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US-Sträfling verkauft Tickets für eigene Hinrichtung

Tod durch Giftspritze US-Sträfling verkauft Tickets für eigene Hinrichtung

Fünf Tickets für die Hinrichtung: Zusammen mit seinem dänischen Geschäftspartner versteigert ein zum Tode verurteilter US-Amerikaner Tickets für die eigene Hinrichtung. In Dänemark stößt die makabere Versteigerung auf Empörung - genau das wollten die Initiatoren erreichen.

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Mit der Giftspritze soll der US-Amerikaner Travis Runnels hingerichtet werden.

Quelle: dpa

Wenn Travis Runnels als wohlhabender Mann sterben soll und Martin Martensen-Larsen auch nur einen Teil seines Studienkredits zurückzahlen will, müssen sich die Bieter weitaus generöser zeigen als bisher. Auf lediglich 1100 Dollar beläuft sich das bisher höchste Gebot für einen Platz mit guter Sicht auf die Hinrichtungszelle, die im texanischen Huntsville auf den zum Tode verurteilten Amerikaner wartet. Sein dänischer Geschäftspartner will fünf Zuschauersitze versteigern – zehn Prozent der Einnahmen will er für sich behalten, der Rest geht an Runnels. „Ich habe keine Erwartungen an den Preis“, sagt Martensen-Larsen. Die erste Auktion läuft bis zum nächsten Montag.

In den USA darf ein zum Tode Verurteilter fünf Zeugen seiner Hinrichtung selbst benennen, statt Angehöriger oder Freunde will Runnels nun die Meistbietenden aus der Internetauktion einladen. In Dänemark stößt die makabre Versteigerung auf Empörung. Eine „kranke Idee“ sei das, Geld mit dem Tod als Theaterinszenierung verdienen zu wollen, wettert der Vorsitzende der Ethikkommission, Niels Jørgen Cappelørn. Theologen geißeln die Geschäftsidee als besondere Perversion einer Realityshow. Martensen-Larsen bleibt gelassen. „Die Amerikaner sind doch stolz auf die Todesstrafe“, sagt der 32-jährige Jurastudent aus Kopenhagen. „Da ist es doch paradox, dass die Hinrichtungen nur im Verborgenen stattfinden sollen.“ Es gehe ihm nur darum, auch einer breiteren Öffentlichkeit die Chance zu geben, ganz nah dabei zu sein.

Die Überraschung ist gespielt, denn natürlich war die Aufregung des Publikums fest eingeplant. Weder Martensen-Larsen noch dem Todeskandidaten geht es bei der Auktion in erster Linie ums Geld: Ihre Währung ist die Aufmerksamkeit – gerade deshalb erweckte der Däne in ersten Interviews den gegenteiligen Eindruck und fabulierte von der Tilgung eines Kredits. Der angehende Jurist kämpft seit Langem gegen die Todesstrafe, mit ungewöhnlichen Methoden.

Im Auftrag von Amnesty International untersuchte der Däne verschiedene Exekutionstechniken, es folgte ein Buch über den Alltag von Häftlingen im Todestrakt von amerikanischen Gefängnissen, zur Kopenhagener Modewoche kreierte er „The Last Fashion“ – eine Art Haute Couture für die letzten Meter auf dem Weg zur Hinrichtung. Unmittelbar vor der Auktion lief sein Dokumentarfilm „Dying in Dixieland“ über die Zustände in texanischen Todestrakten.

Die Aufmerksamkeit allerdings blieb bescheiden, die Amerikaner ungerührt: Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 wurden in den Vereinigten Staaten 1226 Menschen hingerichtet, 38 davon im vergangenen Jahr. Auch wenn es immer wieder mal Zweifel an den Beweisen und Berichte über unschuldig Verurteilte gibt, haben nur 15 Bundesstaaten die Todesstrafe wieder abgeschafft. Zurzeit sitzen mehr als 3000 Häftlinge in amerikanischen Todeszellen, 337 davon in Texas – einer von ihnen ist Travis Runnels.

Der 39-Jährige verbüßte wegen Einbruchs und Diebstahls eine Haftstrafe von 70 Jahren, als er 2003 einen Gefängniswärter erstach. Im Prozess sagte der Schwarze, dass er an jenem Tag aus Frust auch jeden anderen hätte umbringen können – vorausgesetzt, er wäre weiß gewesen. Runnels bekannte sich schuldig und wartet seither in Huntsville auf seine Hinrichtung mit der Giftspritze.

Martensen-Larsen hatte zunächst mit einem anderen Todeskandidaten einen Vertrag geschlossen, doch dessen Verlobte fürchtete die Reaktionen ihrer Nachbarn. Runnels hingegen sieht die Öffentlichkeit offenbar als letzte Hoffnung. „Es ist Zeit für gewaltlose Taten in nie dagewesener Form“, schrieb er schon vor vier Jahren aus der Zelle. Martensen-Larsen hält bereits Kontakt zu weiteren Todeskandidaten – unterschriftsreife Verträge gebe es aber noch nicht, versichert er.

In der „Walls Unit“, dem Staatsgefängnis in Huntsville, hält man die Versteigerung der Plätze für absurd. „Dazu wird es nie kommen“, erklärt ein Behördensprecher. „Nach der Rechtsprechung der Vereinigten Staaten darf ein zum Tode Verurteilter aus seinem Verbrechen keinen Profit schlagen.“ Die Auktion sei daher gegenstandslos, meint man in Huntsville. „Das haben wir natürlich erwartet“, entgegnet der Initiator Martensen-Larsen. „Im Zweifel ziehen wir vor Gericht.“

Auf weitere Risiken für die Bieter macht der Däne auf seiner Internetseite www.curtainfall.com im Kleingedruckten aufmerksam: Sollte Runnels noch begnadigt werden oder vor der Hinrichtung sterben, bekämen die Sieger der Auktion ihr Geld zurück – bis auf eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 25 Prozent ihres Gebots. In Geduld üben müssen sich die Bieter ohnehin: Für Runnels Todestag gibt es noch keinen Termin, und dass es hier schnell Klarheit geben könnte, ist unwahrscheinlich. Weil der Hersteller die Produktion stoppte, geht den US-Behörden das bei der Hinrichtung verwendete Narkosemittel aus.

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