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Panorama Tausende Menschen feiern „Friedensfest“ gegen Rechtsextremismus
Nachrichten Panorama Tausende Menschen feiern „Friedensfest“ gegen Rechtsextremismus
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15:47 21.04.2018
Das Neonazi-Festival „Schild und Schwert“ sorgt für Unmut bei den Bürgern der Kleinstadt Ostritz – deshalb feiern sie ein „Friedensfest“. Quelle: imago/Eastnews
Ostritz

An diesem Wochenende treffen etwa 1000 Neonazis auf ebensoviele Friedensdemonstranten – die Bürger in dem ostsächsischen Ort befürchteten das Schlimmste. Doch die erwarteten Ausschreitungen sind bislang ausgeblieben – das umstrittene Neonazi-Festival „Schild & Schwert“ läuft weitgehend ohne Zwischenfälle neben zahlreichen Gegenveranstaltungen, wie dem linken Rockkonzert „Rechts rockt nicht“ und einem großen Friedensfest.

Versammlungsbehörde verhängt umfassendes Alkoholverbot

Am erstern Tag des Neonazi-Festivals stellte die Polizei bei Kontrollen von Teilnehmern zwei Verstöße gegen das Waffengesetz und das Betäubungsmittelgesetz fest, teilte die Polizeidirektion Görlitz in der Nacht zu Sonnabend mit. In jeweils drei weiteren Fällen ging es um das Verwenden von Kennzeichnen verfassungswidriger Organisationen sowie um einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz. In der Nacht zu Sonnabend habe es zwei weitere Straftaten gegeben: So habe ein 31-Jähriger den Hitlergruß gezeigt und bei einem Zusammentreffen von Linken und Rechten kam es zu Handgreiflichkeiten.

Ein Neonazi-Festival, das linke Rockkonzert „Rechts rockt nicht“ und ein großes „Friedensfest“ gegen Rechts – in der ostsächsischen Kleinstadt Ostritz ist an diesem Wochenende einiges los.

Bei einem Termin mit Journalisten auf dem Festival-Gelände sei ein Kameramann von einer 40 Jahre alten Frau attackiert worden. Laut Polizei wurde das Mikrofon der Kamera dabei beschädigt. Die Polizei widersprach Twitter-Einträgen, wonach die von einem Linke-Politiker angemeldete Gegenveranstaltung „Rechts rockt nicht“ wegen einer hohen Gefährdungslage abgebrochen wurde. Sie habe regulär gegen 22 Uhr geendet.

Um weitere Ausschreitungen zu unterbinden, hat die Versammlungsbehörde des Landkreises Görlitz das Alkoholverbot für das Neonazi-Festival in Ostritz ausgeweitet. Seit Sonnabend ist Alkohol auf dem gesamten Festivalgelände einschließlich des Hotels, der Tattoo-Convention und der Kampfsportvorführung untersagt, wie die Polizei mitteilte. Der Anmelder des „Schwert- und Schild“-Festivals müsse sicherstellen, „dass ab sofort keine alkoholischen Getränke auf dem Festivalgelände ausgeschenkt und konsumiert werden“. Diese wurden bereits im Beisein der Polizei in einer Garage eingeschlossen.

Bürger feiern „Friedensfest“ gegen Rechtsextremismus

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) verurteilte die Versammlung der Rechtsextremisten auf das Schärfste. „Lasst uns gemeinsam ein klares Zeichen setzen“, rief Kretschmer den Menschen im gut gefüllten Festzelt auf dem „Friedensfest“ zu. Er habe keinen Zweifel daran, dass das in Ostritz Gewachsene auch von der Mehrheit der Gesellschaft in Sachsen getragen werde. „Wir wollen diese Leute hier nicht haben“, sagte er mit Blick auf das Geschehen im nur wenige hundert Meter entfernten Hotel „Neißeblick“.

Auf dem Marktplatz in Ostritz hatten sich mehr als 1000 Menschen am Freitagabend versammelt, um ein beeindruckendes Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen. Sie bildeten mit Kerzen in der Hand eine Menschenkette um den Rathausplatz. Kretschmer zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Bürger und sagte: „Wenn Nazis hier eine Show abziehen, müsse man sich dem gemeinsam entgegenstellen.“

„Wir dürfen den Neonazis keinen Meter freiwillig überlassen“

Auch die Ostritzer Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos) bezog klar Position: Dass Hunderte Neonazis unter dem Schutz des Versammlungsrechtes in Ostritz feiern, sei für viele Einwohner der Stadt und Menschen in der Region unerträglich, sagte sie. Bei der Vorbereitung des Festes habe man aber lernen müssen, dass es noch viel Aufklärungsbedarf hinsichtlich hell- und dunkelbraunen Gedankengutes gibt: „Wenn wir heute nicht gegen Rechts aufstehen, müssen wir vielleicht unseren Kindern und Enkeln erklären, warum wir eigentlich so lange zugeschaut haben.“

„Wir wollen Ostritz an diesem Wochenende nicht den Neonazis überlassen. Ostritz ist keine Nazi-Stadt, auch nicht für ein Wochenende“, sagte Michael Schlitt, Leiter des Internationalen Begegnungszentrums (IBZ). Das Fest sei mit vielen Bürgern aus der Region in Hunderten Stunden ehrenamtlich organisiert worden. Der Protest gegen Neonazis sei nicht die „Sache einiger weniger Gruppen, sondern eine, die uns alle angeht“. Schlitt, der das „Friedensfest“ initiiert hat, betonte: „Wir dürfen den Neonazis keinen Meter freiwillig überlassen.“

Von dpa/epd/RND/lf

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