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Aufregung über Juden-Äußerung

Angela Merkel verlangt 
Konsequenzen für Sarrazin

Nach seinen umstrittenen Äußerungen zu Ausländern und Juden in Deutschland gerät Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin immer stärker unter Druck. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Äußerungen Sarrazins am Sonntagabend „vollkommen inakzeptabel“ und legte der Bundesbank Konsequenzen nahe.
Bundeskanzlerin Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel

© afp

Das SPD-Präsidium will sich heute mit dem Fall beschäftigen. Sarrazin war früher SPD-Finanzsenator in Berlin.

Sarrazin hatte schon vor der Veröffentlichung seines Buches „Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“ für Debatten gesorgt. Der „Welt am Sonntag“ sagte Sarrazin nun in einem Interview: „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.“ Außerdem ging Sarrazin auf Probleme ein, die es aus seiner Sicht bei der Integration muslimischer Zuwanderer gebe. Muslime integrierten „sich überall in Europa deutlich schlechter als andere Gruppen von Migranten“, sagte Sarrazin. „Die Ursachen hierfür sind nicht ethnisch, sondern liegen offenbar in der Kultur des Islam.“

Sarrazins Äußerungen seien „ausgrenzend“ und machten „ganze Gruppen verächtlich“, sagte Kanzlerin Merkel in der ARD. Sarrazin erschwere durch seine Aussagen die Auseinandersetzung mit dem Thema Integration. „Die Art und Weise, wie hier geredet wird, spaltet die Gesellschaft“, sagte Merkel. Zugleich legte die Bundeskanzlerin der Bundesbank Konsequenzen nahe. Das Finanzinstitut sei „für unser ganzes Land ein Aushängeschild“.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, warf Sarrazin einen faktischen Rückgriff auf Elemente der Rassehygiene aus der Nazi-Zeit vor. Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) sagte der „Bild am Sonntag“: „Wortmeldungen, die Rassismus oder gar Antisemitismus Vorschub leisten, haben in der politischen Diskussion nichts zu suchen.“ Jede Provokation habe ihre Grenzen, meinte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Auch Hessens scheidender Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der sich zuvor noch hinter Sarrazin gestellt hatte, distanzierte sich am Sonntag.

SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz forderte von Sarrazin den Rücktritt als Bundesbankvorstand und den Austritt aus der Partei. Sarrazin, der früher Finanzsenator in Berlin war, wies die Forderung umgehend zurück: „Ich bleibe in der SPD bis an mein Lebensende.“

Am Montag stellt Sarrazin sein Buch in Berlin vor, am Abend diskutiert er mit der niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) in der ARD-Sendung „Beckmann“.

[Reinhard Urschel]

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