen Wurzeln zählte im Wahlkampf nicht zu den Hauptakteuren. Nur einmal, am 31. März 2016, saß er mit Trump und dem späteren Justizminister Jeff Sessions gemeinsam am Tisch. Papadopoulos schmückte sich mit vermeintlich besten Kontakten in den Kreml und behauptete etwas großspurig, an der Nichte von Wladimir Putin „dran zu sein“. Mehrfach warb er für ein persönliches Treffen zwischen Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin.

Brisante Ermunterungen aus dem Trump Tower

Manafort, der damals die Trump-Kampagne steuerte, hielt offenbar nicht allzu große Stücke auf den Aufschneider, ließ ihn aber gewähren. Mehr noch: Als in den US-Medien bereits über eine unmoralische Allianz zwischen dem Trump-Team und dem Kreml spekuliert wurde, die zu allerlei Tricks bereit wäre, um die Mitbewerberin Hillary Clinton aus dem Rennen zu werfen, wurde Papadopoulos in seinen Russland-Aktivitäten sogar noch bestärkt. „Reisen Sie doch mal nach Moskau und versuchen Sie, etwas herauszufinden“, soll Manafort ihm beiläufig zugerufen haben.

Für den FBI-Sonderermittler Mueller und für einen großen Teil des Washingtoner Politikbetriebs kommt es letztlich gar nicht darauf an, mit wem sich der übereifrige Trump-Fan bei seinen Nachforschungen so alles traf, zumal er offenbar nichts Verwertbares vorlegen konnte. Brisant sind allein die Ermunterungen aus dem New Yorker Trump Tower, sich mit ausländischen Mittelsmännern zu treffen, um Einfluss auf die amerikanische Präsidentschaftswahl zu nehmen. Oder, wie es Chuck Schumer, Fraktionschef der Demokraten im Senat, ausdrückt: „Jeder, der mit Papadopoulos in den vergangenen zwei Jahren zu tun hatte, erlebt jetzt unruhige Nächte.“ Und dann setzte Schumer bei seiner gestrigen Rede im Senat hinzu: „Es bestanden Kontakte zwischen dem Wahlkampfteam und kremlnahen Kreisen. Das sind keine ‚Fake News’. Niemand steht über dem Gesetz.“ Schumers Hinweis kommt nicht von ungefähr: Sich im Wahlkampf durch eine ausländische Macht helfen zu lassen, ist in Amerika streng verboten.

Mit Vehemenz wehrt das Weiße Haus daher alle Mutmaßungen ab, Trump sei im Wahlkampf auf die schiefe Bahn geraten. Manaforts Russland-Kontakte würden lange Zeit zurückliegen – und mit dem jungen Papadopoulos habe Trump ohnehin kaum etwas zu tun gehabt. Auf Twitter nannte der Präsident den früheren Berater abschätzig einen „jungen freiwilligen Helfer von niedrigem Rang“, der sich bereits als Lügner erwiesen habe.

Den Trump-Getreuen droht eine lange Haftstrafe

Noch ist vieles im Fluss. Bei der Anklage gegen Manafort und Gates geht es vorläufig um den Verdacht auf spektakuläre Verbrechen. Den beiden Trump-Vertrauten wirft das FBI vor, unangemeldet als ausländische Agenten gearbeitet, die Herkunft von 18 Millionen Dollar gezielt verschleiert und insgesamt 75 Millionen Dollar nicht versteuert zu haben. Alles Verbrechen, die mit langjähriger Gefängnishaft bestraft werden können. Der Name Trump wird in der Anklageschrift allerdings nicht erwähnt.

Viele in Washington sind jedoch noch von ganz anderen Erkenntnissen elektrisiert: Erstmals ist öffentlich nachzulesen, wie eng Manafort mit dem damaligen ukrainischen Präsidenten und Putin-Gefolgsmann Viktor Janukowitsch verbandelt war und wie schamlos ein internationales Firmennetzwerk aufgebaut wurde, um die Spuren seiner umstrittenen Werbetätigkeit zu verwischen. Ganz zu schweigen von den enormen Summen, die der PR-Mann Manafort in einem der ärmsten Länder Europas kassierte, um ein schwankendes Regime in ein besseres Licht zu rücken.

Wer sich im Rückblick die Auftritte von Trump im Frühjahr 2016 anschaut, in denen er von einem Neustart der Beziehungen zu Russland spricht, ahnt, wer ihm in diesem Moment als Einflüsterer diente.

Trumps Nervosität wächst

Tatsächlich war der Gedankenaustausch zwischen Manafort und Trump enger, als es der Chef des Weißen Hauses eingesteht. Auch nach dessen Ausscheiden als Kampagnenchef im Sommer 2016 telefonierten sie regelmäßig. Manaforts Geschäftspartner Gates war sogar in die Vorbereitung der Amtseinführung am 20. Januar eingebunden. Ohnehin blieb Gates auch in der beginnenden Amtszeit ein gern gesehener Gast in der Regierungszentrale. Auch hier stellt sich für die Ermittler die Frage: Gab es bei dieser Gelegenheit Versuche, Kontakte zum Kreml herzustellen? Und zu welchem Zeitpunkt war Manafort und Gates bekannt, dass sich russische Computerhacker in den amerikanischen Wahlkampf einmischten?

An Trumps Twitter-Tiraden lässt sich ablesen, wie seine Nervosität wächst. Der Präsident empört sich, dass sich die amerikanischen Medien auf den Wirbel um Manafort konzentrieren, anstatt seinen Verdächtigungen gegen seine damalige Mitbewerberin Hillary Clinton nachzugehen. Dass seine Ablenkungsmanöver verfangen, ist angesichts der Vorwürfe, die das FBI veröffentlicht, jedoch unwahrscheinlich: Manafort soll mit diversen Konten auf Zypern, St. Vincent und den Seychellen gearbeitet haben, um seine Millionen zu verstecken. Noch plädiert der Angeklagte auf nicht schuldig. Beobachter halten es für möglich, dass er angesichts der drohenden hohen Gefängnisstrafe zum Kronzeugen wird.

Wie die „Washington Post“ berichtet, soll mittlerweile Stabschef John Kelly eingeschritten sein, um Trumps Twitter-Flut zu beenden: Der frühere General konnte seinen Chef offenbar davon überzeugen, sein Mobiltelefon zumindest kurzzeitig aus der Hand zu legen, um nicht versehentlich eine unbedachte Äußerung abzusetzen.

Die Demokraten triumphieren bereits

Die entscheidenden Fragen betreffen wiederum Trumps frühere Rivalin: Gab es im Trump-Team weitere Versuche, über die russischen Konktakte an belastendes Material über Hillary Clinton zu gelangen? Erhielten Trump und sein Team frühzeitig Hinweise darauf, dass der Kreml Schützenhilfe leistete, indem er über die sozialen Medien Lügengeschichten verbreiten ließ, die Trumps Thesen unterstützten?

Die Opposition frohlockt bereits. Der demokratische Fraktionschef Chuck Schumer bescheinigte dem FBI-Sonderermittler gestern, eine gute Arbeit zu leisten. Und im gleichen Atemzug schickt Schumer eine Warnung an die Regierungsspitze: „Der Präsident darf die Ermittlungen in diesen schwierigen Momenten nicht beeinflussen.“ Und auf keinen Fall solle er auf die Idee kommen, Mueller vorzeitig zu entlassen.

Von Stefan Koch

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