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Deutschland / Welt Bombenpakete schocken USA – CNN kritisiert Trumps Attacken auf Medien
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Bombenpakete schocken USA – CNN kritisiert Trumps Attacken auf Medien
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07:47 25.10.2018
Polizisten vor dem abgeriegelten Time Warner Center in New York. Quelle: imago/ZUMA Press/Nancy Kaszerman
Washington

Der Fund von Paketbomben für prominente Kritiker von US-Präsident Donald Trump überschattet den aufgeheizten Wahlkampf im politisch zutiefst gespaltenen Amerika. Die Sendungen galten vor allem führenden Demokraten: Neben Expräsident Barack Obama, dessen früherer Außenministerin Hillary Clinton und deren Mann Bill waren weitere bekannte Politiker im Visier, doch wurden die Päckchen mit Rohrbomben abgefangen.

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo sah „terroristische Gangster“ am Werk. Der Chef des Senders CNN, bei dessen Zentrale in Manhattan auch eine Paketbombe einging, beklagte einen totalen Mangel an Verständnis für mögliche Folgen scharfer Verbalattacken auf Journalisten im Weißen Haus. Dem Weißen Haus gehe jegliches Verständnis dafür ab, wie schwerwiegend die Angriffe seien, twitterte Jeff Zucker am Mittwochabend. Trump und seine Regierungssprecherin Sarah Huckabee Sanders sollten begreifen, „dass Worte zählen“. Doch hätten sie bisher „keinerlei Einsicht“ gezeigt. Das Weiße Haus äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.

Bei CNN herrschte der Eindruck vor, dass die Regierung nur zögerlich darauf einging, dass auch der Nachrichtensender zu den Adressaten von Päckchen mit Rohrbomben gehörte, die an Demokraten verschickt wurden, jedoch rechtzeitig abgefangen wurden. Regierungssprecherin Sanders verurteilte in einem ersten Tweet „mutmaßliche gewalttätige Attacken, die jüngst gegen Expräsident Barack Obama, Hillary und Bill Clinton und andere Amtsträger verübt“ worden seien. CNN erwähnte sie zunächst mit, holte dies später in einem Folgetweet nach.

Für weiteren Unmut sorgte aber ein CNN-kritischer Spendenbrief, den Trumps Kampagne an Anhänger versandte – und zwar keine zwei Stunden nach der Evakuierung der New Yorker Senderzentrale. Der Leiter der Kampagne, Brad Parscale, entschuldige sich später dafür.

CNN gehört zu den beliebtesten Zielscheiben von Trumps Tiraden über „Fake News“ – Falschnachrichten. Erst auf einer Wahlkampfkundgebung des Präsidenten skandierten seine Anhänger die Parole „CNN sucks“ - „CNN ist scheiße“.

Secret Service: Keine Gefahr für Obama oder Clinton

Eine erste Paketbombe wurde am Montag an das New Yorker Anwesen von George Soros verschickt, einem liberalen Milliardär und Großspender für Belange der Demokraten. Eine weitere war für Ex-Justizminister Eric Holder bestimmt, doch landete die Sendung laut dem FBI im Büro der demokratischen Abgeordneten Debbie Wasserman Schultz, die früher Vorsitzende des Nationalkomitees der Demokraten war. Deren Adresse war als Absender sämtlicher Paketbomben angegeben.

Der Secret Service teilte mit, es habe keine Gefahr für Obama oder Clinton bestanden, da es Kontrollverfahren gebe. Clinton war nicht zu Hause in Chappaqua in Westchchester County im Staat New York, als die Bombe gefunden wurde. Ihr Mann, der frühere US-Präsident Bill Clinton, war zwar zu Hause, doch kam der Sprengsatz nie im Anwesen an, wie einer seiner Mitarbeiter betonte.

Eine Serie von explosiven Briefen hält die USA in Atem. In New York und Washington ermittelt die Polizei, das CNN-Büro im Time Warner Center wurde evakuiert.

Eine weitere Bombe wurde an Obamas Haus in Washington geschickt. Ein Bombenentschärfungsteam der Polizei entfernte eine weitere aus der Zentrale von CNN in New York, die an den Trump-kritischen Ex-CIA-Direktor John Brennan adressiert war. Das Gebäude wurde geräumt. Alle bestätigten Bomben seien offenbar auf die gleiche Person oder die gleichen Personen zurückzuführen, sagte der Leiter der Antiterroreinheit der New Yorker Polizei, John Miller.

Das FBI fing zudem zwei weitere verdächtige Paketsendungen an die demokratische Abgeordnete Maxine Waters ab. Das bestätigte die Behörde am Mittwochabend (Ortszeit) bei Twitter.

Polizeibeamter: Glasscherben in Rohrbomben

Ein Beamter der Sicherheitsbehörden mit Zugang zu den Röntgenbildern der Rohrbomben sagte, die Sprengsätze hätten Glasscherben und Pulver enthalten. Gebaut seien sie zudem mit rund 15 Zentimeter langem PVC-Rohr, das mit schwarzem Klebeband abgedeckt worden sei. Jede Bombe sei zudem mit einer kleinen Batterie ausgestattet gewesen, die an jene in Uhren erinnere. Ob das Pulver explosiv ist, teilte er nicht mit.

Im Weißen Haus verurteilte Trump die versuchten Bombenattentate auf Mitglieder der Demokraten, die oft von Erzkonservativen in den Reihen der Republikaner verbal angegangen werden. „Akte oder Androhungen der politischen Gewalt haben keinen Platz in den Vereinigten Staaten“, sagte er. „Dieses ungeheuerliche Verhalten ist abstoßend.“

Später mahnte Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Wisconsin zur Einheit, rügte aber zugleich die Medien. Diese hätten „eine Verantwortung, einen höflichen Ton anzuschlagen und die endlosen Feindseligkeiten und anhaltenden negativen und oft falschen Attacken und Geschichten zu stoppen“. Er werbe für eine neue Ebene des Anstands, doch müssten „jene in der politischen Arena“ aufhören, ihre „politischen Gegner als moralisch verkommen“ zu verunglimpfen. „Wir wollen, dass alle Seiten in Frieden und Harmonie zusammenkommen“, sagte er. „Lasst uns miteinander auskommen“. An einer Stelle seiner Rede wies der Präsident selbst auf seine ungewöhnlich gemäßigte Tonlage hin. „Übrigens, merkt ihr, wie nett ich mich heute Abend verhalte?“, fragte er. „Habt ihr das jemals erlebt?“

Trump selbst hat wiederholt politische Widersacher als Kriminelle bezeichnet. Im Wahlkampf behauptete er zudem, die Demokraten würden das Land zerstören, sollten sie bei den Zwischenwahlen im November die Kontrolle über den Kongress erlangen. Kritische Medienberichte weist er oft mit seinem Schlagwort „Fake News“ zurück.

Von RND/AP