Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Deutschland / Welt Briefwahl steht vor neuem Rekord
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Briefwahl steht vor neuem Rekord
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:58 20.09.2017
Fast alle Bundesländer melden einen Anstieg der Nachfrage nach Briefwahl-Unterlagen. Quelle: dpa
Anzeige
Wiedbaden

Die Briefwahl wird immer beliebter. Der Trend ist mit Schwankungen schon seit 1957 zu beobachten, als die Briefwahl zugelassen wurde. Damals lag der Anteil der Briefwähler bei der Bundestagswahl noch bei 4,9 Prozent, 30 Jahre später bei 11,1 Prozent. 2009 machte dann schon gut jeder Fünfte (21,4 Prozent) sein Kreuz vorab per Brief. 2013 nutzte fast jeder Vierte diese Option (24,3 Prozent).

Fachleute und viele Kommunen gehen davon aus, dass es bei dieser Bundestagswahl noch mehr werden. Der Briefwähleranteil steuert auf einen Rekord zu: Fast alle Bundesländer melden einen Anstieg der Nachfrage nach Briefwahl-Unterlagen – zumindest in den größten Städten. Das ergab eine deutschlandweite Umfrage. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen melden viele Städte eine so hohe Nachfrage an Briefwahl-Unterlagen wie nie zuvor. Am stärksten zeigt sich der Trend in Aachen, wo nach Angaben der Kommune schon fast jeder Dritte sein Kreuz gemacht hat. Die genauen Zahlen stehen aber erst am 12. Oktober mit dem endgültigen Wahlergebnis fest.

Zu den Gründen sagte der Sprecher des Bundeswahlleiters, Klaus Pötzsch, die Menschen würden bequemer, flexibler und mobile. Manche wollten sich den Sonntag für Unternehmungen frei halten, andere müssten arbeiten. „Ende September sind viele auch noch im Urlaub.“

Der Wahlforscher Rüdiger Schmitt-Beck sieht in der Entwicklung vor allem „einen Ausdruck der Individualisierung der Gesellschaft“. Die Menschen wollten flexibel bleiben und sich nicht einschränken. Die Briefwahl verschaffe den Menschen einen Autonomie-Spielraum, sagt der Wissenschaftler von der Universität Mannheim. Der Anstieg bei dieser Bundestagswahl könne auch damit zu tun haben, dass die Parteien offensiv um Briefwähler geworben hätten.

Briefwähler leben eher in der Stadt

Auf ihren Webseiten erklärten die Parteien in den vergangenen Wochen detailliert das Prozedere für die Briefwahl. CDU und SPD zum Beispiel machten außerdem eigens Werbespots, um Menschen zur Wahl per Post zu animieren. Die CDU widmete dem Thema auch ein Plakatmotiv: Ein Rentner im Garten, von seinen indianer-spielenden Enkeln an einen Baum gefesselt. Dazu der Spruch: „Falls am Wahltag etwas dazwischenkommt.“

Briefwähler sind älter, leben eher in der Stadt als auf dem Land, und sie sind meist höher gebildet – so fasst Wahlforscher Schmitt-Beck eine Analyse der Bundestagswahl von 2013 zusammen. Einen deutlichen Unterschied gibt es auch zwischen Ost und West: In den alten Bundesländern wählten 2013 deutlich mehr Menschen per Brief als in den neuen. Pötzsch sagt: „Meistens wählen die per Briefwahl, die genau wissen, was sie wählen wollen.“

Die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl 2017 wird nach Einschätzung von Schmitt-Beck und dem Mainzer Wahlforscher Thorsten Faas voraussichtlich höher ausfallen als 2013. Dafür spreche nicht zuletzt, dass mehr Unterlagen zur Briefwahl ausgegeben wurden. „Wer sich schon die Mühe macht, die Unterlagen zu beantragen, wird in der Regel auch tatsächlich wählen“, sagt Faas. Schmitt-Beck meint: „Wer die Briefwahl-Unterlagen anfordert, zeigt schon mal, dass ihm die Wahl etwas bedeutet.“

Von dpa/RND

In Betrieben sorgt der Mindestlohn noch immer für Konflikte: Nun hat das höchste deutsche Arbeitsgericht klargestellt, was für Nachtzuschläge und Feiertagsvergütungen gilt. Das Urteil könnte Arbeitnehmer freuen, die Stundenlohn erhalten.

20.09.2017

Dieser Brief hat es in sich. Ein gefälschtes Anschreiben des Bundeswahlleiters eröffnet dem Empfänger, das Statistische Bundesamt habe die Wahlentscheidung schon errechnet. Zur Wahl müsse der Betreffende nicht mehr gehen. Ein Sprecher der Behörde kündigte juristische Schritte gegen die Urheber an.

20.09.2017

Die Friedensnobelpreisträgerin und faktische Regierungschefin von Myanmar, Aung San Suu Kyi, hat die Verbrechen an den Rohingya verurteilt – doch als Marionette des Militärs weckt sie mit ihrer Rede falsche Erwartungen, meint unser Korrespondent.

20.09.2017
Anzeige