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Panorama Tödlicher Streit in Köthen – Haftbefehl gegen Tatverdächtige erlassen
Nachrichten Panorama Tödlicher Streit in Köthen – Haftbefehl gegen Tatverdächtige erlassen
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10:02 10.09.2018
Blumen und Kerzen an einem Baum auf dem Spielplatz,wo es zu dem Streit gekommen war. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
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Köthen

Nach dem tödlichen Streit in Köthen sitzen die beiden Verdächtigen in Untersuchungshaft. Ein Richter erließ am Sonntagabend Haftbefehl wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge, wie die Polizei mitteilte.

Die beiden 18 und 20 Jahre alten Männer sind afghanische Staatsbürger. Sie sollen in der Nacht zu Sonntag an einem Spielplatz mit anderen Männern aneinandergeraten sein. Dabei starb ein 22 Jahre alter deutscher Staatsbürger. Eine Obduktion des Toten ergab, dass er einem Herzversagen erlag. Ein Zusammenhang zu erlittenen Verletzungen konnte nicht hergestellt werden, nach dpa-Informationen gab es zunächst keine Hinweise für irgendeine Art von schwerster Gewalteinwirkung. Der Mann hatte eine auf das Herz bezogene Vorerkrankung.

Zu den Hintergründen des Geschehens in der Stadt, die gut 26.000 Einwohner hat, und zu den Abläufen während des Streits am späten Samstagabend nannten die Ermittler keine Details und verwiesen auf die andauernden Befragungen.

Ruhige Nacht nach Kundgebungen

Nach den Demonstrationen und Kundgebungen am Sonntagabend in Köthen ist die Nacht zum Montag aus Sicht der Polizei ruhig verlaufen. Mit dem Ende der Veranstaltungen habe es keine Vorfälle gegeben, teilte die Polizei in Dessau am Montagmorgen mit.

Am Sonntagabend beteiligten sich laut Polizei etwa 2500 Menschen an einer Kundgebung, zu dem rechte Gruppierungen in sozialen Netzwerken aufgerufen hatten. Die Kundgebung war zeitweise aggressiv, aus dem Teilnehmerkreis erschallten Rufe wie „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, „Wir sind das Volk“ oder „Lügenpresse“. Als ein Beobachter die Szenerie mit einem Handy filmte, wurde er geschubst. Die Polizei griff schnell ein.

Köthens Oberbürgermeister ruft zur Besonnenheit auf

Am Montag wollen die Behörden weitere Erkenntnisse zu dem Fall mitteilen. Innenminister Holger Stahlknecht und Justizministerin Anne-Marie Keding (beide CDU) haben für den späteren Vormittag zu einer Pressekonferenz in Magdeburg eingeladen.

Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild (SPD) hat sich nach dem tödlichen Streit zwischen zwei Männergruppen erschrocken gezeigt über Gewaltaufrufe bei den anschließenden Protesten. Er rief deshalb am Montag abermals zur Besonnenheit auf. Es sei schwer, wenn die Gewalt von außen nach Köthen komme, sagte der Sozialdemokrat im ZDF-„Morgenmagazin“. Er selbst habe zwar keine Aktionen gegen Rechts geplant, wenn aber etwas passiere, seien die Köthener vorbereitet.

Mit Blick auf die letztlich weitgehend friedlich verlaufenen Proteste vom Vorabend fügte Hauschild hinzu: „Leider haben doch viele Rechte versucht, sich Gehör zu verschaffen. Es ist schlimm genug, dass Leute zu Gewaltszenen aufrufen.“ Er sei erschrocken über die Reden.

Von RND/dpa

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