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Deutschland / Welt Bombenfunde in USA: Die gespaltenen Staaten von Amerika
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06:37 25.10.2018
Polizisten vor dem evakuierten Time Warner Zentrum in New York, in das eine der Bomben geschickt worden war. Quelle: Kevin Hagen/AP
New York

Ratlos blicken viele Amerikaner auf diese Taten. Den früheren Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton, dem früheren CIA-Direktor John Brennan, Ex-Justizminister Eric Holder sowie zwei anderen Politikern wurden am Mittwoch selbstgebastelte Sprengsätze zugeschickt. Nur den professionellen Kontrollen des „Secret Service“ war es zu verdanken, dass niemand zu Schaden kam.

Bereits zwei Tage zuvor war eine Rohrbombe im Briefkasten des Multimilliardärs George Soros entdeckt worden, die an Ort und Stelle von Sprengstoffexperten der Polizei zur Explosion gebracht wurde, da ein Abtransport als zu gefährlich erschien.

Vielleicht handelt es sich nur um das Verbrechen eines Einzelnen, eines Verwirrten, der die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sucht. Trotz aller hektischen Untersuchungen tappen die Sicherheitsbehörden noch im Dunkel. Fest steht aber, dass sich die Amerikaner zwei Wochen vor den Zwischenwahlen unversöhnlich selbst gegenüberstehen. Die aufgeladene Rhetorik scheint in diesen Momenten nur ein Alles oder Nichts zu kennen.

Eine Serie von explosiven Briefen hält die USA in Atem. In New York und Washington ermittelt die Polizei, das CNN-Büro im Time Warner Center wurde evakuiert.

Es klingt wie das eine Amerika gegen das andere: Donald Trump spricht mit Blick auf die Demokratische Partei gar von Verbrechern und Lügnern. Noch vor wenigen Tagen war wie selbstverständlich auf seinen Wahlkampf-Rallys der Schlachtruf „Sperrt sie ein!“, „Sperrt sie ein!“ zu hören. Gemeint war Hillary Clinton, die der republikanischen Basis auch zwei Jahre nach den Präsidentschaftswahlen als Feindbild dient. Kann es da erstaunen, dass auch sie, die frühere Außenministerin und First Lady, einen hochgefährlichen Sprengsatz zugeschickt bekam?

Bemerkenswerterweise suchen seriöse Medien wie die „Washington Post“ die Schuldigen nicht allein bei dem sonst so hetzerischen Präsidenten. Sicherlich: Trump sorgte für eine bisher beispiellose verbale Verschärfung in der politischen Auseinandersetzung. Seine Anhänger werfen der heutigen Opposition aber letztlich ähnliche Stimmungsmache vor: Mit Vorliebe zitieren sie Hillary Clinton, als sie mit Blick auf die Trump-Anhänger von erbärmlichen Leuten (“Deplorables“) sprach. Auch legte sie nach Meinung der Trump-Leute eine ungemeine Arroganz der Macht an den Tag, als sie die Kohle-Kumpel in Kentucky, Wyoming und West Virgina aufforderte, sich neue Jobs zu suchen, da sie ihre Bergwerke möglichst schnell schließen werde, um einer neuen, sauberen Zukunft entgegenzustreben.

Zustimmungswerte für Trump nehmen weder zu noch ab

Die neue Unversöhnlichkeit dringt tief ins Alltagsleben ein: Während Scherze über Afroamerikaner, Latinos oder Frauen in den Metropolen längst als unanständig gelten, darf aus vollem Herzen gelacht werden, wenn sich jemand abends an der Theke über die Hinterwäldler in den Appalachen oder im Mittleren Westen lustig macht. Die Zeiten, in denen sich die Leute aus dem sogenannten Flyover-Country diese Hänseleien gefallen ließen, dürften jedoch vorbei sein.

Zu den Seltsamkeiten der Trump-Jahre gehören denn auch die festgefahrenen politischen Ansichten. Mit Erstaunen können die Meinungsforschungsinstitute kaum Unterschiede in den Popularitätswerten des Präsidenten feststellen: Obwohl es mit der Volkswirtschaft kräftig aufwärts geht und sich die Arbeitslosenzahlen auf einem historischen Tiefststand bewegen, nehmen die Zustimmungswerte für den Amtsinhaber weder zu noch ab. Sie verharren mehr oder weniger auf den Größen von November 2016. Die meisten Wähler bleiben offenbar in ihren Lagern, ganz gleich, ob die Politik in Washington in diese oder jene Richtung ausschlägt.

Ob der Schrecken, der am Mittwoch durch Amerika jagte, zumindest für einen Moment die tiefe Spaltung vergessen lässt?

Trump ruft zum Zusammenstehen auf

Es gibt zumindest zarte Hoffnungsschimmer. Trump ruft unmittelbar nach Bekanntwerden der Anschlagsversuche seine Landsleute dazu auf, in diesen Zeiten zusammenzustehen: „Wir müssen zusammenkommen und ein klares Signal senden, dass diese Art von politischer Gewalt in den Vereinigten Staaten keinen Platz hat.“ Ähnlich äußert sich auch Hillary Clinton, die an diesem Tag gerade auf Wahlkampftour in Florida unterwegs ist: „Wir müssen jetzt alles tun, um unser Land zusammenzubringen.“

Ob Appelle dieser Art wirken? Vielleicht. Trump will aber offenbar nicht allzu lange warten und findet bereits am Mittwochabend einen ersten Schuldigen – die Medien. Auf seiner Wahlkampf-Rally in Mosinee im Bundesstaat Wisconsin greift der 72-Jährige die unabhängigen Berichterstatter in gewohnter Manier wieder an und fordert sie auf, ihre „endlosen Feindseligkeiten und oft falschen Attacken und Geschichten zu beenden“.

Der Präsident erwähnt bei dieser Gelegenheit allerdings nicht, dass eine der Bomben im Briefzentrum des Senders CNN in New York entdeckt wurde – dem Sender, den Trump mit Vorliebe zu den „Feinden des Volkes“ zählt.

Von Stefan Koch/RND

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