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Entschädigungszahlungen

Anwälte wollen Regierung auf 28.000 Euro für jedes Kundus-Opfer verklagen

Das Verteidigungsministerium will 3900 Euro für jedes Opfer des Bombardements in Kundus zahlen - die Anwälte der mehr als hundert afghanischen Familien fordern das Siebenfache. Auf 28.000 Euro pro Todesopfer wollen sie die Bundesregierung verklagen. Eine erste Klage soll bereits eingegangen sein.
Der Bremer Opferanwalt Karim Popal und seine beiden Kollegen wollen die Regierung auf 28.000 Euro für jedes Kundus-Opfer verklagen.

Der Bremer Opferanwalt Karim Popal und seine beiden Kollegen wollen die Regierung auf 28.000 Euro für jedes Kundus-Opfer verklagen.

© ap

Ein Jahr nach dem verheerenden Bombardement von Kundus sind die Verhandlungen über die Entschädigung der Opfer endgültig gescheitert. Die Anwälte von mehr als hundert afghanischen Familien kündigten am Dienstag in Berlin an, die Bundesregierung nun auf Zahlung von 28.000 Euro pro Todesopfer verklagen zu wollen. Das Verteidigungsministerium hat bisher nur rund 3900 Euro zugesagt.

Die Berliner Anwälte Reiner Geulen und Remo Klinger, die mit dem Bremer Opferanwalt Karim Popal zusammenarbeiten, kündigten in einer Presseerklärung an, dass sie Musterklagen vorbereiten wollen. Die Forderung von 28.000 Euro orientiere sich an Zahlungen, die das Verteidigungsministerium in anderen ähnlichen Fällen geleistet habe.

In der Nacht zum 4. September 2009 hatte der Bundeswehroberst Georg Klein das Bombardement zweier von Taliban-Kämpfern gekaperter Tanklaster in der nordafghanischen Provinz Kundus befohlen. Wieviele Menschen dabei getötet wurden, ist bis heute umstritten. Die Bundeswehr geht von 91 Toten und 11 schwer Verletzten aus. Die Nato war in ihrem ursprünglichen Untersuchungsbericht auf mindestens 142 Tote oder Verletzte gekommen. Nach Recherchen der Opferanwälte wurden 137 Menschen getötet. Dokumentiert seien aber nur 113 Todesfälle.

Eine erste Klage eines der schwer verletzten Lastwagenfahrer soll bereits in der vergangenen Woche beim Landgericht Bonn eingegangen sein. Darüber hatte „Spiegel Online“ am Wochenende berichtet. Der Fahrer soll bei den Entschädigungszahlungen des Verteidigungsministeriums nicht berücksichtigt worden sein und nun Schmerzensgeld verlangen.

Der Streit über die Entschädigung läuft bereits seit Monaten. Anfang August hatte das Verteidigungsministerium verkündet, 5000 Dollar (3900 Euro) pro Opfer zur Verfügung stellen zu wollen. Die Anwälte gaben sich damit nicht zufrieden.

dpa


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