Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Deutschland / Welt „Bavaria One“: Söders Weltraumpläne sorgen für Spott im Netz
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Bavaria One“: Söders Weltraumpläne sorgen für Spott im Netz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:08 04.10.2018
Ins Getwitter geraten: CSU-Ministerpräsident Markus Söder sorgt mit seiner Ankündigung eines eigenen bayrischen Weltraumprogramms für Spott im Netz. Quelle: Screenshot Twitter/Markus Söder
München

Die Ankündigung war ein kleiner Schritt für den bayrischen Ministerpräsidenten – doch in den sozialen Netzwerken zeigte dieser Schritt große Wirkung: Bayern möchte Luft- und Raumfahrtstandort Nummer eins in Deutschland werden. Dafür beschloss das bayerische Kabinett am Dienstag, kurz vor den Landtagswahlen, ein mehr als 700 Millionen Euro schweres Förderprogramm. Die auf zehn Jahre angelegte Strategie trägt den Titel „Bavaria One“.

„Bavaria One“: Zukunftschancen und Jobmotor für Bayern?

„Es ist eine Konzeption, die darauf aus ist, dass wir durch Beobachtung aus dem Weltall Lösungen für bayerische und auch ganz praktische Probleme entwickeln können“, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU). „Bavaria One“ sei kein Hirngespinst, sondern ein strategisches Technologiekonzept, das wirtschaftlich und wissenschaftlich Nutzen bringe.

Das Programm benennt zehn Aktionsfelder, die jeweils eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen umfassen. So soll auf dem Ludwig-Bölkow-Campus in Ottobrunn mit 50 Professuren und knapp 2000 Studienplätzen die größte Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie gegründet werden.

Weiterhin soll eine Hyperloop-Teststrecke gebaut werden, also ein Transportsystem, in dem sich Transportkapseln annähernd mit Schallgeschwindigkeit bewegen. Auch der Bau eines bayerischen Erdbeobachtungssatelliten ist in dem Programm angedacht. Zudem soll das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen zum „führenden Standort für Erdbeobachtung“ ausgebaut werden.

Entwickelt wurde das Konzept von Raumfahrtexperten unter Leitung von Ulrich Walter von der Technischen Universität in München. Dieser sagte, das Geld sei sehr gut investiert, allein die Ankündigung des Programms in Söders erster Regierungserklärung habe bereits vor Monaten eine immense Sogwirkung bewirkt. „Es gibt ein Rieseninteresse bei Investoren und Unternehmen“, sagte Walter.

Opposition kritisiert Pläne

Kritische Stimmen kamen hingegen aus der Opposition von SPD und Freien Wählern (FW). Das Projekt müsse den Namen „Bavarian Größenwahn“ statt „Bavaria One“ tragen, sagte FW-Fraktionschef Hubert Aiwanger.

„Bayern sollte erst einmal die naheliegenden technischen Probleme unseres Wirtschaftsstandortes – wie Mobilfunklöcher und fehlendes flächendeckendes Internet – lösen, bevor wir die Staatskasse ruinieren und in den Weltraum abheben“, widersprach er.

Die SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen nannte „Bavaria One“ eine großspurige Ankündigung: „Von den versprochenen 700 Millionen ist kein einziger Euro im Nachtragshaushalt.“ Unterstützt wurde sie vom Juso-Bundesvorsitzender Kevin Kühnert, der auf Söders Ankündigung auf Twitter parierte: „Worin Sie währenddessen nicht investieren: Bezahlbare öffentliche Wohnungen, gebührenfreie Kitas, unbefristete Jobs für angestellte Lehrkräfte und vieles mehr. Vielleicht muss man wirklich hinterm Mond leben, um Prioritäten so zu setzen.“

Söder: Keine Science-Fiction, sondern praktischer Nutzen

Söder wies die Kritik umgehend zurück. „Wer spöttelt, verkennt, was eine Zukunftsaufgabe ist“, sagte er. Bayern werde auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn es den Blick in die Zukunft wage. Es es gehe nicht darum, „Star Trek“ zu machen. Das Weltraumprogramm verspreche viele praktische Vorteile für aktuelle Herausforderungen in Bayern.

