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Leck in Meerestiefe

„Kill“-Manöver im Golf von Mexiko hat begonnen

Nach der bislang schwersten Ölpest der Geschichte hat BP damit damit begonnen, das Leck in 1500 Meter Tiefe endgültig zu versiegeln. Die weltweit mit Spannung erwartete Operation „Static Kill“ lief am Dienstagnachmittag Ortszeit (22 Uhr MESZ) an.
Die Vorbereitungen zum endgültigen Verschluss des Lecks in 1500 Metern Tiefe liefen auf Hochtouren.

Die Vorbereitungen zum endgültigen Verschluss des Lecks in 1500 Metern Tiefe liefen auf Hochtouren.

© dpa

Dabei werden zunächst schwerer Schlamm und danach Zement unter starkem Druck in die Steigleitung im Meeresboden gepumpt.
Zwei kleinere Lecks an der bisherigen provisorischen Abdichtung über dem Bohrloch, die eine Verzögerung der Aktion verursacht hatten, waren zuvor geschlossen worden. Danach wurden mehrere Tests durchgeführt, wie es hieß, so erfolgreich, dass sie schneller abgeschlossen werden konnten als erwartet. Das „Static Kill“-Manöver wird zwischen 33 und 61 Stunden dauern, sagte Admiral Thad Allen, der Einsatzleiter der Regierung.

BP hat mehrere Schiffe im Einsatz, um den schweren Schlamm unter hohem Druck in das Bohrloch zu pressen und so das Öl, das in der Steigleitung nach wie vor nach oben drückt, in die Tiefe zu drängen. Gelingt dies, folgt der Zement.

„Um ein Bohrloch richtig zu verschließen, muss der Druck vom Bohrlochkopf genommen werden. Man muss irgendetwas in das Bohrloch bringen, das einen Gegendruck zu dem nach oben drückenden Öl erzeugt“, erklärte Prof. Matthias Reich, Direktor des Institutes für Bohrtechnik und Fluidbergbau an der TU Bergakademie Freiberg, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Bei dem „schweren Schlamm“ handelt es sich nach den Worten Reichs um eine „sehr komplexe Flüssigkeit, die von Experten im Labor zusammengestellt wird. Sie ist zähflüssig und in diesem Fall sehr schwer.“

Der „finale Akt“ zur Versiegelung steht dann etwa eine Woche später an. Dann wollen die Ingenieure auch das Öl-Reservoir in etwa vier Kilometern Tiefe unter dem Meeresboden verschließen. Bei dieser Operation „Bottom Kill“ sollen ebenfalls Schlamm und Zement in die Steigleitung gepumpt werden. Das geschieht durch einen Nebenzugang, der seit Mai gebohrt wird.

Über das tatsächliche Ausmaß der Ölpest gab es seit dem Untergang der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 22. April erhebliche Kontroversen. Zunächst behauptete BP, es strömten lediglich geringe Mengen ins Meer. Dann wurden die Zahlen immer weiter nach oben korrigiert. Die neusten Schätzungen von Forschern hätten eine mögliche Abweichung von plus oder minus zehn Prozent, teilte die US- Regierung mit.

Die mexikanische Regierung will den BP-Konzern auf Schadenersatz verklagen. Das teilte Umweltminister Juan Rafael Elvira Quesada in Mexiko-Stadt mit, wie die Zeitung „Milenio“ am Dienstag berichtete. Nach den Worten des Politikers werden die Regierungen Mexikos und der USA im September in Washington das Ausmaß der Schäden beziffern.

Als Sofortzahlung verlange Mexiko 70 Millionen Dollar (etwa 53 Millionen Euro). Noch sei kein Öl in mexikanischen Gewässern entdeckt worden, ergänzte Elvira. Dennoch sei das Ökosystem in Mitleidenschaft gezogen worden.

Nach jüngsten Angaben von Forschern strömten insgesamt 4,9 Millionen Barrel in den Golf von Mexiko - das sind etwa 666 400 Tonnen. Niemals zuvor wurde eine schlimmere Ölpest registriert: Bei der Havarie des Tankers „Exxon Valdez“ 1989 vor der Küste Alaskas flossen „nur“ etwa 40 000 Tonnen ins Meer. Bisher galt der Bohrinsel- Unfall der „Ixtoc“ 1979 als die schwerste Ölpest. Damals flossen etwa eine halbe Million Tonnen ebenfalls in den Golf von Mexiko.

dpa


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