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Panorama Tierquälerei-Vorwurf gegen den Zoo Hannover
Nachrichten Panorama Tierquälerei-Vorwurf gegen den Zoo Hannover
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21:07 03.04.2017
Mit Elefantenhaken: Die Tierpfleger tragen zum Dirigieren und zur eigenen Sicherheit den umstrittenen Stab mit Doppelspitze.  Quelle: HAZ
Hannover

 Der Zoo Hannover sieht sich wegen seiner Form der Elefantenhaltung mit Tierquälerei-Vorwürfen konfrontiert. Das ARD-Magazin „Report Mainz“ kündigte für Dienstagabend einen Beitrag an mit dem Titel „Geschlagene Dickhäuter – Im Hannoveraner Zoo werden Elefantenkinder malträtiert“.

Die Sendung basiert nach Informationen der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ unter anderem auf Filmaufnahmen, die Mitglieder der Tierschutzorganisation Peta heimlich gemacht haben und der den Einsatz sogenannter Elefantenhaken anprangert. Zoo-Geschäftsführer Andreas Casdorff weist die Anschuldigungen zurück. „Wir müssen unsere Elefanten erziehen, verletzen sie dabei aber weder körperlich noch seelisch“, betonte er. Man stelle sich der Kritik, wünsche sich aber eine differenzierte Berichterstattung.

Peta hat die Aufnahmen nach Angaben des Zoos vor etwa einem Jahr angefertigt, davon einige vom Besucherbereich aus. Andere seien entstanden, indem die Aktivisten im hinteren Bereich auf einen Mauer geklettert seien und von dort ins Gehege gefilmt hätten. Zu sehen sind Pfleger, die mit dem Elefantenhaken – einem etwa einen Meter langen Stab mit einer Doppelspitze aus Hartmetall – hantieren. In einer Szene brüllt der Jungelefant Taru. Der Vorwurf lautet, die Dickhäuter würden zu Dressurzwecken mit dem Gerät geschlagen. „Das tun die Pfleger nicht. Es geht um eine Art stupsen“, sagte Casdorff.

„Free“ oder „protected contact“?

26 Zoos in Deutschland halten Elefanten, davon wenden Hannover und weitere 14 die Form des sogenannten „free contact“ an. „Dabei bewegen die Tierpfleger sich frei in der zwölfköpfigen Herde“, erläuterte der zoologische Leiter Klaus Brunsing. Zur eigenen Sicherheit müssten sie den Haken mit sich führen. Außerdem gehe es um Erziehung: „Sonst könnten beispielsweise Veterinäre nur aktiv werden, wenn man die Tiere vorher narkotisiert.“ Die früher üblichen Elefantenshows habe man abgeschafft und durch „kommentierte Fütterungen“ ersetzt.

Alternative zu dieser Haltungsform ist „protected contact“. Sie ist laut Brunsing erst in den vergangenen zehn Jahren so weit entwickelt worden, dass sie „free contact“ ersetzen könne. Pfleger kommen nicht mehr direkt mit den Tieren in Kontakt, sondern sind durch Gitter von ihnen getrennt. Für medizinische Behandlungen oder Fußpflege gibt es spezielle Vorrichtungen.

Der Zoo will die kontaktlose Haltungsform einführen. „Wenn wir die Elefantenanlage vom kommenden Jahr an umbauen, werden wir die Voraussetzungen dazu schaffen“, kündigte Brunsing an. Zu diesem Zeitpunkt werde der Zuchtbulle Nikolai den Zoo verlassen.

Der Zoo kennt den endgültigen Fernsehbeitrag noch nicht. „Selbst wenn es zu einer Anzeige kommt, schlafe ich ruhig weiter. Ich stehe hinter unserem Team“, bekräftigte Casdorff.

Von Bernd Haase/HAZ/RND