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Deutschland / Welt Ausflug aufs Land: Kanzlerin Merkel besucht Milchbauern
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Ausflug aufs Land: Kanzlerin Merkel besucht Milchbauern
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19:31 19.07.2018
Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht Kuhbauern in Schleswig-Holstein Quelle: dpa
Nienborstel

Absperrungen, Bodyguards, Security. Und das mitten auf dem Land. Der Besuch der Bundeskanzlerin wirbelte das Dorfleben im schleswig-holsteinischen Nienborstel an diesem Tag kräftig durcheinander. Unfallgefahren auf dem Hof sind beseitigt, die Fenster geputzt. Aber der perfekte Eindruck täuscht.

In den vergangenen sechs Jahren haben die Landwirte Ursula Trede (53) und ihr Mann Rolf (58) drei Krisen nur mit Ach und Krach überstanden, wie die „Kieler Nachrichten“ berichtet. Die Bundeskanzlerin folgte der Einladung der Milchbauern, um über die Probleme auf dem Hof zu sprechen.

Landwirtin Ursula Trede mit Kanzlerin Merkel in einem Stall Quelle: Getty Images

Innerhalb von zehn Monaten hatte das Ehepaar zuletzt 100.000 Euro Verlust erlitten. „Die Hälfte aller Milchviehbetriebe haben schon aufgegeben“, erzählte Ursula Trede der Kanzlerin. „Wir konnten nur überleben, weil wir zuvor nicht groß investiert hatten.“ Und: Weil Ursula Trede noch einen Job im Kieler Rathaus hat. Als Teilzeitkraft kümmert sie sich um die Finanzen und die Verwaltung des Stadtpräsidenten.

180.000 Euro für einen Melkroboter

Die Tredes bewirtschaften einen Traditionsbetrieb mit 140 Milchkühen. Gerade hat sich die Familie für 180.000 Euro einen Melkroboter angeschafft. Der älteste Sohn Steffen (25) steht als Nachfolger schon in den Startlöchern. Leicht ist es trotzdem nicht. „Wir haben Monate, da setzen wir jeden Tag 400 Euro zu“, schildert Hausherr Rolf Trede der Kanzlerin. „Es muss doch möglich sein, dass der Hof am Laufen gehalten wird, und man sich trotzdem ein wenig gönnen kann. Ich selbst hab‘ das 30 Jahre lang nicht getan.“

Die Familie Trede hat wie andere Kuhbauern mit Billigpreisen für Milchprodukte zu kämpfen Quelle: dpa

Mit ihrer Reise in den Norden löste die Kanzlerin übrigens ein Versprechen aus dem Wahlkampf ein. In der ARD-Sendung „Wahlarena“ war sie von Ursula Trede im Publikum gefragt worden, warum sie die Milchbetriebe sterben lasse, warum es kein Marktverantwortungsprogramm gebe. Spontan folgte eine Einladung in den Norden. Da Angela Merkel zu dem Zeitpunkt noch nichts von dem Programm gehört hatte, versprach die CDU-Politikerin vorbeizukommen.

Milch zu Schleuderpreisen

Bei Torte und Kaffee im Bauernhaus sagte Rolf Trede: „Ein Milchpreis von 40 Cent pro Kilogramm wäre dringend nötig.“ Es sei ein Unding, dass Bauern bei Überschuss die Milch zu Schleuderpreisen abgeben müssen. Zusammen mit dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) wünscht sich die Familie besagtes Marktverantwortungsprogramm. Dieses Konzept des BDM würde die Produktion der Milch bei Angebotsüberschuss regulieren.

Nach rund zwei Stunden trat die Bundeskanzlerin dann vor die Presse und bedankte sich bei den Gastgebern und zeigte sich beeindruckt von der Liebe zu den Tieren: „Wir müssen alle gemeinsam schaffen, dass die Bedingungen für mittlere Höfe besser werden. Vor allem solche Betriebe brauchen Nachhaltigkeit und Sicherheit.“ Sie ginge mit einer guten Erfahrung und einem Aufgabenpaket nach Hause. Vor allem mit Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner wolle sie in den nächsten Tagen reden.

Von Kristiane Backheuer/KN/RND

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