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Der Milchstraße ganz nah

Neue Sternwarte eröffnet Freitag Der Milchstraße ganz nah

Wo es am dunkelsten ist, leuchten die Sterne am hellsten. Sankt Andreasberg im Harz kann sich besonderer Dunkelheit rühmen: Laut Bundesamt für Naturschutz gehört es zu den sechs besten Sternenbeobachtungsorten in Deutschland.

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Strahlende Sterne: Die Milchstraße ist über Sankt Andreasberg bei klarem Wetter sehr gut mit bloßem Auge zu sehen und regt die Fantasie der Hobby-Astronomen an. Der Himmel auf diesem Foto ist ohne Teleskopeinsatz fotografiert, den Glockenturm von St. Andreasberg hat der Fotograf hineinmontiert.

Quelle: Schmidtko

St. Andreasberg. „Warum gibt es hier keine Sternwarte?“, soll ein Harzbesucher aus Duisburg vor einigen Jahren gefragt haben. So erzählt es Utz Schmidtko, Miterbauer der neuen Sternwarte, die dort heute eröffnet - direkt an der Grenze zum Nationalpark, 710 Meter über dem Meeresspiegel. „Sie ist die höchstgelegene in Norddeutschland“, sagt Schmidtko stolz.

Der Förderschullehrer aus Großburgwedel bei Hannover ist Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins „Sternwarte Sankt Andreasberg“. Für ihn und seine 75 Mitstreiter geht damit ein Traum in Erfüllung. Seit 2009 finden sich jährlich bis zu 100 Sternengucker aus ganz Deutschland mit Feldstechern und Teleskopen am Internationalen Haus Sonnenberg ein. Dort mietete der Verein im vergangenen Jahr ein Gebäude und baute es zur Sternwarte um - aus Kostengründen vorläufig noch ohne Kuppel. Auf dem Außengelände wurden fünf Säulen mit massiven, erschütterungsfreien Fundamenten und Stromanschluss montiert. Darauf können Amateurastronomen ihre Teleskope montieren. „In vielen Nächten kann man hier schon mit bloßem Auge Milchstraße und Andromeda-Galaxie sehr gut sehen, mit Teleskopen sogar Gasnebel oder eine Supernova“, sagt Schmidtko. Der Verein setzt sich dafür ein, die Region zu einem Sternenpark zu erklären. Dazu müssten sich Kommunen und andere Beteiligte auf Regeln gegen die allgegenwärtige Lichtverschmutzung verständigen. „Problematisch sind vor allem Straßenlaternen, Fassadenstrahler, Flutlichter, Leuchtreklamen und andere Außenlampen, die oft schräg montiert und nicht ausreichend abgeschirmt sind“, meint Andreas Hänel vom Planetarium Osnabrück, der einen Vortrag zur Eröffnung der Sternwarte hält. „Ganz zu schweigen von Bodenstrahlern und Kugelleuchten.“ Von der Nationalparkverwaltung wurde schon Unterstützung signalisiert. Doch die Kommunen im Harz fürchten touristische Einbußen, wenn sie etwa Skipisten nicht hell beleuchten dürften.

Wie weit die Lichtglocken großer Städte reichen, ist in klaren Nächten sogar von Sankt Andreasberg aus zu beobachten: Weit hinten am Horizont erscheint als heller Streifen die Beleuchtung Hannovers. In der ähnlich dunklen Lüneburger Heide bei Schneverdingen, wo sich auch regelmäßig Astronomiefreunde treffen, sieht man ebenfalls nachts die ferne Großstadt - in diesem Fall Hamburg.

Wie viele Sternengucker sich an diesem Wochenende im Harz treffen, hängt nicht zuletzt vom Wetter ab. Das gilt auch für die Öffnungszeiten der neuen Sternwarte. An jedem ersten Freitag im Monat soll es einen festen „Astroabend“ geben, ansonsten werden die Termine aktuell auf der Internetseite www.sternwarte-sankt-andreasberg.de veröffentlicht. Schon vorbereitet sind Kooperationen mit Schulen. Das Besondere: Die Sternwarte richtet sich auch an Geh- und an Sehbehinderte, sie wird nach Vereinsangaben die erste vollständig barrierefreie Sternwarte in Deutschland sein. So sind etwa die Teleskope über Rampen auch für Rollstuhlfahrer zu erreichen, ein „sprechendes Teleskop“ erklärt Sehbehinderten die Himmelswelt, Planeten und Sternbilder können anhand von Modellen ertastet werden.

Information der Besucher gehört zum Konzept: Je mehr sie über den Sternenhimmel wissen, desto mehr sehen sie auch. „Zurzeit ist nach 22 Uhr zwischen Fuhrmann und Cassiopeia der Komet Jacques zu beobachten“, erzählt Schmidtko. „Nur ein kleines, grünes Fleckchen. Aber ein tolles Gefühl.

Sternenparks

Nächtliche Dunkelheit ist in Niedersachsen – ebenso wie in vielen anderen Regionen weltweit – nicht mehr selbstverständlich. Dünn besiedelte Gegenden mit sehr geringer Lichtverschmutzung werden inzwischen von Sternenfreunden, aber auch von Umweltschützern, als besonderes Schutzgut gesehen.

Wie im Harz setzen sie sich für die Einrichtung von Lichtschutzgebieten ein, die auch Sternenparks genannt werden. Zurzeit gibt es weltweit rund 50 vom Weltnaturschutzverband International Union for Conservation of Nature (IUCN) klassifizierte Lichtschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von etwa 84.000 Quadratkilometern.

Voraussetzung für die Anerkennung ist ein umfassendes Beleuchtungskonzept der Kommunen, das etwa den Einsatz von Bewegungsmeldern und gut abgeschirmten Leuchten vorsehen kann. In Deutschland wurde im Februar dieses Jahres als erster Sternenpark der Naturpark Westhavelland anerkannt, mit Gülpe als dem gemessen dunkelsten Ort Deutschlands. Der Nationalpark Eifel ist vorläufig zu einem internationalen Sternenpark ernannt worden. Zuletzt erhielt am 7.  August ein Lichtschutzgebiet im Biosphärenpark Rhön die Anerkennung. Bemühungen gibt es auch auf der Schwäbischen Alb.

gs

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