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Neues Integrationsprogramm

Bundesregierung wünscht sich mehr Lehrer mit Migrationshintergrund

Mehr Migranten sollen Lehrer werden: Die Bundesregierung wünscht sich Pädagogen mit Migrationshintergrund. Man wolle ein differenziertes Bild der Wirklichkeit zeichnen und differenzierte Vorschläge machen.
Dringend gesucht: Die Bundesregierung wünscht sich mehr Pädagogen mit Migrationshintergrund wie die Kölner Gesamtschullehrerin Hava Kolbasi.

Dringend gesucht: Die Bundesregierung wünscht sich mehr Pädagogen mit Migrationshintergrund wie die Kölner Gesamtschullehrerin Hava Kolbasi.

© dpa

Man verschleiere und vertusche nichts, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch bei der Vorstellung eines bundesweiten Integrationsprogrammes: „Wir präsentieren hier keine Erfolgsbilanz.“ Man wolle ein differenziertes Bild der Wirklichkeit zeichnen und differenzierte Vorschläge machen.

Zuvor hatte das Bundeskabinett das Programm zustimmend zur Kenntnis genommen. Die knapp 200 Seiten umfassende, vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erarbeitete Broschüre stellt Integrationsangebote von Bund, Ländern und Kommunen im Überblick dar, macht auf Überschneidungen aufmerksam und gibt Empfehlungen zur Weiterentwicklung.

So dringen die Autoren auf die stärkere Einbeziehung von Eltern und Lehrern mit Migrationshintergrund in die Schulen. Sie seien „Brückenköpfe und Leuchttürme“, die Migrantenkinder ermuntern könnten, den Weg beruflichen Erfolges einzuschlagen, sagte der Präsident des Bundesamtes, Albert Schmid.

Er verwies darauf, dass der schulische Erfolg vom kulturellen und sozialen Hintergrund abhänge, nicht jedoch von der Religionszugehörigkeit. Entscheidend sei die Wertschätzung für Bildung im Elternhaus. Muslimische Kinder von iranischen, irakischen und afghanischen Zuwanderern schnitten in der Schule sogar besser ab als deutsche Kinder, erläuterte er. Anders sei es bei Zuwanderern aus Ostanatolien. Kinder mit türkischem Pass besuchen zu 9,3 Prozent ein Gymnasium, bei den Deutschen sind es 28,7 Prozent. Die Quote der Schulabbrecher liegt bei ausländischen Kindern mit 15 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei deutschen mit 6,2 Prozent.

„Der ganz große Anteil von Migranten ist außerordentlich integrationswillig“, stellt der Innenminister fest. Doch es gebe jene Gruppe von „Integrationsunwilligen“ von zehn bis 15 Prozent, „die sich nicht beteiligen wollen, die innere Abschottung suchen, zum Teil auch den deutschen Staat ablehnen“. Im internationalen Vergleich sei dieses Verhältnis „nicht so schlecht“. De Maizière stützt sich auf eine repräsentative Studie über „Muslimisches Leben in Deutschland“, bezog aber auch Russlanddeutsche mit ein. „Die machen uns Probleme und fordern uns heraus.“ Wichtig sei es, auf Signale früh zu reagieren, nicht erst, wenn sich das Verhalten verfestigt habe. Der Minister sprach sich dafür aus, verstärkt von Sanktionen Gebrauch zu machen. Hartz-IV-Empfänger, die als integrationsbedürftig angesehen werden, können zu Integrationskursen verpflichtet werden. Wenn sie nicht teilnehmen, kann die Unterstützung gekürzt werden. Er sprach sich gegen eine allgemeine Kindergartenpflicht aus.

Seit 2005 haben 800.000 bis 900.000 Menschen an Integrationskursen teilgenommen. Die Zahl der Menschen mit unzureichenden Sprachkenntnissen sei etwa doppelt so groß, schätzt Schmid.

[Michael Grüter]

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