Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Panorama Sven de Vries: Der twitternde Schäfer
Nachrichten Panorama Sven de Vries: Der twitternde Schäfer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:05 21.10.2018
Vom IT- zum Schafexperten: Sven de Vries macht online auf den Schäferberuf aufmerksam. Quelle: Foto: Timo Jaworr
Bad Wurzach

Glück gehabt. Sven de Vries’ Schafe sind nicht mit dem Segelflugzeug kollidiert, das die Startbahn entlangrollt. Der Schäfer und seine beiden Hunde hatten die Herde im Blick und verhinderten einen Zusammenstoß. Der 37-Jährige wirkt gelassen. Obwohl er zugibt, dass eine Kollision „ziemlich doof gewesen wäre“. Seine 730 Merinolandschafe weiden hier im Auftrag des Segelflugvereins, pflegen dessen Wiese auf der Schwäbischen Alb. Doch Sven de Vries bringt so schnell nichts aus der Ruhe, vor allem nicht seine Schafe.

Und auch kein schlechter Handyempfang – dabei braucht der Schäfer den regelmäßig. Er twittert unter dem Namen @schafzwitschern, podcastet und postet täglich auf Instagram und Facebook. Er versorgt seine Follower mit Bildern, Videos und Neuigkeiten über seine Schafe. Mal sind es nur ein paar Worte wie: „Wie erklärt man einem viel zu jungen Lämmchen, dass seine Mami gestorben ist?“, mal ein Foto von einem Neugeborenen, das de Vries in einem Udo-Lindenberg-Beutel durch die Gegend trägt.

Der 37-Jährige will zeigen, wie schwierig es ist, in Deutschland den Schäferberuf zu erhalten. Er will viele Menschen erreichen und nutzt die sozialen Medien in jeder freien Minute. Er hakt in Landtagen nach, wenn es um neue Verordnungen geht, telefoniert mit Abgeordneten und Stadträten. „Mir begegnet überall viel Offenheit, man hört mir zu“, sagt er.

Schäfer: 16-Stunden-Job, sieben Tage die Woche, Urlaub Fehlanzeige

All das macht er nebenbei. Er versorgt seine „Mädels“, wie er seine Schafe nennt, allein. Das ist ein 16-Stunden-Job, sieben Tage die Woche, Urlaub Fehlanzeige. De Vries’ Arbeitstag beginnt spätestens um 6 und endet frühestens um 22 Uhr. Hunde und Herde versorgen, Schafe entwurmen, Klauen pflegen, Mittagspferch abstecken, Wasser in 1000-Liter-Fässern holen, Etappen für den Nachmittag vorbereiten, losziehen, hoffen, dass kein Schaf durch einen Gartenzaun schlüpft, kein Privatteich zur Tränke wird, keine Landstraße zur Gefahr.

In der Dämmerung steckt de Vries den Nachtpferch ab, sperrt alle Schafe ein und beginnt in seinem Wohnwagen mit der Buchhaltung. Seine studierende Freundin sieht er nur am Wochenende. Er hofft, bald einen Angestellten zu haben. „Im Moment habe ich noch nicht mal Zeit, zum Arzt zu gehen“, sagt er.

Doch er liebt seinen Beruf. „Ich kann mit den Mädels durch die Natur ziehen“, sagt er. „Sie sind sehr warme Wesen, haben eine tolle Persönlichkeit, und wir erhalten die Artenvielfalt. Ich mag es, wie liebevoll sie mit ihren Lämmern umgehen.“

Worte, die er sich selbst vor 20 Jahren nicht geglaubt hätte. Damals lebte de Vries in seiner Heimat Hannover. „Eigentlich hatte ich Angst, aufs Land zu ziehen.“ Er lacht. „Ich habe gern gefeiert und war ein richtiges Stadtkind.“ Er brach die Abiprüfung ab, arbeitete als IT-Experte. „Ich konnte das zwar sehr gut, aber ich merkte schnell: Es ist nicht das Richtige für mich.“ Dennoch nutzt es ihm heute im Umgang mit den sozialen Medien.

De Vries engagierte sich im Naturschutz, absolvierte sein Freiwilliges Ökologisches Jahr in Göttingen in einem Milchschafbetrieb und machte 2008 die Ausbildung als Tierwirt mit Fachrichtung Schäferei. „Für mich war klar: Ich will mit Schafen arbeiten.“

Als Wanderschäfer zieht de Vries im Sommer über die Schwäbische Alb, im Winter Richtung Ravensburg und Bodensee

Nun zieht er seit zehn Jahren als Wanderschäfer im Sommer in der Nähe von Ulm über die Schwäbische Alb, im Winter Richtung Ravensburg und Bodensee. Seine Herde umfasst im Frühjahr, zur Lammzeit, mehr als Tausend Tiere. Dann ist de Vries auch Geburtshelfer. Immer dabei: sein Mobiltelefon, durch dass er seine Gedanken und Bilder in die Welt sendet. Er verdient Geld mit Lammfleischverkauf, lässt die Tiere im Auftrag der Gemeinden öffentliche Flächen abgrasen und hat seinen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb.

An Auszeichnungen für seine Arbeit mangelt es de Vries nicht. Vor Kurzem bekam er den Smart Hero Award für seinen klugen Einsatz sozialer Medien, er war für den Grimme Online Award nominiert. „Ich bin darüber sehr froh, weil es mir so gelingt, noch mehr Menschen zu zeigen, wie erhaltenswert die Schäferei ist“, sagt er und wendet sich seinen Mädels zu. In Gedanken vielleicht schon beim nächsten Tweet.

Von Karoline Beyer/RND

Schreckliches Zugunglück in Taiwan: Die Waggons liegen quer auf den Schienen, umgestürzt und verkeilt. Die vielen Toten und Verletzten überfordern die Retter. Auch freiwillige Helfer suchen in den Trümmern verzweifelt nach weiteren Opfern.

21.10.2018

Drei Menschen stehen hinter dem Song „Bad Girl“, den der US-amerikanische R&B-Sänger im Jahr 2004 veröffentlichte. Einer von ihnen jedoch wurde bei den Einnahmen übergangen. Er reichte Klage ein – mit Erfolg.

21.10.2018

Bei Tempo 220 platzt plötzlich der Reifen, der Fahrer eines Sportwagens verliert auf der A27 kurz vor Walsrode die Kontrolle, am Ende fängt der Ferrari Feuer. Zwei Menschen sterben bei dem Unfall am Sonntag, die Identifizierung der Opfer läuft noch.

21.10.2018