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Panorama Wanderfalken sterben nach Giftanschlag
Nachrichten Panorama Wanderfalken sterben nach Giftanschlag
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19:50 18.07.2018
Vier tote Wanderfalken liegen in ihrem Horst auf dem Nordostturm des Wormser Doms. Quelle: dpa
Worms

Vier Wanderfalken, die auf dem Wormser Dom lebten, sind offensichtlich einem Giftanschlag zum Opfer gefallen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Mainz starben die Mutter und drei Jungtiere, weil sie von einer mit Gift präparierten Taube gefressen hatten. Da es keine weiteren Ermittlungsansätze gebe, habe man das Verfahren einstellen müssen, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit.

Ehrenamtliche des Naturschutzbundes (Nabu) hatten die toten Tiere bereits am 22. Mai gefunden und Strafanzeige gestellt. „Die Falkenmutter lag auf der Taube, sie muss also beim Füttern zusammengebrochen sein“, sagte der Vorstand des Nabu-Ortsverbandes Worms, Hilmar Kienzl. Zwei Junge hätten tot vor ihr gelegen, das dritte, das wohl etwas später gestorben sei, habe daneben gelegen.

Keine Spur eines Täters

Die Staatsanwaltschaft Mainz teilte mit, die vergiftete Taube sei an den Schwungfedern verändert worden, dass sie möglicherweise schlechter habe fliegen können. Wie genau der Vogel mit dem Gift präpariert worden war, lasse sich nicht genauer beschreiben, da der Taubenkörper angefressen gewesen sei und die Verwesung schon eingesetzt habe. Zur Art des Giftes könne man aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen. Die toten Tiere waren im Landesuntersuchungsamt in Koblenz begutachtet worden.

Im Horst wurden laut Staatsanwaltschaft Beringungen von anderen Tauben gefunden, über deren Beschriftung Züchter und Halter ermittelt werden konnten. Es habe Zeugenvernehmungen gegeben. Man habe aber keinen Täter identifizieren können. Bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz drohen Geldstrafen oder Haftstrafen von bis zu drei beziehungsweise fünf Jahren.

„Kamikaze-Tauben“ als Greifvogel-Giftköder

Für Kienzl steht fest: „Die Falken sind einer verbrecherischen Giftattacke zum Opfer gefallen.“ Es habe sich bei der „Tatwaffe“ wohl um eine sogenannte „Kamikaze-Taube“ gehandelt. Diese lebenden Gift-Köder sind laut Naturschutzbund ein mehrfach dokumentiertes Tatmittel, um Greifvögeln nachzustellen.

Der Nabu Worms kümmert sich schon seit rund zehn Jahren darum, dass auf dem Nordostturm des Doms in rund 60 Metern Höhe Wanderfalken brüten können. Die Greifvögel seien „leidenschaftliche Felsenbrüter“, der Dom komme ihrem natürlichen Lebensraum nahe. Die Tiere gelten laut Kienzl als streng geschützte Vogelart. In den 70er-Jahren seien sie vom Aussterben bedroht gewesen.

Nabu will Belohnung für Hinweise aussetzen

Mit dem Ergebnis der Staatsanwaltschaft will sich der Naturschutzbund nicht zufrieden geben. „Wir werden eine sehr hohe Prämie aussetzen für sachdienliche Hinweise“, sagte Kienzl. „Damit der Täter gefunden wird oder er weiß: Es wird ernst.“ Der Nabu werde mit Unterstützung des „Komitees gegen den Vogelmord“ alles unternehmen, dass dieses Verbrechen in Worms nicht mehr vorkomme. „Sollten weitere Hinweise bekannt werden, können die Ermittlungen wieder aufgenommen werden“, teilte die Staatsanwaltschaft Mainz der Deutschen Presse-Agentur mit.

Laut Kienzl gibt es immerhin Hoffnung, dass auch in Zukunft Wanderfalken auf dem Wormser Dom leben werden. Der Falkenvater habe überlebt. „Der war unterwegs zur Jagd und kam später an“, sagte der Nabu-Ortsvorstand. Das Männchen sei „Besitzer“ des Horstes und warte auf ein Weibchen. Möglicherweise könne er eine neue Familie gründen. „Die Chancen sind gut, dass es weitergehen kann“, sagte Kienzl.

Von RND/dpa

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