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Panorama Unterirdische Zustände in New Yorks U-Bahn
Nachrichten Panorama Unterirdische Zustände in New Yorks U-Bahn
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12:19 13.06.2017
Zu voll: Immer mehr Menschen wohnen in den günstigeren Außenbezirken New Yorks. Sie sind auf die Bahn angewiesen. Auch die Touristen nutzen verstärkt die Züge. Quelle: AP
New York

Es war einer jener Momente, von denen New Yorker schwärmen; eine jener raren Gelegenheiten, zu denen die Menschen dieser abgehärteten Stadt ihren instinktiven Schutzpanzer ablegen und sich spontan ihren Mitbürgern gegenüber öffnen.

Die Metropole New York platzt mit seinen fast 8,5 Millionen Einwohnern und den Tausenden Touristen aus allen Nähten. Das belastet auch das U-Bahn-Netz.

Mehr als eine Stunde hatten die Pendler der Linie E nun schon in einem Tunnel irgendwo unter dem East River gesteckt, die Stimmung bei den Fahrgästen wurde immer angespannter. Besonders nervös war jedoch Jerich Marco Alcantara. Der 19-Jährige war unterwegs zur Abschlussfeier seines Collegestudiums, doch je länger der Zug festsaß, desto klarer wurde, dass er sein Diplom nicht mehr würde entgegennehmen können. So veranstalteten seine mitgereisten Freunde und Verwandten in der U-Bahn für ihn eine kleine Zeremonie und der ganze Zug stimmte in den Applaus und die Lobgesänge für den jungen Mann ein.

70 000 Verspätungen in einem Monat

Die Pendler der Linie E machten – was New Yorker immer tun – das Beste aus jeder Situation. Das konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Unmut in der Stadt über die Subway stetig wächst. Die Anzahl der Verspätungen der U-Bahn hat sich seit 2012 von 28 000 pro Monat auf rund 70 000 erhöht. Züge fallen immer öfter aus, die Anzahl von gefahrenen Meilen zwischen Zusammenbrüchen ist durchschnittlich von 200 000 auf 120 000 geschrumpft. Waggons wie die der Linie C nach Harlem sind zum Teil mehr als 50 Jahre alt. Ständige Schienenreparaturen sorgen für Verzögerungen, Signale sind defekt, überfüllte Züge kommen nicht aus den Stationen. Die Pendler ächzen und stöhnen. So klagt Frank Leone aus Queens, dass er nie mehr pünktlich zur Arbeit kommt. „Ich brauche normalerweise 35 Minuten. Jetzt gebe ich mir eine Stunde und komme immer noch ständig zu spät.“

Gerade Menschen wie Frank aus den Außenbezirken sind auf die Subway angewiesen, die das Getriebe der Stadt am Laufen hält. Sechs Millionen Menschen verbringen durchschnittlich mehr als eine Stunde pro Tag unter Grund. Doch die Pannen der vergangenen Monate bringen zunehmend den gehetzten Takt der Stadt ins Stocken.

Anzahl der Fahrgäste wird immer größer

Das peinliche an der Krise ist indes, dass sie ebenso vorhersehbar wie vermeidbar war. Die Anzahl der U-Bahn-Fahrer wächst seit Jahren, während das Netz gleichzeitig vor sich hin modert.

Gleichzeitig schob die Betreibergesellschaft MTA notwendige Sanierungen immer weiter vor sich her. Nach der Krise von 2008 waren die Kassen knapp. Und, wie der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo jüngst zugab, war Infrastruktur-Instandhaltung keine Priorität: „Damit gewinnt man keine Wähler.“

Die Subway-Krise kommt Cuomo gelegen

Hinter der Vernachlässigung steckt jedoch auch die schwelende Fehde zwischen dem Gouverneur und dem New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio. Seit DeBlasios Amtsantritt 2013 hat Cuomo keinen Hehl daraus gemacht, dass er den beliebten Linksausleger seiner eigenen Partei nicht besonders mag. Es gab kaum eine Gesetzesinitiative von de Blasio, die Cuomo nicht von der Staatskapitale Albany aus sabotiert hätte. Die Subway-Krise kam Cuomo sehr gelegen. Viele New Yorker Bürger machten de Blasio für die U-Bahn-Probleme verantwortlich, obwohl die Betreibergesellschaft MTA seit 1969 dem Staat untersteht. Cuomo tat nichts, um die Sache klarzustellen.

Jetzt, da im bevorstehenden Sommer auch noch im Pendlerbahnhof Pennsylvania Station Ausfälle bevorstehen und die Stadt auf einen „Höllensommer“ zusteuert, wie die „New York Daily News“ schrieb, übernimmt Cuomo endlich Verantwortung. Er hat einen Notfallplan vorgelegt und die Sache zur Priorität gemacht. Schließlich kann sich der Gouverneur mit Präsidentschaftsambitionen nun als Retter positionieren.

Ob Cuomos 20-Millionen-Dollar-Paket den New Yorkern tatsächlich den Sommer noch zu erleichtern vermag, muss man erst noch abwarten. Gewiss ist allerdings wohl, dass die New Yorker so oder so irgendwie das Beste daraus machen.

Von Sebastian Moll/RND

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