Als Beispiele nannte er Landwirtschaft, Medizin, Ökologie und die Arbeitsplätze, die mit dem Programm geschaffen werden könnten. „Wir werden einen praktischen Nutzen haben, der noch gar nicht absehbar ist“, sagte Söder. „Im Grunde gehen wir ins Weltall, um einen besseren Blick auf die Welt zu bekommen, einen besseren Blick für die kleinen Probleme, die wir hier haben.“

Weltraummission erntet Spott und Häme

Nicht nur die Anspielung auf Gene Roddenberrys Science-Fiction-Kosmos „Star Trek“, war für Kritiker eine Steilvorlage, um mit Hohn und Spott zu reagieren. Auch das Logo, mit dem der bayerische Ministerpräsident für sein Programm wirbt, sorgte für bissige Reaktionen im Netz. Das kreisrunde Symbol, das mit „Bavaria One Mission Zukunft“ überschrieben ist, zeigt Söders Konterfei vor einem Sternenhimmel.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz nannte dies auf Twitter einen „völlig überzogenen“ Satire-Abklatsch. Zugleich zog er einen Vergleich zu US-Präsidenten Donald Trump, dessen „America First“-Politik und Egozentrik:

Auch andere vermuteten hinter Söders Auftritt eine Satire-Aktion:

Andere Kommentatoren zeigten sich weniger verwundert:

TV-Kritiker Oliver Kalkofe kündigte „Söderchens Mondfahrt“ an. Er hatte bereits Söders Landtagsrede aufs Korn genommen und dafür Edmund Stoibers berühmt-berüchtigte Transrapid-Rede aufgegriffen:

#Mattscheibe #BavariaOne #LostinSpace #SoederchensMondfahrt #SchorschvomOarsch Bayrisches Himmelfahrtskommando! 🚀🛰️ Zum...

Gepostet von Oliver Kalkofe am Mittwoch, 3. Oktober 2018

Stoibers Rede hatten auch Kollegen von Extra 3 noch auf dem Zettel:

Außerdem twitterten sie unter dem Hashtag #BavariaOne: „Endlich: Bayern will Söder zum Mond schießen.“

Die Tageszeitung taz zwitscherte indes, dass Söder gar kein Raumfahrtprogramm brauche: „Seine Selbstüberschätzung reicht jetzt schon bis zum Mond.“

Die ZDF heute-show erinnerte an Söders starre Haltung in der Migrationsdebatte:

Andere nutzten den Kurznachrichtendienst, um die #BavariaOne-Pläne schon vor Start in ungeahnte Umlaufbahnen zu lenken: 60 Jahre nachdem der erste Affe ins All geschossen wurde, wolle nun auch Markus Söder ins All, twitterte ein Nutzer.

Andere witterten - ganz erdverbunden - einen Zusammenhang mit hiesigen Problemen:

Von RND/nie/dpa

Zum ersten Mal seit fast drei Jahren treffen sich die Regierungen Israels und Deutschlands wieder zu Konsultationen. Sie wollen die Zusammenarbeit im Bereich Wirtschaft und Wissenschaft ausbauen.

04.10.2018

Hat der Osten ein größeres Problem mit Rechtsextremismus als der Westen? Sachsen-Anhalts Ministerpräsident warnt vor einfachen Antworten – und findet im Interview klare Worte für die AfD.

04.10.2018

Teilnehmer einer Kundgebung von Rechtsextremen in Dortmund haben die Polizei und Gegendemonstranten am Mittwoch mit Feuerlöschern angegriffen. Unter den vorübergehend Festgenommen war auch ein Mitglied des Stadtrats.

04.10.2018