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Panorama Prozessauftakt im Tiergarten-Mord
Nachrichten Panorama Prozessauftakt im Tiergarten-Mord
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19:40 28.03.2018
Der Angeklagte schweigt: Ilyas A. verdeckte im Gericht sein Gesicht vor den Fotografen. Er streitet den Vorwurf des Mordes ab. Quelle: Foto: dpa
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Berlin

Unbeteiligt blickt Ilyas A., hinter einer Fensterscheibe sitzend, nach vorne in Richtung seiner Verteidiger, als der Staatsanwalt die Klage verliest. A. trägt eine graue Jacke, eine blaue 24 ist darauf in Bizepshöhe gestickt, sein schwarzes Haar ist an den Seiten kurz geschoren. Zehn Meter gegenüber von ihm sitzt Klaus Rasch. Er wollte dem jungen Mann, der seine Ehefrau umgebracht haben soll, in die Augen sehen.

Ilyas A. soll, so lautet die Anklage, am Abend des 5. Septembers 2017 die Kastellanin Susanne Fontaine auf dem Schleusenweg, kurz vor dem Bahnhof Zoo, erwürgt und in ein Gebüsch gezerrt haben. Eine Woche später, am 12. September, wurde A. in Polen festgenommen. Das Handy der Ermordeten diente als Ortung. Nicht einmal einen Monat später wurde A. nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft in Berlin.

Die Anklage in dem Prozess lautet auf heimtückischen Mord aus Habgier und Verdeckungsabsicht. Ein Mord für mindestens zwei Euro und ein Handy. A. war eigenen Angaben zufolge zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. Je nachdem, ob nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht verfahren wird, droht ihm im Falle einer Verurteilung eine lebenslängliche Freiheitsstrafe.

Unglaubliches Medieninteresse im Gerichtssaal

Viel Bestürzung und ein unglaubliches Medieninteresse herrschte nach dem Mord im Tiergarten. Auf der einen Seite, weil er die Debatte um die Abschiebepraxis befeuerte. A. ist tschetschenischer Herkunft, war öfters durch Diebstähle und Überfälle auf ältere Damen aufgefallen. Zwei Versuche ihn abzuschieben, scheiterten an Formalitäten.

Auf der anderen Seite blickte man schon vorher argwöhnisch auf Obdachlosen-Zeltlager, die im Berliner Tiergarten aufgestellt waren. Gärtner des Bezirks sollen immer mehr beleidigt und mit Flaschen beworfen worden sein. Die Nerven lagen blank.

Auch Ilyas A. campierte hier. Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) verfolgte eine schärfere Politik gegen solche Camps. Deutlich über hundert Räumungen haben die Behörden durchgeführt und damit Menschen ihren Schlafplatz, sei er auch noch so dürftig, weggenommen.

Sozialarbeiter waren über das härtere Vorgehen der Behörden im Tiergarten – vorsichtig formuliert – verwundert, vor allem weil diese so kurz vor der Kältesaison, die am 1. November des Jahres beginnt, umgesetzt wurde. „Durch den Mord geschah eine Kopplung von Sicherheit und Obdachlosigkeit“, sagt der Leiter der Bahnhofsmission Zoo, Dieter Puhl. Er kümmert sich vor Ort um die Obdachlosen im Tiergarten. Die Bedrohung gegenüber Bürgern sei nicht signifikant, meint der Sozialarbeiter. Der Fall Ilyas A. ein Einzelfall. Und trotzdem herrscht spätestens seit dem Unbehagen.

Auch deshalb will Bezirksbürgermeister von Dassel hart bleiben: „Es wird in diesem Sommer niemanden geben, der zwei Wochen lang im Tiergarten campiert und nicht Bekanntschaft mit Ordnungsämtern oder Polizei macht“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die Bürger haben einen Anspruch darauf, dass wir einschreiten, wenn jemand ein Kinderhäuschen als Schlafplatz oder Klo benutzt.“ Oder es möglicherweise erneut zu Tätlichkeiten kommt. Der Grünen-Politiker sieht sich zum Handeln gezwungen und weiß, dass er damit der „Buhmann“ ist.

A. will zur Tatzeit betrunken gewesen sein

Im Saal 500 des Amtsgerichts Tiergarten verliest der Vorsitzende Richter Ralf Vogl eine schriftliche Erklärung von Ilyas A. Er sei nicht der Mörder, heißt es darin.

A. will sich zur Tatzeit in einem Internetcafé aufgehalten haben und sei betrunken gewesen. Zwei, vielleicht drei Flaschen Bier und eine Flasche Wodka Gorbatschow. Als er sich dann wieder im Tiergarten befand und sich „erleichtern“ wollte, sei er auf den Leichnam gestoßen. Vor Panik habe er Handy und Kleingeld an sich genommen. Womöglich habe er auch die Hände der Leiche berührt, was die DNA-Spuren erkläre. Aus Angst, man könne ihn mit dem Mord in Verbindung bringen, sei er dann zu seinem Vater nach Polen gereist. Seine Festnahme habe ihn überrascht.

Während der Erklärung sitzt Klaus Rasch da. Regungslos. Genau wie Ilyas A.

Von Jean-Marie Magro/RND

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