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Drei Vermisste nach Erdrutsch in Sachsen-Anhalt

Nachterstedt Drei Vermisste nach Erdrutsch in Sachsen-Anhalt

Das Unglück überraschte die Menschen im Schlaf. Am frühen Sonnabendmorgen war ein dumpfes Grollen in der Gemeinde Nachterstedt im Salzlandkreis zu hören. In Sekundenschnelle stürzte in dem kleinen Ort im sachsen-anhaltinischen Harzvorland ein Hunderte Meter breiter Hang am Rande eines einstigen Braunkohletagebaus ein.

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Die Stelle in Nachterstedt, an der zwei Häuser in den Concordiasee gerissen wurden.

Quelle: Ronny Hartmann/ddp

Ein Doppelhaus und die Hälfte eines zweiten Gebäudes wurden bei dem Erdrutsch in die Tiefe gerissen. Drei Bewohner werden vermisst. Für sie gibt es kaum Hoffnung, die Bergungsarbeiten konnten erst am Nachmittag beginnen.

Direkt am Rand der Abbruchstelle offenbaren sich die Dimensionen des Unglücks: Etwa Hundert Meter geht es von hier aus in die Tiefe. Nach Schätzungen der Behörden hatten sich mehr als eine Million Kubikmeter Erdreich gelöst. Neben den Häusern existiert auch die dorthin führende Straße und ein beliebter Aussichtspunkt der Ferienregion nicht mehr. Auf dem Boden zeichnen sich breite Risse ab.

„Das Ausmaß der Katastrophe ist unvorstellbar“, sagt die Sprecherin des Salzlandkreises, Ursula Rothe. Ein Doppelhaus aus den 30er-Jahren, in dem zwei Ehepaare leben, verschwand komplett. Zwei Männer und eine Frau werden vermisst. Die betroffenen Bewohner des teilweise weggerissenen Hauses sind im Urlaub in Spanien. Den 150 Einsatzkräften bot sich ein schreckliches Bild. Ein Hausdach schaute noch aus dem Erdreich am Concordiasee, einem gefluteten Tagebauschacht, heraus.

Wegen der Gefahr weiterer Abbrüche konnte zunächst nicht an der Unglücksstelle nach Überlebenden gesucht werden. Höhenrettungsspezialisten der Magdeburger Feuerwehr begannen am Nachmittag mit ihrem Einsatz. Die Helfer sollten vom Hubschrauber aus so nah wie möglich an die Trümmerreste gebracht werden, um sich ein Bild verschaffen zu können.

Die Unglücksursache ist unklar. Dass der heftige Regen der zurückliegenden Nacht Auslöser gewesen sein könnte, hält kaum jemand von den Experten für möglich. Für jegliche Prognosen sei es noch zu früh, sagt Gerhard Jost vom Landesamt für Geologie und Bergwesen in Stassfurt. Das werde einige Zeit in Anspruch nehmen, lautet seine Einschätzung.

Ortsbürgermeister Siegfried Hampe blickt entsetzt auf die Kraterlandschaft. „Unsere Träume von einem florierenden Naherholungsgebiet können wir erst einmal beerdigen“, sagt er. Seit 1994 wird der alte Tagebau geflutet, das Umland erhofft sich von dem entstehenden See einen wirtschaftlichen Effekt. Eine Anlage für das Passagierschiff „Seelandperle“, das künftig in Nachterstedt gewartet werden sollte, ist ebenfalls in den Schlammmassen verschwunden.

65 Bewohner angrenzender Straßen waren sofort evakuiert worden. Eine ältere Frau musste wegen eines Schocks ins Krankenhaus. In den Räumen der Freiwilligen Feuerwehr konnten sich die Betroffenen erst einmal erholen. Danach wurden sie in der Sporthalle der Gemeinde untergebracht. 40 Menschen konnten im Laufe des Tages wieder die Häuser beziehen. Landrat Ulrich Gerster kündigte an, für die Betroffenen Ferienwohnungen in der Region bereitzustellen.

ddp

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