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Deutschland / Welt CSU in der Krise: Aufstand im etwas anderen Bayern
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22:37 22.07.2018
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich für seine „härteren Worte“ entschuldigt Quelle: dpa
München

Prutting hat vergangene Woche Gaufest gefeiert. 8000 Trachtler im Dirndl und mit Gamsbart sind durchs Dorf gezogen, Blaskapellen haben aufgespielt, der Veteranenverein hat Fahnen geschwenkt, der CSU-Bürgermeister den CSU-Ministerpräsidenten als Ehrengast begrüßt.

So sind sie, die Bayern. Gestrig. Folkloristisch, fast bis an den Rand des Völkischen. Am liebsten unter sich. Denkt der Rest der Republik und meint, alles verstanden zu haben.

Ministerpräsident Markus Söder hat auch gemeint, alles verstanden zu haben. Er ist eines Besseren belehrt worden. Nicht durch die Massenproteste am Sonntag in München. Sondern durch die CSU-Anhänger in Bayerns stimmstärkstem Regierungsbezirk, die ihn haben wissen lassen: So nicht. Wir mögen diese Kälte nicht.

Der Versuch, den Rechten den Rang abzulaufen

Noch beseelt von der Vollmundigkeit, mit der er die Republik aufgeschreckt hat, war Söder nach Prutting in den oberbayerischen Chiemgau gekommen. Flüchtlinge als „Asyltouristen“ mit „Asylgehalt“ beschimpfen, da gab er den Heimatverteidiger. Drei Monate vor der Landtagswahl hat Söder aus Angst vor der AfD versucht, den ganz Rechten den Rang abzulaufen. Damit die Asylkritiker bei der christsozialen Stange bleiben. Im Vertrauen darauf, dass die moderaten CSU-Wähler eh nicht wissen, wen sie sonst wählen sollen.

Er hat den Fehler gemacht, den so viele machen: Er hat die Bayern als eindimensionale Pappkameraden einsortiert.

Orte wie Prutting sind die CSU. Aber: Der Vorsitzende des Veteranenvereins heißt Nour El Din, der Bürgermeister ist schwerstbehindert und weiß um den Wert von Solidarität, die Kirche überm Dorfweiher ist sonntags voll, und den beiden Flüchtlingen, die auf einem nahen Wertstoffhof arbeiten, haben die Kollegen ein akzentfreies „Servus“ beigebracht.

Kirchenasyl statt Abschiebehaft

Konservativ und CSU-treu hin oder her – bei solchen Leuten kommt Verächtlichkeit gegenüber Schwachen nicht an. Sie sind das, was Horst Seehofer war, lange bevor er zum Scharfmacher vom Dienst wurde: „Herz-Jesu-Sozialisten“, Menschen, für die katholisch und sozial eins sind. Menschen wie der Bürgermeister von Neuenmarkt, der einen Afghanen lieber ins Kirchenasyl hat gehen lassen als in Abschiebehaft.

CSU-Wähler lassen sich in diesem Sommer trotz des hochgepeitschten Flüchtlingsthemas nicht zur AfD locken. Sie ziehen, zeigen die Umfragen, zu den Grünen, wenn die CSU sich radikalisiert. Wen also will man überzeugen?

Beim Parteitag der CSU Oberbayern hat Söder sich am Sonnabend entschuldigt für seine „härteren Worte“. Statt über Migration sprach er über Familiengeld und Wohnraum.

In Bayern ticken die Uhren anders, stöhnte einst Willy Brandt. Manchmal gehen sie nur vor. Gut möglich, dass der Rest der Republik es bald leid ist, wenn ein paar rechte Populisten den Parteien die Tonlage vorgeben. Und die Themen.

Von Susanne Iden

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